Otto Modersohn in Tecklenburg
Ein Künstler vom Frühling berauscht

Tecklenburg -

Es ist unübersehbar: Der Frühling kommt. Diese Jahreszeit hat auch der Maler Otto Modersohn genossen.

Mittwoch, 01.04.2020, 19:02 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 15:56 Uhr
Im Jahr 1988 hat Otto Modersohn das Bild „Tecklenburg im Frühling (nach dem Regen)“ gemalt. Es befindet sich in Toronto in Privatbesitz.
Im Jahr 1988 hat Otto Modersohn das Bild „Tecklenburg im Frühling (nach dem Regen)“ gemalt. Es befindet sich in Toronto in Privatbesitz. Foto: Otto-Modersohn-Museum

In diesen Tagen lässt sich das wunderbare, immer wiederkehrende Schauspiel des beginnenden Frühlings beobachten. Die Natur bricht sich Bahn und folgt ihrem eigenen Lauf, auch in Corona-Zeiten erwacht die Tier- und Pflanzenwelt zu einem farbenfrohen und betriebsamen Stelldichein.

Erste, wärmende Sonnenstrahlen und die sprießende und erblühende Umgebung animieren, als vertretbare Auszeit von dem umsichtigen häuslichen Rückzug, alleine oder zu zweit einen Spaziergang zu machen, in die meditative Ruhe der heimischen Landschaft einzutauchen. In diesen Zeiten des Nicht-Verreisens und der allgemeinen Handlungseinschränkungen werden die Radien des Bewegungsraums kleiner gezogen, man besinnt sich auf das unmittelbar Schöne direkt vor der Haustür. Und genau das ist Thema einer kleinen Serie, initiiert vom Otto Modersohn Museum. Es hat zwar derzeit geschlossen, möchte aber auf diesem Wege Frühlingsbilder des Künstlers zeigen.

Die ganze Natur ruft es uns zu: der Frühling naht! Laß ihn uns mit offenen Armen empfangen.

Aus dem Tagebuch von Otto Modersohn

Die besondere und unverwechselbare Schönheit Tecklenburgs und des Tecklenburger Landes eröffnete sich auch Otto Modersohn, dem bekannten deutschen Landschaftsmaler, vor rund 130 Jahren. Er tauchte immer wieder mit großer Freude ein in die „Fülle des Frühlings – berauschend“ (Otto Modersohn, Tagebuch 1892). Mit Skizzenbuch und Malkarton ausgestattet, spazierte er durch die romantischen Gassen des historischen Örtchens oder begab sich auf ausgedehnte Wanderungen in die einzigartige Kulturlandschaft mit ihren charakteristischen Wallhecken und Baumreihen. Sanfte Hügel wechseln mit schroffen Felsformationen, Buchenwälder mit Streuobstwiesen und Hohlwegen. Liebenswert vielfältig befand Otto Modersohn das Tecklenburger Land.

Dem Spaziergänger eröffnen sich heute dieselben oder zumindest doch wiedererkennbaren Panoramen und Landschaftsausschnitte, wie sie sich bereits damals dem Auge des Malers offenbart haben. Die Herrlichkeit des Frühlings, eingefangen auf mehreren seiner in dieser Jahreszeit in Tecklenburg entstandenen Bildern, soll, ein wenig flankierend zur realen Situation draußen, dabei unterstützen, die Sinne zu öffnen, denn: „Die ganze Natur ruft es uns zu: der Frühling naht! Laß ihn uns mit offenen Armen empfangen.“ (Tagebuch 1892)

Otto Modersohns kleines Ölbild „Tecklenburg im Frühling (nach dem Regen)“ stammt aus seinem Aufenthalt im Frühjahr 1888. Er gibt hier einen Blick aus einem Bauerngarten auf die Tecklenburger Kirche wieder. Keimende Saatreihen in einem Beet, ein erst nur zu erahnendes Hellgrün geht in ein kräftigeres sattes Grün der Wiese, des Buschwerks und des Blattkleids der Bäume über. Der nach dem Regen aufgerissene Himmel erstrahlt in hellem Blau, durchzogen von weißen, sich weich auflösenden Wolken. Man meint, die feuchte Kühle, die die Natur nach dem Regen atmet, spüren zu können, und gleichzeitig nimmt man die Lichtreflexe auf dem Hausdach und die tiefen Schatten, die den Sonnenschein suggerieren, wahr, schreibt das Museum.

Pittoreske Fachwerkhäuschen schmiegen sich an die hügelig aufsteigende Landschaft. Die Schilderung des Friedlichen, Gemütlichen gelingt Modersohn meisterhaft. Lieblicher Sonnenschein und Blütenbäume strahlen auf die wie blank geputzte Idylle. Die geschützte Abgeschlossenheit des Gartens steht im Zen-trum, ein Dahinter ist nur zu erahnen durch den über das Hausdach ragenden Kirchturm. Der Blick konzentriert sich auf das eng verbundene Miteinander von Behausung und Nutzgarten, schönen Ziersträuchern, die nahtlos in die bewaldete Befestigungsanlage des alten Burgstädtchens übergehen. Bekrönt wird der Ausschnitt durch einen duftigen Blütenzweig, der oben in die Szenerie hineinragend, einen belebenden perspektivischen Bezugspunkt schafft.

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