Vor 1930 werden die Freiwilligen Feuerwehren gegründet
Holsken-Protest gegen Nazis

Tecklenburg -

In normaler Arbeitskluft und in Holzschuhen sind die Mitglieder der Brochterbecker Feuerwehr nach der Machtübernahme der Nazionalsozialisten angetreten. Ausdruck ihres Protests gegen den von den Nazis eingesetzten Feuerwehr-Chef. Die Blauröcke hatten Erfolg, wenige Monate später stand ihr Favorit an der Spitze der Wehr.

Freitag, 03.07.2020, 16:56 Uhr aktualisiert: 05.07.2020, 17:32 Uhr
Dicht dran sind die Zuschauer bei einem Übungswettbewerb in den 50er-Jahren (von oben links im Uhrzeigersinn). Die Leedener sicherten sich zweimal den Sieg auf Kreisebene. Rückkehr von einem Einsatz und Antreten vor dem Feuerwehr-Gerätehaus.
Dicht dran sind die Zuschauer bei einem Übungswettbewerb in den 50er-Jahren (von oben links im Uhrzeigersinn). Die Leedener sicherten sich zweimal den Sieg auf Kreisebene. Rückkehr von einem Einsatz und Antreten vor dem Feuerwehr-Gerätehaus. Foto: Feuerwehr

„Retten, löschen, schützen, bergen“ lautet das Motto der Feuerwehr . Was sich hinter diesen vier Worten verbirgt, wie die Feuerwehr entstanden ist und wie sie heute aufgestellt ist, zeigen die WN in einer Serie am Beispiel der Tecklenburger Feuerwehr. Heute: die Gründung der Freiwilligen Feuerwehren.

An Engagement hat es den Feuerwehrleuten nie gefehlt. Auch nicht in Zeiten der Pflichtwehr. Doch Ende der 1920er-, Anfang der 1930er-Jahre war klar, dass eine neue Organisationsform her musste. Die wurde in der Form einer Freiwilligen Feuerwehr gefunden. In Brochterbeck war es am 25. August 1925 soweit: 30 Männer erklärten ihren Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr. Sechs Jahre vorher hatten die Tecklenburger diesen Schritt schon getan. Rund 50 Freiwillige wurden in eine Steiger- und Rettungsabteilung, eine Wasser- und Spritzenabteilung sowie die Ordnungsabteilung eingegliedert. Alarmiert wurden die Kameraden durch Hornsignale. Ein eigenes Gerätehaus erhielt die Wehr 1925, als sie in Eigenarbeit die ehemalige Rektoratsschule herrichtete. Ein Schlauchtrockenturm blieb – wie in vielen anderen Orten – ein Traum. Ein großer Mast tat’s schließlich auch.

Schläuche trockneten an einem großen Mast

Anfang 1932 wurde in Leeden die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Dort gab’s sogar finanzielle Unterstützung: 250 Reichsmark von der Westfälischen Provinzial-Feuer-Societäts-Direktion und 50 Reichsmark von der Gesellschaft Concordia Hannover. Allerdings, so ist in der Chronik nachzulesen, reichte das Geld nicht einmal für die notwendigsten Ausrüstungsgegenstände. Pragmatische Konsequenz: Die Röcke sollten selbst bezahlt werden und Ausrüstungsgegenstände wurden zunächst nur für 20 Mann gekauft. Was den Zustrom zur Wehr nicht bremste. Wenige Wochen später wurde eine Haussammlung durchgeführt, bei der 128,60 Reichsmark zusammenkamen.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde die Feuerbekämpfung einer Amtsfeuerwehr übertragen. Die war im damaligen Ortspolizeibezirk Tecklenburg auch für Brochterbeck, Ladbergen, Ledde und Leeden zuständig. Doch nicht überall verlief dieser Übergang ohne Reibereien. In Brochterbeck wollten die Mitglieder, dass Heinrich Heemann die Leitung der Feuerwehr übernimmt. Doch der passte den braunen Machthabern wohl nicht. Sie setzten einen linientreuen ehemaligen Wachtmeister an die Wehrspitze. Die Folge: Viele Brochterbecker Kameraden quittierten den Dienst. Die Nazis verpflichteten daraufhin jeden Bürger, der älter als 18 Jahre war und keiner NS-Organisation angehörte, zum Dienst in der Feuerwehr. Doch es mangelte an Uniformen und so traten die Neulinge demonstrativ in normaler Arbeitskluft mit Holzschuhen zum Dienst an. Das trug ihnen zwar den Spitznamen „Holskenfeuerwehr“ ein, doch wenige Monate später wurde Heinrich Heemann dann als Wehrführer eingesetzt.

Protest brachten den Spitznamen „Holskenfeuerwehr“

Der Zweite Weltkrieg mit seinen schrecklichen Ereignissen verschonte die Feuerwehren nicht. Die Kameraden wurden eingezogen, junge Männer musste an ihrer Stelle den Feuerdienst übernehmen. Als auch diese teils noch Jugendlichen eingezogen wurden, griffen Frauen zu den Löschmitteln, wenn es mal brannte.

Nach dem Kriegsende dauerte es Jahre, bis die Wehren neben der notwendigen Ausrüstung auch die entsprechenden Unterkünfte zur Verfügung hatten. In Ledde erhielt die Wehr 1949 ein Gerätehaus auf dem Hof der früheren Volksschule. Das wurde 1964 durch einen Neubau ersetzt. Keine Zauberei: Am 3. Juni hatte der Rat der Gemeinde Ledde den Neubau beschlossen, am 5. Oktober war Grundsteinlegung und am 22. Dezember Richtfest. Am 16. Oktober 1965 wurde das Haus an die Feuerwehr übergeben.

Kommunale Neugliederung brachte das Aus für die vier selbstständigen Gemeinden

Ein Jahr später erhielt die Brochterbecker Wehr ein neues Gerätehaus. Im vorher genutzten Raum der ehemaligen Volksschule war es zu feucht – die Geräte begannen zu schimmeln, heißt es in der Chronik. In Leeden war bis 1952 das Schwermann’sche Spritzenhaus genutzt worden. Dann wurde ein Neubau bezogen.

Die kommunale Neugliederung zum 1. Januar 1975 brachte das Aus für viele vormals selbstständige Gemeinden. Auch die Feuerwehren blieben davon nicht unberührt. Aus den vier Feuerwehren Brochterbeck, Ledde, Leeden und Tecklenburg wurde die Freiwillige Feuerwehr Tecklenburg mit den vier Löschzügen in den Ortsteilen. 

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