Jugendhilfe nutzt Bildungsstätte als Unterbringungsmöglichkeit
Das Wohl der Kinder im Blick

Tecklenburg -

Der eigentliche Betrieb in der Jugendbildungsstätte des evangelischen Kirchenkreises ruht. Die evangelische Jugendhilfe Münsterland hat dort jetzt eine Unterbringungsmöglichkeit für Kinder geschaffen, die in ihren Familien nicht sicher vor Gewalt sind, sich mit denen aber in Quarantäne befinden.

Samstag, 25.04.2020, 06:27 Uhr aktualisiert: 26.04.2020, 19:18 Uhr
Mitten im Grünen gelegen ist die Jugendbildungsstätte. Wegen der Corona-Pandemie finden dort derzeit keine Veranstaltungen statt. Die Zimmer und Tagungsräume stehen leer.
Mitten im Grünen gelegen ist die Jugendbildungsstätte. Wegen der Corona-Pandemie finden dort derzeit keine Veranstaltungen statt. Die Zimmer und Tagungsräume stehen leer. Foto: Ruth Jacobus

Auch wenn vieles geregelt und vorgeschrieben ist – es tauchen angesichts des Coronavirus immer wieder neue Fragen auf. Eine davon hat besonders die evangelische Jugendhilfe Münsterland beschäftigt: Was geschieht mit Kindern, die in ihrer Familie nicht sicher, von Gewalt bedroht sind und die sich mit ihren Eltern in Quarantäne befinden? Kindeswohlgefährdung ist das Stichwort. Es gibt Stellen und Familien, die solche Kinder aufnehmen – im Normalfall. Aber wo können infizierte Kinder untergebracht werden?

Eine Unterkunft für infizierte Kinder

„Wir sind seit Montag in der Lage, Kinder aus solchen Haushalten in Obhut zu nehmen“, berichtet Peter Middendorf , pädagogischer Leiter der Jugendhilfe Münsterland. Untergebracht werden sie in der evangelischen Jugendbildungsstätte in Tecklenburg. In Zusammenarbeit mit den zuständigen Jugendämtern ist diese Lösung gefunden worden. Wegen der Corona-Pandemie sei die Jubi derzeit lahmgelegt. Dort können nun bei Bedarf Kinder in zwei Gruppen betreut werden: eine für Infizierte und eine für diejenigen, die in Quarantäne leben. „Wir haben dort jede Menge Platz und Ressourcen“, schildert Middendorf.

Noch sei nichts passiert, aber im Notfall habe man nun die Möglichkeit, etwas zu tun. „Wir sind handlungsfähig zur Vermeidung der Kindeswohlgefährdung.“

Wir haben dort jede Menge Platz und Ressourcen.

Peter Middendorf

Middendorf weiß, dass die häusliche Gewalt in Corona-Zeiten zugenommen hat. So seien die Anrufe beim Beratungstelefon um 17 Prozent gestiegen. „Ich gehe davon aus, dass es eine verzögerte zweite Welle geben wird. Wenn nicht, wäre das super.“

Die Unterbringungsmöglichkeit und Betreuung rund um die Uhr vorzuhalten, sei sehr personalintensiv. „Das können wir nicht alleine stemmen.“ Deshalb freut sich Middendorf, dass die Kommunen im Kreis Steinfurt große Kooperationsbereitschaft gezeigt haben. „Alle ziehen an einem Strang.“

Tagungsstätte und Gästehaus

Die evangelische Jugendbildungsstätte (JuBi) Tecklenburg ist das Bildungszentrum des Kirchenkreises Tecklenburg. Es steht Gruppen als Tagungsstätte und Gästehaus offen. Die JuBi gibt besonders jungen Menschen die Möglichkeit zu Orientierung, Begegnung und Austausch, heißt es auf der Homepage. Die Kapazität des Hauses beträgt 82 Plätze. 26 Schlafräume sind als Zwei- oder Dreibettzimmer mit Zustellbett eingerichtet. 16 Zimmer verfügen zusätzlich über eigene Dusche und WC. Normalerweise bietet die JuBi Bildungsangebote im Bereich der Erlebnispädagogik, des sozialen Lernens, der Arbeit mit Medien, der religiösen Bildung und des gesellschaftlichen Engagements.

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Mit der Jugendbildungsstätte werde zunächst ein Vertrag bis zum 30. September abgeschlossen. Man sei dann vernünftig aufgestellt und vorbereitet. Was danach komme, wisse niemand. „Das ist wie das Gucken in eine Glaskugel.“

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