Schon 1812 gab es in Leeden eine Feuerspritze
„Wasser marsch!“ mit Muskelkraft

Tecklenburg -

Ein Feuerhaken und zwei Brandeimer – so sah vor über 100 Jahren die „Löschausrüstung“ aus, die jeder erwachsene Mann zu Hause haben musste. In Leeden gab es 1812 sogar schon eine Feuerspritze, die allerdings mit Muskelkraft bedient werden musste. Ein Streifzug durch die ersten Jahre des Feuerschutzes in Tecklenburg.

Samstag, 27.06.2020, 06:17 Uhr aktualisiert: 27.06.2020, 13:49 Uhr
Vermutlich um das Jahr 1900 ist das Foto der Leedener Feuerwehrmänner entstanden. Die erste Pumpe musste mit Handkraft bewegt werden. Im Jahr 1904 gab es einen spektakulären Brand in der Tecklenburger Innenstadt (von links unten im Uhrzeigersinn).
Vermutlich um das Jahr 1900 ist das Foto der Leedener Feuerwehrmänner entstanden. Die erste Pumpe musste mit Handkraft bewegt werden. Im Jahr 1904 gab es einen spektakulären Brand in der Tecklenburger Innenstadt (von links unten im Uhrzeigersinn). Foto: Feuerwehr

„Retten, löschen, schützen, bergen“ lautet das Motto der Feuerwehr . Was sich hinter diesen vier Worten verbirgt, wie die Feuerwehr entstanden ist und wie sie heute aufgestellt ist, zeigen die WN in einer Serie am Beispiel der Freiwilligen Feuerwehr Tecklenburg. Heute: die Anfänge.

Eine organisierte Brandbekämpfung hat es schon im 18. Jahrhundert gegeben. Mit der Arbeit der heutigen Feuerwehr hatte das aber herzlich wenig zu tun. In der Regel musste jeder arbeitsfähige Bürger im Brandfall zum Einsatz erscheinen – samt dazugehöriger Ausrüstung. Die bestand beispielsweise in Leeden aus einem Brandhaken und zwei Feuereimern. Bei einer jährlichen Feuerschau wurde das Einsatzmaterial auf seine Funktionsfähigkeit überprüft.

Eine Feuerspritze gab es dort bereits im Jahr 1812. Das Gerät gehörte zwar dem Stift, wurde der Gemeinde aber bei Bränden überlassen. Bis zum Jahr 1927 war diese Spritze im Einsatz. Doch über den Erfolg der Brandbekämpfung entschieden andere Parameter: Wasser musste in ausreichender Menge in nicht allzu großer Entfernung vom Brandherd zur Verfügung stehen. So manches Mal wurden mit einer Eimer-Kette die Flammen bekämpft, mehr oder weniger erfolgreich.

Wasserleitungen gab es nicht. Feuerlöschteiche zur Wasserversorgung waren in der Zeit um 1900 nicht bekannt. An einigen Stellen wurden Bäche oder Gräben gestaut. Was nicht viel half, denn mit den damals gebräuchlichen Handspritzen wurde nur wenig Wasser gefördert. Mit Blick auf die Bauweise der Häuser – Fachwerk, Stroh, Holz – hatten die Flammen oft leichtes Spiel. Entsprechend groß fielen die Brandschäden aus.

Feuerbekämpfung als Glücksspiel

Die Feuerbekämpfung war ein Stück weit immer auch ein Glücksspiel. Das war den Tecklenburgern am Pfingstmontag 1903 hold. Ein Blitz hatte den Dachstuhl der evangelischen Kirche getroffen und einen Brand ausgelöst. Aus allen Haushalten wurde Wasser in Eimern zum Gotteshaus getragen. Dort hatte Karl Prigge eine lange Leiter angelegt. Die Eimer wurden ihm hochgereicht, er schüttete das Wasser auf die Flammen und löschte sie.

Ein gutes Jahr später, am 8. September 1904, zeigte sich die geringe Schlagkraft dieser Brandbekämpfung. In der Tischlerei Saatkamp am Tecklenburger Markt war in der Mittagszeit ein Feuer ausgebrochen. Erst in den Abendstunden war der Brand eingedämmt. Die Schreckensbilanz: sieben Häuser und zwei Schuppen wurden ein Raub der Flammen beziehungsweise von ihnen beschädigt.

Wenig verwunderlich, dass danach über die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr nachgedacht wurde. Doch das Ansinnen scheiterte an den Kosten. Für eine 30 Mann starke freiwillige Feuerwehr musste ein Betrag von 578 Goldmark für die persönliche Ausrüstung aller Kameraden gestemmt werden. Anfragen bei Feuerversicherungsgesellschaften zwecks Kostenbeteiligung brachten ein ernüchterndes Ergebnis: abgelehnt wegen geringen Interesses.

Pflichtfeuerwehr 1906 gegründet

Der Stadt blieb keine andere Möglichkeit, als eine Pflichtfeuerwehr zu gründen, was am 30. April 1906 erfolgte. Deren Ausstattung war mehr als erbärmlich: eine alte Handdruckspritze ohne Saugvorrichtung, die mit Eimern gefüllt werden musste, zwei Feuerhaken, zwei Anstellleitern und einige Ledereimer. Nach dem Bau einer Wasserleitung im Jahr 1911 kam ein zweirädriger Karren mit Standrohr und Schläuchen hinzu. In Brochterbeck, Ledde und Leeden sah es kaum besser aus. Einzige Gemeinsamkeit: Alle Männer über 18 Jahren waren zum Dienst verpflichtet. Doch es zeichnete sich schnell ab, dass eine Pflichtfeuerwehr nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

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