Hilferuf aus Otjiwarongo erreicht den Kirchenkreis Tecklenburg
Großer Hunger, keine Lebensmittel

Tecklenburg -

Die Lage im namibischen Partnerkreis Otjiwarongo hat sich nach Ausbruch der Corona-Pandemie dramatisch verschärft. Davon berichtet Annette Salomo, Partnerschaftsbeauftragte des evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg. „Uns erreichen dringende Hilferufe“, berichtet sie.

Mittwoch, 13.05.2020, 06:03 Uhr aktualisiert: 13.05.2020, 17:34 Uhr
Das Bild zeigt Menschen bei der Ausgabe von Lebensmittelpaketen in Kalkfeld (Namibia). Die Suppenküche darf nicht mehr kochen und konnte jetzt Lebensmittelpakete an 41 Familien übergeben.
Das Bild zeigt Menschen bei der Ausgabe von Lebensmittelpaketen in Kalkfeld (Namibia). Die Suppenküche darf nicht mehr kochen und konnte jetzt Lebensmittelpakete an 41 Familien übergeben. Foto: Jentery Tsowases

Mit drastischen Maßnahmen versucht die Regierung in Namibia, die Ausbreitung des Coronavirus in dem südafrikanischen Land zu unterbinden. Am 17. März ist der nationale Notstand ausgerufen worden. Menschen dürfen ihren Wohnort nicht mehr verlassen. Was im Kirchenkreis Otjiwarongo, dem Partnerkreis des evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg, die Menschen in existenzielle Not bringt. Das berichtet Annette Salomo , Partnerschaftsbeauftragte des Kirchenkreises Tecklenburg. Sie ruft in einer Pressemitteilung dazu auf, die Menschen im Partnerkirchenkreis mit einer Spende zu unterstützen.

Dringende Hilferufe erreichen uns aus dem Kirchenkreis Otjiwarongo.

Annette Salomo, Partnerschaftsbeauftragte des evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg

„Dringende Hilferufe erreichen uns aus dem Kirchenkreis Otjiwarongo“, so die Pastorin. Dort sind die Gemeinden bis zu 200 Kilometer voneinander entfernt. Mit der Ausrufung des absoluten Lockdown in Namibia am 28. März wurden die Landesgrenzen geschlossen, eine Reiseverbot im Land verhängt, Kleingewerbe verboten und Gottesdienste und Versammlungen mit mehr als zehn Personen untersagt. Zudem werden die Menschen verpflichtet, Schutzmasken zu tragen.

Die mangelnde Gesundheitsversorgung der Landbevölkerung werde jetzt besonders deutlich. Sie habe keinen Zugang zu Ärzten und Krankenhäusern, berichtet Annette Salomo. Zudem komme in Namibia ein Arzt auf 2700 Menschen, in Deutschland liege dieser Wert bei einem Arzt für gut 280 Menschen. „Noch sind die Infektionszahlen niedrig. Welche Folgen steigende Infektionszahlen haben werden, mag man sich bei den vielerorts sehr beengten und einfachen Wohnverhältnissen kaum ausmalen“, schreibt die Beauftragte.

Schon unter normalen Bedingungen sei die Arbeitslosigkeit sehr hoch. Viele Menschen in Namibia leben vom Tourismus, eine Einnahmequelle, die mit Schließung der Grenzen weggebrochen ist. Auch diese Personen seien jetzt arbeitslos. „Besonders bedrückend ist die Situation in unseren Partnergemeinden“, verweist sie auf die fehlende Möglichkeit, durch Straßenverkäufe von Essen, selbst angefertigten Kunstgegenständen und Souvenirs etwas dazuzuverdienen.

Alle Einnahmequellen sind weggebrochen

So werde die Corona-Pandemie auch zu einer Hungersnot. Ohne Einkünfte und mit sehr wenig Geld müssten große Familien ernährt werden. Unterstützung vom Staat gebe es kaum. „Eine Essenausgabe in Omaruru endete vor wenigen Tagen im Chaos. Der Andrang war zu groß, die Spendenmenge viel zu klein“, zitiert Annette Salomo einen Bericht aus dem Partnerkreis. In den Kirchengemeinden sei die Not ebenfalls groß. Gehälter würden nicht gezahlt, Strom- und Wasserrechnungen liefen auf und die Pfarrer wüssten nicht mehr, wie sie die Gemeinden versorgen können, da es an allem fehle. Auch die Seelsorger seien ohne Einkommen, sollen aber mobil und erreichbar sein. „Normalerweise werden viele kirchliche Ausgaben durch die Kollekten in den Gottesdiensten gedeckt“, weist Annette Salomo auf eine Einnahmequelle hin, die komplett weggebrochen ist.

Die Menschen leiden Hunger und wir haben keine Mittel, ihnen zu helfen.

Pastor Henrico Swaartbooi

Pastor Henrico Swaartbooi aus Khorixas schreibt: „Wir in der Uitani-Gemeinde gehen spirituell und finanziell durch schwierige Zeiten. Mitgliedsbeiträge werden nicht mehr bezahlt. Die Spenden sind von normalerweise 9000 auf 450 Namibia-Dollar (ein Namibia-Dollar entspricht etwa fünf Euro-Cent) gesunken. Wasser und Strom können nicht mehr bezahlt werden. Die Menschen leiden Hunger und wir haben keine Mittel, ihnen zu helfen. Wir beten zu Gott, dass er uns und der ganzen Welt helfen möge, die psychologische, geistliche und wirtschaftliche Hilfe zu bekommen, die nötig ist nach dieser fürchterlichen Erfahrung.“

So ist es nach Angaben der Partnerschaftsbeauftragten allen Kirchengemeinden in Otjiwarongo: „Pastor John Guidao-oab aus Otjiwarongo hält uns über die Situation auf dem Laufenden. Die Menschen leiden unter den beengten Verhältnissen, in denen die meisten aus unserem Partnerkirchenkreis leben. Abstand zu halten, ist fast unmöglich.“

Am sogenannten Informations- und Testprogramm der Evangelischen Lutherischen Kirche in der Republik Namibia (ELCRN) in 15 Gemeinden im Land, um Menschen aufzuklären und zu testen, sei aus dem Partnerkirchenkreis keine Gemeinde beteiligt. Es bleibt nach seiner Aussage weiter Aufgabe der Pfarrerinnen und Pfarrer, in Omaruru, Okakarara, Kalkfeld, Khorixas, Fransfontein, Sesfontein, Kamanjab, Outjo und Opuwo gegen die große Not anzukämpfen.

Kirchenkreis Tecklenburg hat erste Spende überwiesen

„Dabei brauchen sie ganz dringend unsere Unterstützung, im Gebet und finanziell“, sagt Annette Salomo. Der Kirchenkreis Tecklenburg habe eine erste Spende überwiesen. „Aber diese wird nicht lange reichen. Deshalb müssen wir alle mithelfen“, hofft sie auf Unterstützung.

Nothilfe für den Kirchenkreis Otjiwarongo ist mit einer Spende unter dem Stichwort: „Partnerkirchenkreis Otjiwarongo“ auf das Konto des Kirchenkreises Tecklenburg (IBAN DE25 3506 0190 2006 6720 20, KD-Bank Dortmund) möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7406404?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F187%2F
Nachrichten-Ticker