Bühnengespräch mit Markus Veith und Torsten Sträter
Ernste Töne und viele Anekdoten

Tecklenburg -

Ernste Töne und witzige Anekdoten entlockte der Schauspieler dem Kabarettisten Torsten Sträter beim ersten Bühnengespräch im Kulturhaus.

Sonntag, 19.07.2020, 16:28 Uhr aktualisiert: 20.07.2020, 16:12 Uhr
Markus Veith (links) entlockte Torsten Sträter so manche Geschichte.
Markus Veith (links) entlockte Torsten Sträter so manche Geschichte. Foto: Heiner Schäffer

Der Mann hat eindeutig Spaß daran, endlich wieder live auf einer Bühne zu stehen, seinem Publikum in die Augen schauen zu können statt in einem Autokino nur in aufgeblendete Scheinwerfer. „Sie kommen ohne mich zurecht, aber ich nicht ohne sie“, sagt Torsten Sträter nach rund zweistündiger Plauderei. „Lass uns noch ein bisschen labern“, fordert er Markus Veith auf und hängt eine höchst vergnügliche Dreiviertelstunde dran. Der Kabarettist und Poetry Slammer war zu Gast beim Bühnengespräch im Kulturhaus. Unter dem Motto „Menschen mit Geschichten“ stellte er sich den Fragen des Schauspielers Markus Veith.

Es herrschte eine fast schon familiäre Atmosph­äre. Die rund 80 Zuschauer (mehr waren aus Hygieneschutzgründen nicht zugelassen) saßen in kleinen Grüppchen zusammen, während es sich Markus Veith und Torsten Sträter auf der Bühne gemütlich machten – mit einem Pott Kaffee und einer großen Schüssel voller Gummibärchen und Lakritz. Die war am Ende der Veranstaltung leer gefuttert.

Markus Veith begrüßte Torsten Sträter als „Meister der Schlagfertigkeit“ und entlockte ihm im Gespräch so manche Anekdote aus seinem Leben, aber auch ernstere Gedanken. Natürlich gab der Kabarettist einiges aus seinen Bühnenprogrammen zum Besten, aber eben auch aus seinem Privatleben. Und er zeigte sich zwischendurch auch einmal ohne die obligatorische Mütze.

„Ich bin froh, dass der vollständige Ort erschienen ist“, witzelte Sträter zu Beginn und wollte wissen, ob „das da draußen echte Gebäude oder nur schöne Fassaden sind.“ Die Altstadt schien ihm gefallen zu haben.

Die Corona-Zeit macht natürlich auch dem 53-Jährigen zu schaffen – auch wenn er es mit Humor nimmt. „Es ist so langweilig, dass ich sogar Engagements annehme, die nicht gut sind für meine Karriere.“ Finanziell muss er sich – noch – keine Sorgen mache. „Ich habe etwas zurückgelegt“, erzählt er gleich mehrmals. Trotzdem gefällt ihm die Situation nicht, in der Künstler zum Beispiel in Autokinos auftreten. „Es ist Scheiße, wenn keiner klatscht und beängstigend, wenn stattdessen gehupt wird.“

Du machst aus einem Pisspott keine Kristallkaraffe mehr.

Torsten Sträter

Seine Gage spendet er teilweise – auch die von dem Abend in Tecklenburg. Sie geht an die Aktion #handfor-ahand, mit der unter anderem freischaffende Bühnen- und Tontechniker unterstützt werden. Er selbst brauche nicht viel. „Ich habe nie das Porsche-Ding verstanden“, teilt er gegen diejenigen aus, die mit Statussymbolen unterwegs sind. „Du machst aus einem Pisspott keine Kristallkaraffe mehr.“

Zum Vergnügen des amüsiert lauschenden Publikums blickten Torsten Sträter und Markus Veith zurück auf die Zeit vor 25 Jahren, als sie sich als Poetry Slammer kennengelernt haben. Da wurde Sträter zum Beispiel bei einem Wettbewerb von einer 15-Jährigen, die ein Gedicht vorgetragen hatte, „weggeschossen“. Wer so etwas erlebt hat, ist hart im Nehmen.

Der Mann hat eine Meinung zu allem: Er ist kein Fußballfan und kann auch Radrennen nichts abgewinnen. „Die fahren da quer durch Frankreich. Dafür gibt es doch Busse. Ich ziehe da keine Spannung raus.“

Auch in der Pause machten die beiden keine Pause. Gelassen standen sie mit den Besuchern vor dem Kulturhaus und plauderten über Gott und die Welt, bevor es wieder weiterging. Gemeinsam gingen Veith und Sträter auf die Veranstaltungsreihe „Kultur am Puppenmuseum“ ein, zu der auch das Bühnengespräch gehört. Bis September ist an jedem Wochenende etwas los. Wenn die nächsten Gesprächsrunden auch alle ausverkauft seien, komme er am Ende der Saison wieder und spiele umsonst“, versprach Sträter dem Publikum.

Weiter drehte sich das Gespräch um Promis, Stars und Peinlichkeiten. Mit der Geschichte, wie er betrunken den Bundespräsidenten kennengelernt hat, brachte er das Publikum zum Weinen vor Lachen. Auch über die Anekdoten über seine Toilettengänge im Zug amüsierten sich die Zuschauer köstlich. Sträter fühlte sich sichtlich wohl in dem Stuhl auf der Bühne und ließ sich von Markus Veith auch die eine oder andere peinliche Geschichte entlocken. Da hatte er in einer Talkshow darüber geklagt, wie schwer es doch sei, mit seinem großen Koffer über die langhaarigen Teppichböden im Hotel zu laufen, bevor der Bergsteiger Reinhold Messner von seinen wirklich anstrengenden Touren berichtete. „Ich dachte nur: Werft eine Decke über mich. Das war Scham pur.“

Der gelernte Herrenschneider, dessen Hobby es ist, Masken und Kostüme herzustellen und der seine Texte komplett selbst schreibt, hatte an diesem Abend viel Spaß im Kulturhaus. Dass er im September wiederkommt: Dieses Versprechen wird er wahr machen.

Das weitere Programm von „Kultur am Puppenmuseum“ ist zu finden im Veranstaltungskalender unter www.tecklenburg-touristik.

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