Interview mit Dirk Schoppmeier (JuBi)
Neue Impulse für die Jugendarbeit

Tecklenburg -

Auch die Jugendbildungsstätte ist von der Corona-Pandemie betroffen. Dass es trotzdem Perspektiven gibt, berichtet Dirk Schoppmeier, pädagogischer Leiter der Einrichtung, im Interview.

Donnerstag, 07.05.2020, 20:46 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 15:30 Uhr
Für Dirk Schoppmeier
Für Dirk Schoppmeier

Keinerlei Veranstaltungen, dafür aber Unterbringungsmöglichkeit in Notsituationen: Welche Auswirkungen und neuen Perspektiven sich durch die Corona-Krise für die Evangelische Jugendbildungsstätte (JuBi) Tecklenburg ergeben, darüber sprach Christine Fernkorn mit Dirk Schoppmeier, dem pädagogischen Leiter der Einrichtung.

 

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Arbeit der Jugendbildungsstätte aus?

Dirk Schoppmeier: Die JuBi ist momentan total ausgebremst, der Betrieb ist mehr oder weniger komplett eingestellt. Alle Kurse, Seminare und Veranstaltungen müssen seit Mitte März ausfallen. Wie lange die einschränkenden Auflagen und Erlasse für die Bildungsstätten aufrecht gehalten werden, ist ungewiss. Klassenfahrten sind zum Beispiel bis zum Ende des Schuljahres untersagt. Und die Verunsicherung bei vielen Gästen und Kooperationspartnern ist verständlicherweise groß. Viele Veranstaltungen werden langfristig abgesagt, weil Angebote und Gruppen einfach für unabsehbare Zeiträume nicht sicher planbar sind.

Wie viele Mitarbeitende befinden sich durch die Corona-Phase in Kurzarbeit? Welche Arbeitsbereiche betrifft das?

Dirk Schoppmeier: Die Kurzarbeit betrifft insbesondere die Kolleginnen und Kollegen in der Hauswirtschaft und Reinigung. Die Küchencrew ist zu 100 Prozent betroffen. Die Verwaltung ist teilweise besetzt, um die Umbuchungen, Stornierungen und die Belegungsanfragen und Buchungen, die es glücklicherweise auch in diesen Tagen gibt, zu beantworten. Und unsere Haustechniker sind im Augenblick dabei, dringende Reparaturen und Schönheitsarbeiten im und rund um das Haus zu erledigen. Natürlich ist Kurzarbeit, verbunden mit der Sorge um die Zukunft der Einrichtung, trotz Aufstockung eine finanzielle Einbuße und Belastung für die Mitarbeitenden. Wir sind sehr dankbar, dass die Identifikation und die Solidarität mit der JuBi im Team so ausgeprägt sind und diese ganz besondere Gemeinschaft der Menschen, die hier zusammenarbeiten, auch in dieser sehr schwierigen Zeit trägt.

Wie entwickelt sich die Idee, die JuBi in der Corona-Phase als Unterbringungsmöglichkeit für Säuglinge, Kinder und Jugendliche zu nutzen? Zum Hintergrund: Ab 1. Mai ist vertraglich geregelt, dass die Jugendbildungsstätte von der Jugendhilfe Münsterland genutzt werden kann.

Dirk Schoppmeier: Wir sind, zusammen mit den Nachbarbildungsstätten in Saerbeck und Nordwalde, mit dem Kreisjugendamt im Austausch. Dabei geht es zum einen um die Frage nach Unterstützungsmöglichkeiten, um den Häusern in dieser außergewöhnlich schwierigen Lage unter die Arme zu greifen, andererseits aber auch um die Möglichkeiten, die die Bildungsstätten ihrerseits zur Bewältigung der Krise beisteuern könnten. Hier sind, je nach Lage und Entwicklung, insbesondere die Betten und die hauswirtschaftliche Versorgung unter Umständen ein Backup und Beitrag für besondere Notsituationen. Vor diesem Hintergrund ist das Jugendamt mit seiner Anfrage zur Einrichtung der Wohngruppen auf uns zugekommen.

Welche Zielgruppen betreffen diese neue Lösung konkret?

Dirk Schoppmeier: Es geht um Kinder und Jugendliche, die sich in einer Quarantänestation befinden oder mit dem Covid19-Virus infiziert sind und durch die Jugendämter der Region in Obhut genommen werden müssen. Also Kinder und Jugendliche, die sich gerade im doppelten Sinne in einer extremen Ausnahmesituation befinden und besonderen Schutz und Betreuung brauchen. Hier fehlte in der Krise bislang ein geeigneter Ort, an dem die Evangelische Jugendhilfe Münsterland mit ihren Fachkräften für diese jungen Menschen sorgen kann.

Welche Perspektive entsteht durch das neue Konzept mit dem Kreis Steinfurt, Kreisjugendamt und der Jugendhilfe Münsterland?

Dirk Schoppmeier: Der Kontakt und die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt ist im Bereich der Jugendbildung schon immer sehr gut gewesen. Jetzt sammeln wir gemeinsam neue Erfahrungen im Feld der Jugendhilfe. Das Projekt ist zeitlich bis Ende September befristet und bietet allen Beteiligten ein wenig Perspektive und Handlungsspielräume in schwer planbaren Zeiten. Wir hoffen, dass wir den regulären Betrieb danach in absehbarer Zeit wieder hochfahren können. Zunächst wohl noch eingeschränkt, aber mit guter und nachhaltiger Perspektive. Und sicher mit einigen neuen Impulsen und Themen für unsere Bildungsarbeit, die uns die Krise gerade beschert. Bis es soweit ist, sind wir froh und dankbar, dass wir den geeigneten Ort anbieten können. Es ist ein gutes Gefühl und ein kleiner Trost, dass die JuBi auch in diesen Tagen ein Ort bleibt, der in erster Linie Kindern und Jugendlichen gewidmet ist und zugutekommt.

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