Aylin Elster ist in Costa Rica gestrandet
Die Suche nach dem Weg zurück

Tecklenburg -

Mitte Januar hat Aylin Elster ihre Traumtour gestartet. In Bangkok, Vietnam und Singapur war sie unterwegs. Weiter ging es nach Australien und dann über Kanada nach Costa Rica. Dort sitzt die 19-Jährige nun fest.

Dienstag, 24.03.2020, 18:59 Uhr aktualisiert: 25.03.2020, 17:04 Uhr
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B Foto: Elster

Dass ihre Backpacker-Tour so zu Ende gehen würde, hat sich Aylin Elster aus Tecklenburg nicht vorstellen können, als sie Anfang des Jahres ihren Heimatort verließ, um die Welt zu erkunden. In Escazú, einem Ort in Costa Rica nahe der Hauptstadt San José, hängt die junge Frau fest und weiß derzeit nicht, ob und wie sie zurück nach Deutschland kommen soll. In einem Telefonat mit unserer Redaktion schildert die 19-Jährige ihre Lage.

Mitte Januar startete sie ihre Traumtour. Ihr erstes Ziel: Asien. In Bangkok, Vietnam und Singapur war sie als Rucksack-Touristin unterwegs und lernte Land und Leute kennen. Schon bei der Einreise sei sie damals gefragt worden, ob sie vorher in China gewesen sei und sich daher mit dem Coronavirus infiziert haben könnte. Da sie nicht dort war, sei ihre Einreise absolut unproblematisch gewesen: „Corona war ja zu der Zeit noch auf China begrenzt“, erzählt sie.

Eigentlich wollte ich noch zwei weitere Monate reisen.

Aylin Elster

Von Singapur aus ging es für die junge Frau nach Australien. Auch dort konnte Aylin ohne Problem einreisen und innerhalb eines Monats das Land erkunden. „Hier hat man überhaupt nichts gehört über das Virus, und ich habe auch gar keine Einschränkungen bemerkt“, sagt Aylin. Im Anschluss ging es Anfang März über Kanada mit einem viertägigen Aufenthalt in Vancouver weiter nach Costa Rica. „Ich habe mich über ,Volunteer Work‘ zum Freiwilligendienst gemeldet und bin seit dem 9. März hier“, erzählt sie.

Seitdem engagiert sie sich in einer Auffangstation für Tiere, die nicht mehr ohne Hilfe leben können. Als sie am 15. März die Nachricht erreichte, dass die Grenzen nach Europa geschlossen würden und am Montag dann auch Nicaragua und Panama ihre Grenzen dicht machten, musste sie handeln. „Für zwei Wochen wollte ich in der Auffangstation bleiben. Dafür habe ich mich eingebucht und bezahlt. Danach sollte es weitergehen nach Nicaragua.“ Dort wollte sie einen Spanischkursus belegen. Durch die Grenzschließungen konnte sie weder mit dem Flugzeug noch mit dem Bus dorthin gelangen. Ziemlich schnell sei ihr dann klar gewesen: „Ich muss zurück nach Deutschland.“

Hilfesuchend wandte sie sich an die deutsche Botschaft in Costa Rica. „Keiner konnte mir dort helfen, geschweige denn mir Informationen zur aktuellen Lage geben oder mir sagen, wie ich nach Hause kommen kann. Ich solle einfach in Costa Rica bleiben, sagte man mir.“ Das sei für sie aber keine Option.

Mit Unterstützung ihres Bruders und auf Anraten der Botschaft in Deutschland plante Aylin eigenständig. Gemeinsam machten sie sich auf die Suche nach noch bestehenden Möglichkeiten, in die Heimat zu fliegen. „Mein Bruder hat mir geholfen und wir haben einen Flug von New York nach Paris gefunden. Der sollte am vergangenen Dienstag gehen.“ Mit einen speziellen Visum hätte ihr Bruder sie dann in Paris abholen und zurück nach Tecklenburg bringen können.

Das Problem dabei: Von Costa Rica nach New York darf man erst fliegen, wenn man sich vorher 14 Tage in Costa Rica aufgehalten hat. „Und zu dem Zeitpunkt war ich ja gerade mal acht Tage hier.“ Damit war die Option für die Heimreise auch gestrichen – doch erfuhr Aylin erst am Flughafen in Costa Rica von dieser Reiseeinschränkung. Ihr frühestmöglicher Ausreisezeitpunkt sei am 22. März, teilte ihr da die Fluggesellschaft mit. „Das war frustrierend, aber eben auch nicht zu ändern“, sagt sie und erklärt ihren neusten Plan: Am Sonntag werde sie versuchen, über New York und London nach Paris und dann irgendwie nach Deutschland zu kommen. „Vielleicht habe ich Glück und darf noch nach München oder so fliegen.“ Das auch dieser Plan gescheitert ist, teilte Aylin am Samstagabend per WhatsApp-Nachricht mit. „Flugzeuge dürfen die USA nicht mehr verlassen. Jetzt muss ich auf die Rückholaktion hoffen“, sagt sie.

Für die Rückholaktion des Auswärtigen Amtes habe sie sich bereits Anfang der Woche eintragen lassen. „Das läuft über die Internetseite, und Informationen bekommt man über eine extra App.“ Dort stehe sie auf einer Warteliste, habe aber – Stand Samstagabend – noch keine Rückmeldung.

„Eigentlich wollte ich noch zwei weitere Monate reisen“, sagt Aylin. Nicaragua und die USA standen auf ihrem Plan. „Das werde ich nachholen, sobald es geht.“ Denn die Erfahrungen, die sie während ihrer Backpackertour machen durfte, möchte sie nicht mehr missen. Jetzt hoffe sie jedoch, so schnell wie möglich nach Hause zu kommen, um gemeinsam mit ihrer Familie die Corona-Krise zu überstehen.

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