Anneliese Konermann geht nach 45 Jahren in den Ruhestand
Landhausmode mit Chic ist ihr Stil

Tecklenburg -

Anneliese Konermann räumt aus und auf, während ihre Nachfolger die frei werdenden Regale schon wieder bestücken. Nach 45 Jahren geht ihr Geschäft nahtlos in neue Hände über.

Dienstag, 10.03.2020, 18:48 Uhr aktualisiert: 11.03.2020, 17:07 Uhr
Anneliese Konermann gönnt sich nun, nach 45 Jahren als selbstständige Geschäftsfrau, den Ruhestand.
Anneliese Konermann gönnt sich nun, nach 45 Jahren als selbstständige Geschäftsfrau, den Ruhestand. Foto: Ruth Jacobus

Kommt etwas Wehmut auf? „Das verdränge ich noch“, sagt Anneliese Konermann und lächelt. Sie hat genug Arbeit, die sie ablenkt. Da ist zum einen der Ausverkauf der Landhausmode an der Landrat-Schultz-Straße. Zum anderen wird bereits eingeräumt, denn das Geschäft geht fast nahtlos in andere Hände über. Textilien wird es dort weiterhin geben, nicht aber die edlen Dirndl und Trachten. „Yonkers“ aus Bad Rothenfelde zieht ein.

Doch noch hält Anneliese Konermann die Fäden in der Hand in ihrem Fachgeschäft für Landhausmoden. Und sie nutzt ein paar ruhige Minuten, um zurückzublicken auf die 45 Jahre, in denen sie als selbstständige Geschäftsfrau tätig war. Eines versichert sie sofort und glaubhaft: „Ich habe keinen Tag bereut.“

Am 1. August 1975 ist die damals 33-Jährige zur Stadtverwaltung gegangen und hat sich einen Gewerbeschein geholt. Ein Datum, das sie nicht vergessen hat. Ihr Mann hatte sich damals mit einem Bauunternehmen selbstständig gemacht. Für die schlüsselfertigen Häuser erwarb die gelernte Indus-triekauffrau die passenden Teppichböden, Tapeten, Gardinen und mehr. Daraus entstand schließlich ihr Geschäft für Wohnaccessoires – zunächst an der Ibbenbürener Straße, drei Jahre danach an der Landrat-Schultz-Straße 15, später kamen die Landhausmoden und das Haus Nummer 19 hinzu, das sie zunächst mietete und 1990 mit ihrem Mann Ludger gekauft hat. Der heutige Standort von Landhausmode Konermann.

Ein Geschäft in der Theaterpassage in Osnabrück folgte ebenso wie eine Filiale in Bad Essen. Bis zu 14 Mitarbeiterinnen wurden insgesamt beschäftigt. „Gute Mitarbeiterinnen, die 20, 30 Jahre dabei waren“, sagt die Geschäftsfrau nicht ohne Stolz. Junge Leute wurden als Einzelhandelskaufleute ausgebildet. „Es ist keiner durch die Prüfung gefallen“, freut sie sich noch heute und erinnert sich gern an die damalige Zeit. „Ich könnte einen Roman darüber schreiben“, sagt die 78-Jährige.

In Erinnerung geblieben ist ihr unter anderem ein Mode-Event in Salzburg, zu dem sie eingeladen war. „Ich kam mir vor wie Aschenputtel“, erzählt sie und schmunzelt. Die stets chic gekleidete Geschäftsfrau staunte angesichts des Glamours in der österreichischen Metropole. Aber: „Ich bin immer ganz normal geblieben.“ Das weiß auch ihre große Stammkundschaft zu schätzen, die aus Oldenburg und Bremen, aus Dortmund und den Niederlanden nach Tecklenburg kam, um sich einzukleiden.

Drei Standorte wurden irgendwann zuviel. Bei solch einem kleinen Unternehmen sollte man die Entfernung nicht unterschätzen, weiß die Geschäftsfrau. Lieber weniger Filialen, die aber ordentlich machen, ist auch heute noch ihr Rat.

Die Landhausmode lief ausgesprochen gut, erzählt sie. „Ich habe immer auf Qualität geachtet.“ Wolle, Baumwolle, Seide und Loden sind die Stoffe, die sie mag. „Mit Polyester und Polyacryl konnte ich mich nicht anfreunden.“ Entsprechend hochwertig waren die Textilien, die Anneliese Konermann im Sortiment hatte. Begeistert erinnert sie sich an die Dirndl aus Strasser-Kollektionen. „Die Kleider waren ein Gedicht. Wie eine Königin sah man damit aus.“ Entsprechend groß war stets das Interesse an den Modenschauen, die es zweimal im Jahr gab.

Bei allen schönen Erinnerungen gibt die Tecklenburgerin aber auch zu: „Es ist manches auf der Strecke geblieben.“ Nicht das Familienleben, das wurde trotz aller beruflichen Belastungen immer gehegt und gepflegt. Aber für den Freundeskreis fehlte oft die Zeit. Zeit, die das Ehepaar Konermann aber bald hat.

Es wird noch dauern, bis alle Waren verkauft sind. Dann ist mehr Zeit für Urlaub mit ihrem Mann, für die vier Enkel und zwei Urenkel und für den schönen Garten mit seinen rund 100 Rosenstöcken. „Ich freue mich auf mehr Ruhe“, gibt Anneliese Konermann zu. Und sagt mit einem verschmitzten Lächeln: „Dann kann ich machen, was ich will.“

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