Trunkenheit am Steuer war schon 1950 kein Kavaliersdelikt
Ein „Schwips“ reicht aus für den Führerscheinentzug

Tecklenburg -

Alkohol am Steuer, das war auch vor 70 Jahren schon ein Thema. Wie viel ein Autofahrer überhaupt trinken darf, dafür gab es aber keinen Katalog zum Nachschlagen.

Mittwoch, 15.07.2020, 19:15 Uhr aktualisiert: 16.07.2020, 18:28 Uhr

Elf Autofahrer mussten binnen zehn Wochen den Führerschein abgeben, weil sie alkoholisiert am Steuer gesessen hatten. Das war schon eine beachtlich hohe Zahl, wenn man an die Zeit denkt. Vor genau 70 Jahren berichtete die Heimatzeitung darüber und erläuterte ausführlich, was es mit Trunkenheitsfahrten auf sich hatte:

„Das Straßenverkehrsamt des Kreises Tecklenburg hat als Auftragsbehörde in den letzten zehn Wochen einem Dutzend Kraftfahrer den Führerschein entziehen müssen. In elf Fällen war nachgewiesene Trunkenheit die maßgebende Ursache für die Rückforderung des Führerscheins, nur in einem Falle waren andere Gründe (dauernde Unzuverlässigkeit in der Beachtung der Verkehrsregeln, unzureichende Verkehrssicherheit des Fahrzeugs und schließlich Urkundenfälschung der Fahrdokumente) Anlass, die Fahrberechtigung zu kassieren.

Die Reaktion des Alkohols auf die geistige Verfassung eines Menschen hängt von vielen Eigenarten ab.

Zeitungsbericht von 1950

Wie viel Alkohol darf der Kraftfahrer einnehmen? Über die Menge der alkoholischen Getränke, die ein Kraftfahrer während der Fahrzeit zu sich nehmen kann, ohne den Verkehr zu gefährden, gibt es noch keinen Katalog, in dem man nachblättert, wie viel Schnäpse oder Biere in einem bestimmten Zeitpunkt von einem Kraftfahrer getrunken werden können. Die Reaktion des Alkohols auf die geistige Verfassung eines Menschen hängt von vielen Eigenarten ab. In der Rechtsprechung haben sich indessen Erfahrungsgrundwerte geltend gemacht, die, von bestimmten Erwägungen ausgehend, vor allem in der strafrechtlichen Praxis angewendet werden.

Bei vielen Verkehrsunfällen ruht zunächst der Verdacht auf dem Kraftfahrer, den Unfall durch Trunkenheit verschuldet zu haben. Neben der Ermittlung der tatsächlichen Umstände ist es daher Pflicht der polizeilichen Organe, festzustellen, ob der Fahrer eines Verkehrsmittels zur Zeit des Vorfalles unter Alkoholeinfluss gestanden hat. In dieser Hinsicht werden die Ermittlungen aber auch auf die sonst am Verkehrsunfall beteiligten Personen abgestellt.

Aufgrund jahrelanger Erfahrungen kann davon ausgegangen werden, dass bei einem Blutalkoholgehalt von 1,5 pro Tausend (leichter bis erheblicher „Schwips“) bereits eine deutliche Beeinflussung und damit eine bedingte Fahrunfähigkeit gegeben ist. Bei einem Alkoholgehalt im Blut von zwei pro Mille aufwärts muss schon Trunkenheit und damit eine sichere Fahrunfähigkeit angenommen werden.

Nach der in dieser Hinsicht ziemlich einheitlichen Rechtsprechung der deutschen Gerichte braucht weder eine sinnlose Trunkenheit oder Betrunkenheit im landläufigen Sinne vorzuliegen, um den Kraftfahrer durch gesetzliche Maßnahmen vom Verkehr fernzuhalten. Ein Kraftfahrer soll nämlich dann nicht mehr das Fahrzeug bedienen, wenn seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten infolge Alkoholgenusses so beeinträchtigt sind, dass er sich nicht mehr sicher im Verkehr bewegen kann.

Es gibt Kraftfahrer, die aus Berufsgründen oder anderen Erwägungen heraus den Genuss von Alkohol nicht entbehren zu können glauben. Es ist aber wissenschaftlich auch umstritten, ob der Genuss von Kaffee, Nikotin oder von gewissen Medikamenten nach reichlicher Alkoholzufuhr den Blutalkoholspiegel maßgeblich für den Beschuldigten zu seine n Gunsten verändern kann. Die gerichtsärztliche Wissenschaft ist hier schon so weit, Täuschungsversuche bald aufklären zu können.

Erst wenn ein Verkehrsunfall durch Trunkenheit angerichtet worden ist und das strafrechtliche Verfahren schwebt, wird es dem Kraftfahrer klar, welche weiteren Folgen für ihn entstehen können. Mag auch die Versicherung für den angerichteten Sachschaden aufkommen und das Strafverfahren vielleicht mit einem „blauen Auge“ abgehen.

Von den zwölf soeben im Kreis Tecklenburg ausgesprochenen Führerscheinentziehungen werden die meisten Betroffenen auch in ihrer Existenz Nachteile haben, die vielleicht lange Zeit hindurch nicht mehr auszumerzen sein werden.

Wer am Steuerrad sitzt, muss den Alkohol meiden“, endet der Bericht.

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