Wieland Fortmeyer verabschiedet
„Ich war immer mit Freude dabei“

Tecklenburg -

Als Leiter der Feuerwehr hat Wieland Fortmeyer den Stab an Stadtbrandinspektor Thomas Sundermann weitergereicht. So ganz ohne Wehr wird der 64-Jährige nicht bleiben. „Seiner“ Wehr steht er weiter mit Rat und Tat zur Seite, zudem ist er Mitglied im Stab der Einsatzleitung im Kreis Steinfurtö.

Samstag, 20.06.2020, 07:02 Uhr aktualisiert: 21.06.2020, 14:16 Uhr
Bürgermeister Stefan Streit (links) hat Wieland Fortmeyer in der jüngsten Sitzung des Stadtrates mit Dankesworten, Urkunde und Blumen verabschiedet.
Bürgermeister Stefan Streit (links) hat Wieland Fortmeyer in der jüngsten Sitzung des Stadtrates mit Dankesworten, Urkunde und Blumen verabschiedet. Foto: Ruth Jacobus

Zwölf Jahre hat Wieland Fortmeyer die Zügel in der Hand gehalten. Nun wurde der Leiter der Feuerwehr im Stadtrat verabschiedet. Der 64-Jährige übergibt sein Amt in jüngere Hände. Sein Nachfolger ist Stadtbrandinspektor Thomas Sundermann . Kommissarischer Leiter wird Brandinspektor René Westermann . Der Wechsel an der Führungsspitze ist für Fortmeyer aber nicht gleichbedeutend mit dem ehrenamtlichen Ruhestand. Er wird der Wehr weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen – sei es bei Einsätzen oder im Stab der Einsatzleitung im Kreis Steinfurt.

Mit 18 Jahren zur Feuerwehr statt zur Bundeswehr

Ein Blick zurück: Im Alter von 18 Jahren musste sich der Leedener Gedanken über seine Zukunft machen, denn die Bundeswehr wollte ihn einziehen. Fortmeyer war es aber lieber, sich für zehn Jahre bei der Feuerwehr zu verpflichten. Es war die richtige Entscheidung für den jungen Mann. Er absolvierte die Ausbildung, den Gruppenführer-Lehrgang, weitere Führungslehrgänge. Viele aktive Jahre mit zahlreichen Einsätzen folgten. Als dann vor zwölf Jahren ein Nachfolger für Wehrführer Wilhelm Kortlüke gesucht wurde, kam man auf Wieland Fortmeyer zu. Der bat sich eine kurze Bedenkzeit aus und bekam zu hören: „Wenn du damit nach Hause gehst und überlegst, hast du schon verloren.“ Dieser Satz sei ihm bis heute präsent, erzählt der Leedener und schmunzelt. „Man muss sich schon mit Händen und Füßen wehren.“ Das tat er aber nicht und übernahm das Amt des Chefs.

Seine Frau habe ihn von Anfang an unterstützt. Auch auf seinen im vergangenen Jahr verstorbenen Bruder Hartwig konnte der Landwirt immer zählen, wenn er alles stehen und liegen lassen und zu einem Einsatz ausrücken musste. Aktive Einsätze wird es weiterhin geben, aber die vielen Termine, die er als Wehrführer in „Ausgehuniform“ übernehmen musste, die fallen weg. Seine Frau nimmt es mit Humor: „Dann muss ich ja nicht mehr so viele weiße Hemden bügeln“, habe sie vor ein paar Tagen noch zu ihm gesagt.

Dann muss ich nicht mehr so viele weiße Hemden bügeln.

Die Ehefrau von Wieland Fortmeyer

Wie schaut der Rückblick des Leedeners aus? „Es hat viel Spaß gemacht und ich habe viel gelernt“, sagt er. „Ich war immer mit Freude dabei.“ Doch es gab auch Einsätze, die ihm zu schaffen gemacht haben. Das seien alle Unglücke mit Personenschaden oder gar Toten. „Das nimmt man mit nach Hause“, gibt Fortmeyer unumwunden zu. „Man war da, konnte aber nicht mehr helfen. Das bewegt.“ Er ist froh, dass es für solche Fälle Notfallseelsorger gibt, die nur für die Wehr da seien. Sie würden einem helfen, den Kopf wieder frei zu bekommen. „Das wird immer mehr in Anspruch genommen“, weiß der erfahrene Feuerwehrmann.

Rund 120 aktive Kameraden sind in der Wehr mit ihren vier Löschzügen tätig. Sie hätten in seiner Amtszeit keine schwerwiegenden Unfälle gehabt, freut sich Fortmeyer. „Darüber bin ich am glücklichsten.“ Man müsse bei einem Einsatz nicht das letzte Feuernest löschen und sich selbst in Gefahr begeben, sondern abwägen, sieht er sich eher als Bremser.

Bei einem Einsatz bei der Fußball-WM 2006 in Dortmund bringt eine Frau in einem Zelt ein Kind zur Welt

Er hadere auch mit schriftlichen Verfahrensanweisungen für Einsätze. „Ich sage dann: Ihr seid doch ausgebildet und braucht keine Anweisung für jeden Schnürsenkel.“

Solche Anweisungen zu schreiben oder überhaupt die Verwaltungsarbeit zu erledigen, die immer mehr zugenommen habe, das ist für Fortmeyer nun vorbei. Nicht aber seine Tätigkeit im Stab der Kreiseinsatzleitung. Dort ist er 2003 Mitglied geworden. Erstes Highlight war 2005 der Weltjugendtag in Köln. 2006 folgte die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, wo der Stab bei einem Spiel in Dortmund eingesetzt war. So etwas bleibt ebenso in Erinnerung wie die Frau, die bei einem Einsatz im Zelt ein Kind zur Welt gebracht hat.

Es sind trotz aller schwierigen Einsätze halt auch viele schöne Dinge, die Fortmeyer in den vergangenen zwölf Jahren erlebt hat. Nun blickt er nach vorn und wünscht sich für seine Kameraden, dass sie zuversichtlich in die Zukunft blicken können. Dabei denkt er vor allem an die Ausstattung. Die Feuerwehrgerätehäuser seien – bis auf Tecklenburg – nicht auf dem aktuellen Stand. „Da liegt was im Argen.“ Doch es bewegt sich ja auch etwas, wie die Pläne für die Ortsteile Ledde und Brochterbeck zeigen.

Bei den Feuerwehrgerätehäusern liegt was im Argen.

Wieland Fortmeyer

Fortmeyer wird die Entwicklung weiter verfolgen und als Feuerwehrmann aktiv bleiben. Er will es eher langsam ausklingen lassen. Bis er sich dann in die Ehrenabteilung verabschiedet. Aber das dauert ja noch etwas.

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