Leader-Programm: 1600 Quadratmeter Blühstreifen für Tecklenburg
Ein Genuss für Auge und Insekten

Tecklenburg -

Mohn und Kornblumen sollen noch in diesem Jahr blühen, die anderen Kräuter und Blumen im nächsten Jahr ihre Blüten zum Himmel recken. Auf 1600 Quadratmetern Fläche sind am Donnerstag in Tecklenburg Blühstreifen eingesät worden.

Freitag, 15.05.2020, 05:52 Uhr aktualisiert: 15.05.2020, 18:22 Uhr
Nach Fräsen und Eggen der Fläche wird das Saatgut ausgebracht. Es braucht nicht eingearbeitet werden, weil es sich um Lichtkeimer handelt.
Nach Fräsen und Eggen der Fläche wird das Saatgut ausgebracht. Es braucht nicht eingearbeitet werden, weil es sich um Lichtkeimer handelt. Foto: Michael Baar

Wächst alles nach Plan, werden in diesem Jahr noch Mohn und Kornblumen ihre Blüten der Sonne entgegenrecken. Darauf hofft nicht nur Annika Brinkert von der Biologischen Station des Kreises Steinfurt. In Tecklenburg hat Andreas Wermers gestern rund 1600 Quadratmeter Blühstreifen eingesät. Im nächsten Jahr sollen Kleiner Feuerfalter, Wiesen-Bocksbart, Hopfen-klee, Margerite, Kuckucks-Lichtnelke, Wiesen-Schaumkraut, Rote Lichtnelke und Wiesen-Klee nicht nur als buntes Blütenmeer das Auge des Betrachters erfreuen. Gleichzeitig dienen sie als „Restaurant“ für Bienen, Hummeln sowie Tag- und Nachtfalter.

„Restaurant“ für viele Insektenarten

Ein Bild, das sich in allen Kommunen des Tecklenburger Landes bieten soll. Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist ein erklärtes Ziel dieses Leader-Projekts mit dem treffenden Namen „blühende Säume“. Die sollen, so erläutert Annika Brinkert, nach und nach die Naturschutzgebiete miteinander verbinden. Vorzugsweise auf öffentlichen Flächen. Die Kommunen verpflichten sich, mindestens fünf Jahre diese Blühstreifen zur Verfügung zu stellen und zu pflegen.

Wobei sich die Pflege in Grenzen hält. „Einmal im Jahr mähen und das Mahd­gut abräumen“, beschreibt sie den Umfang. Tunlichst, so die Mitarbeiterin der Biologischen Station, sollte bei der Mahd im Jahreswechsel immer ein anderes Zehntel der Fläche unberührt bleiben. „Dort finden die Insekten dann Unterschlupf“, begründet sie diesen Verzicht.

Wildbienen haben im Gegensatz zu Honigbienen einen Stachel, der die menschliche Haut nicht durchdringt.

Annika Brinkert, Biologische Station Kreis Steinfurt

Während sie, gemeinsam mit Tecklenburgs Klimaschutzmanagerin Laura Backhaus und Bürgermeister Stefan Streit, Andreas Wermers bei der Aussaat zuschaut, räumt sie mit möglichen Befürchtungen auf, der Blühstreifen im Handal könnte zu dicht am neuen Kindergarten liegen. „Wildbienen haben im Gegensatz zu Honigbienen einen Stachel, der die menschliche Haut nicht durchdringt.“ Zudem seien manche Wildbienen-Arten – „rund 500 gibt es davon“ – so klein, dass sie oft nicht als Bienen erkannt würden.

Bevor die insgesamt sieben Flächen in der Stadt am Donnerstag eingesät wurden, hat Annika Brinkert die dort vorhandene Vegetation in Augenschein genommen. „Stellen, an denen viele Brennnesseln stehen, scheiden aus, weil sie zu viele Nährstoffe enthalten.“ Nährstoffarmer, ungedüngter Boden – gerne sandig –, sonniger Standort und eine ausreichende Breite von zwei Metern und mehr: So sieht idealerweise die Fläche für einen Blühstreifen aus.

Nährstoffarme Böden sind ideal für Blühstreifen

Von denen gibt es in der Stadt bereits einige, auch ohne Fördermittel aus dem Leader-Programm. Beispielsweise im Kurpark und an der Remise in Leeden. Insgesamt werden im Tecklenburger Land mit dem Fördergeld (65 Prozent aus dem Leader-Projekt, 35 Prozent von der Naturschutzstiftung des Kreises) 2,1 Hektar Blühstreifen auf 20 Flächen angelegt. Der finanzielle Aufwand dafür: gut 6000 Euro.

Wer im eigenen Garten etwas für die Natur tun will, sei an den Wettbewerb „Mein blühender Garten“ der Stadt Tecklenburg erinnert. Dabei gewinnt nicht nur die Natur. Ein Expertengremium vergibt insgesamt 20 Preise. Bewerbungsschluss ist am 31. August.

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