Schwefelbad Holthausen
Quellwasser, Ruhe und gute Kost

Tecklenburg-Brochterbeck -

Vor 65 Jahren berichtete unsere Zeitung über das Badehaus in Brochterbeck. Bad Holthausen verfügte über ein schwefelhaltiges Wasser für Bäder und Trinkkuren, das sich zur Behandlung von Rheuma und Gicht eignete. Aber auch die Kühe haben davon profitiert.

Sonntag, 22.03.2020, 16:28 Uhr aktualisiert: 23.03.2020, 16:18 Uhr
Die Rückansicht des Badehauses mit Gesellschafts- und Unterkunftsräumen. Das Gebäude liegt in einer romantischen Waldlandschaft.
Die Rückansicht des Badehauses mit Gesellschafts- und Unterkunftsräumen. Das Gebäude liegt in einer romantischen Waldlandschaft.

„Am Montag beginnt in Bad Holthausen im Bocketal bei Brochterbeck die 51. Badesaison. Genau ein halbes Jahrhundert ist vergangen, als Clemens Holthaus neben der Schwefelquelle ein kleines Badehaus einrichtete.“ Das berichtete diese Zeitung vor 65 Jahren. Das Gebäude gibt es immer noch, genutzt wird es nicht.

Holthaus habe ein Bad entwickelt, das wegen seiner ruhigen Lage im nördlichesten Teil des Teutoburger Waldes und wegen seiner heilkräftigen Quellen gern von nah und fern aufgesucht werde, schrieb damals der Chronist.

Rheumatisches Ziehen

Weiter heißt es: Bad Holthausen verfügt über ein schwefelhaltiges Calcium-Sulfat-Hydrogencarbonat-Wasser für Bäder und Trinkkuren, das sich besonders zur Behandlung von Rheuma und Gicht eignet. Sowohl eine stationäre als auch eine ambulante Behandlung unter ärztlicher Aufsicht ist möglich.

Wir fand man die Quelle und wie wurde man auf ihre Heilwirkung aufmerksam? Badearzt Dr. Klein, ein alter Brochterbecker, weiß davon aus Erzählungen seiner alten Patienten zu berichten. „Ick häw dat Trekken“, so sagten die Bauern aus Brochterbeck und Nachbarschaft schon früher, wenn sie im Kreuz, in den Armen oder Beinen das rheumatische Ziehen spürten. Sie wussten dagegen ein gutes Mittel: „Dao mot ick mol wier nao Holthusen gauhn!“.

Dass die Quelle, deren Wasser so komisch roch, eine besondere Bewandtnis haben müsse, darauf ist man schon vorder Jahrhundertwende gekommen. Der Hof Holthaus, von dem der Badebesitzer stammt und in dessen unmittelbarer Nähe die Quelle liegt, hatte schon immer die besten Viehweiden. Aber auch die Weiden in der Nachbarschaft haben es in sich.

Heilwirkung

Sie sind die eigentliche Ursache dafür, dass zum Beispiel der Bauer Brügge aus Brochterbeck in ganz Westfalen einen klangvollen Namen bei den Rotbuntzüchtern bekam. Seine Kühe sind wegen ihrer Langlebigkeit und wegen ihrer Milchproduktion bekannt.

Nach 1900 analysierte ein Apotheker aus Tecklenburg das Wasser der Quelle. Den Schwefelgehalt festzustellen, war nicht schwer, das roch man. Wichtiger war die Heilwirkung.

Ick häw dat Trekken.

Beschwerden der Bauern

Und die musste nach der Analyse und nach vielen Erfahrungen vorhanden sein. Als sich Erfolge zeigten, entschloss sich Clemens Holthaus, einen Badebetrieb einzurichten. Im Jahre 1905 wurde mit einem kleinen Badehaus angefangen. Die Kuren wurden zunächst natürlich ambulant, das heißt vom Haus aus, durchgeführt.

Erst im Laufe der Zeit entstanden Unterkunftsmöglichkeiten. Heute bietet Bad Holthausen 25 Kurgästen Platz. Im Sommer gibt es hier kaum ein freies Zimmer. die stationäre Behandlung bietet ja viel wirksamere Möglichkeiten für die Kur. Die Gäste können unmittelbar vom Bett ins Bad.

Kein Vergnügungsrummel

Das ist gerade für Rheuma- und Gichtleidende sehr wichtig. Damit und durch die individuelle Behandlung und Kontrolle jedes Gastes durch den Badearzt sind alle Voraussetzungen für eine stationäre Kurbehandlung gegeben.

Trotzdem wird das ambulante Baden in Holthausen nicht vernachlässigt. Mit eigenem Wagen, mit dem Bus oder mit der TWE bis Brochterbeck oder Bocketal kommen die Gäste, um unter sorgfältiger Beachtung der ärztlichen Vorschriften eine Kur ohne besondere Aufwendungen für Unterkunft und Verpflegung und ohne große Unterbrechung ihrer Arbeit zu baden. In vielen Fällen steuern die Krankenkassen einen angemessenen Betrag zu.

Selbstverständlich ist Holthausen kein Welt- und Luxusbad. Man will es auch gar nicht werden. Denn das ist das große Plus dieses idyllisch gelegenen Bades: die himmlische Ruhe. Kein Verkehrslärm weit und breit, keine hektischer Vergnügungsrummel. Dort kann man sich wirklich ausruhen. Die reizvolle Waldlandschaft, das Bocketal und der Kamm des Teutoburger Waldes bieten viele Möglichkeiten zu geruh- und erholsamen Spaziergängen.

Die Verpflegung, auf Wunsch auch aus der Diätküche, ist erstklassig. Kein Wunder, der Nachschub für die Küche kommt ja meist aus der eigenen „Produktion“. Das alles wirkt bei der Kur harmonisch zusammen und macht die Heilkraft aus, die Bad Holthausen zu bieten hat.

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