Osterhaus thematisiert Hamsterkäufe
Klopapier wird zum Kunstobjekt

Tecklenburg-Ledde -

Toilettenpapier scheint der Deutschen liebstes Kind zu werden. Sebastian Osterhaus hat aus den Rollen – mit einem Augenzwinkern – Kunst gemacht.

Dienstag, 31.03.2020, 21:03 Uhr aktualisiert: 31.03.2020, 21:39 Uhr
Sebastian Osterhaus stellt ironisch Toilettenpapier ins Zentrum seiner Kunst. Die Hälfte des Erlösese spendet er den Kunstfreunden Osnabrück.
Sebastian Osterhaus stellt ironisch Toilettenpapier ins Zentrum seiner Kunst. Die Hälfte des Erlösese spendet er den Kunstfreunden Osnabrück.

Als Künstler, der stets den Menschen im Blick hat, will Sebastian Osterhaus in der Corona-Krise seinen Beitrag leisten: Mit der dreiteiligen druckgrafischen Serie „Von der Rolle“ thematisiert der in Ledde aufgewachsene Maler und Grafiker das Verhalten der Menschen in diesen Tagen, indem er ironisch Toilettenpapier ins Zentrum seiner Kunst stellt.

Den Gewinn aus dem Verkauf der Auflage teilt er mit anderen Künstlern. Sebastian Osterhaus wünscht sich, dass weitere Kollegen seinem Beispiel folgen: Angesichts von geschlossenen Galerien und Ausstellungen müssten Künstler füreinander eintreten, heißt es in einem Pressetext.

„Wir sind Klopapier – so schwirrte es mir in den vergangenen Tagen des Öfteren durch den Kopf“, sagt Sebastian Osterhaus, der durch Ausstellungen im Tecklenburger Land bekannt ist. „Nachdem wir Papst und Fußballweltmeister waren, haben wir nun endlich den Olymp des Wir-Seins erklommen – unser Wir äußert sich nunmehr im massenhaften Kauf von Toilettenpapierrollen.“ Vielleicht symbolisiere der Besitz der Rolle zurzeit eine gewisse Art von Reichtum, meint der Künstler. Für ihn jedoch stehe deren Anhäufung eher für grenzenlose Dummheit.

Wir sind Klopapier – so schwirrte es mir den den vergangenen Tagen des Öfteren durch den Kopf.

Sebastian Osterhaus

Sebastian Osterhaus hat in den vergangenen Tagen immer wieder Anfragen von befreundeten Künstlern aus Österreich und Frankreich bekommen. Die Kollegen erkundigten sich, warum die Deutschen in Sachen Klopapier derzeit jede Verhältnismäßigkeit verloren hätten. Über die Gründe für die Hamsterkäufe von Toilettenpapier kann freilich auch Sebastian Osterhaus nur spekulieren.

Als Künstler jedoch liefert er eine gestalterische Position zu den Geschehnissen in Drogerie- und Supermärkten. Der 38-Jährige hat unter dem Titel „Von der Rolle“ drei Grafiken in Schwarz, in Rot und in Gold geschaffen, die das derzeit beliebteste Produkt der Deutschen ins Bild setzen: das Toilettenpapier. Doch statt der typischen Klopapier-Motive wie Blümchen oder Wolken sind seine Rollen mit Fledermäusen, Nudeln und Seifen bedruckt.

Die Variante mit Fledermäusen dient dem Künstler zur Visualisierung des Straßentratsches, der den Ursprung der Corona-Pandemie kulinarisch ausmacht: In China essen die Menschen Fledermäuse – schon seien an den Stammtischen die Ursprungstäter erkannt und als pervers stigmatisiert worden, meint Sebastian Osterhaus und lässt die Tiere auf der Rolle flattern.

Da die Deutschen seit Wochen auch Nudeln in gut gefüllten Vorratskammern bunkern, haben die Teigwaren es in einer zweiten Arbeit ebenfalls auf die Rolle geschafft: Natürlich sei es nicht unvernünftig, wenn man wie die Großeltern den Keller voller Einmachgläser für schlechte Zeiten habe, räumt der Künstler ein. Aber schließlich befinde die Welt sich derzeit nicht im Krieg – auch wenn manche Politiker diesen Begriff dieser Tage gerne missbrauchten. So inszeniert Sebastian Osterhaus das derzeitige Kaufverhalten humorvoll in seiner Kunst. Er ist überzeugt: „Ein normales Maß der Reserve haben viele meiner Mitmenschen schon längst aus dem Auge verloren.“

Die dritte mit Handseifen bedruckte Rolle dient dem Künstler als Fingerzeig: 30 Sekunden Handwaschfreude führe zu einem guten Gewissen und schlage den Virus in die Flucht.

Die jeweils auf 100 Exemplare limitierte und signierte Auflage von drei C-Prints im Format von 21 zu 29,7 Zentimetern sind für jeweils 69,55 Euro zuzüglich 3,50 Euro Versand direkt beim Künstler zu bestellen: www.sebastian-osterhaus.com . 50 Prozent des Erlöses spendet Sebastian Osterhaus an die Kunstfreunde Osnabrück, die den Betrag dann an die 52 Künstler des Bundes Bildender Künstler Osnabrücks auszahlen.

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