Familie wandert von Aachen nach Ledde
Frida läuft auf Schusters Rappen zur Oma

Tecklenburg-Ledde -

Zu Fuß zur Oma laufen – das hört sich ganz entspannt an. Doch wenn die Großmutter 289 Kilometer entfernt wohnt, wir der Weg lang. Die neunjährige Frida hat das jetzt unter die Füße genommen und ist – mit ihren Eltern – von Aachen nach Ledde gewandert.

Donnerstag, 23.07.2020, 16:26 Uhr aktualisiert: 24.07.2020, 15:12 Uhr
Die Familie vereint: Paul Hornig,
Die Familie vereint: Paul Hornig, Foto: Privat

262 Kilometer, wenn man die Höhenunterschiede einrechnet sogar 289 Kilometer: von Aachen zu den Großeltern nach Ledde laufen – das machen nicht viele Kinder in ihren Sommerferien. Frida Klaus , neun Jahre jung, fand die Idee ihrer Eltern zunächst „total bescheuert“: „Warum sollten wir laufen, wenn man auch nur zweieinhalb Stunden fahren kann?“ Doch in den Sommerferien gar nichts zu unternehmen, kam auch nicht in Frage.

Bereits in den Osterferien konnte die Familie nicht in den Urlaub fahren. Sie entdeckte ein Buch über Wanderrouten in der Gegend und probierte diese direkt aus. Da für die Sommerferien nicht klar war, wie sich die Reisebestimmungen verändern, wurde intensiv überlegt, was man unternehmen könnte. Dabei kam die Idee des Wanderurlaubs.

Warum sollten wir laufen, wenn man auch nur zweieinhalb Stunden fahren kann?

Frida

Im Vorfeld wurde zunächst eine Strecke von 15 Kilometern ausprobiert. Diese Distanz stellte sich anschließend auch als die beste heraus: Es muss nicht gehetzt werden und am Ende des Tages bleibt noch genug Energie übrig, etwas zu unternehmen. Auch, wenn das Wetter nicht warm genug war, um – wie eigentlich geplant – an den Abenden schwimmen zu gehen.

Bewaffnet mit jeweils drei Hosen, T-Shirts und einem Pullover im Zehn-Kilogramm-Rucksack ging es schließlich los. Die Haustür fiel hinter ihnen ins Schloss und Schritt für Schritt kamen sie ihrem Ziel immer näher. 17 Tage über Mönchengladbach, Oberhausen, Duisburg, Nottuln, Greven und viele andere Städte hat es gedauert, bis sie endlich ankamen. Dabei hat die Familie sich keinen Tag Pause zur Erholung gegönnt. Die jeweiligen Etappen von immer ungefähr 15 Kilometer Länge wurden zu Fuß zurückgelegt – nur Mutter Melanie Klaus ist einmal Bus gefahren.

Tagesetappen von 15 Kilometern Länge

Gelaufen wurde grundsätzlich nach den heruntergeladenen Karten von Google Maps. Musste doch einmal nach dem Weg gefragt werden, war die klare Antwort auf die Frage „Wollen Sie den kurzen oder den schönen Weg laufen?“: „Kurz!“, lautete die unmissverständliche Antwort von Familienvater Christian Klaus, der gleichwohl sagt, dass die Waldwege natürlich schöner seien. Nur an der Landstraße entlang zu laufen, gehe nicht.

Unterwegs wurden vor allem Spiele gespielt: Ob Stadt-Land-Fluss, Doppelwörter, Städteraten oder Hochzahlen. Manchmal kam es sogar vor, dass eine ganze Tagesetappe gerechnet wurde. Wenn einmal nicht gespielt wurde, machte Frida manchmal Tennisübungen unterwegs. Dabei fiel sie aber wohl so weit zurück, dass sie ihren Eltern nur noch „Waaartet!“ hinterher rufen konnte. Langweilig wurde ihnen jedoch nie, stimmen die Drei überein.

Wir haben immer sehr nette Leute getroffen, die uns mit dem Weg weitergeholfen haben.

Christian Klaus

Übernachtet wurde im Hotel, in der Herberge oder in besonderen Kunst- und Eventlocations, wie den ehemaligen Kanalrohren im Ruhrgebiet oder eine Nacht im Museum, die die Familie wärmstens empfehlen kann. Die Unterkünfte wurden allerdings nur einen Tag im Vorfeld reserviert. Je nachdem, wie weit sie es schaffen würden.

„Insgesamt haben wir oft Schwein gehabt“, erzählt Christian Klaus. „Wir haben immer sehr nette Leute getroffen, die uns mit dem Weg weiter geholfen haben und uns auch Brötchen und Wasser geschenkt haben.“ Denn nach einem guten Frühstück sind sie grundsätzlich ohne Essen und Wasser weiter gewandert, nur Traubenzucker war immer dabei. Wenn es unterwegs eine Gelegenheit gab, wurde ein Mittagessen in einem Restaurant eingenommen. Ansonsten wurde bis zum Abendessen durchgewandert.

Zurück nach Aachen geht es nicht zu Fuß

Die letzte und längste Etappe mit 25 Kilometern Länge von Greven bis Tecklenburg war die schönste. Wenn Tecklenburg zum ersten Mal von der Budden­kuhle aus zu sehen ist, motiviere es noch einmal für die letzte Strecke, erzählt Melanie Klaus. Oben in Tecklenburg angekommen, erwarteten die Großeltern die Wanderer. Dort gab es – nach einem Wassereis auf die Hand an der Buddenkuhle – das zweite Eis des Tages. Gemeinsam ging es dann zu Fuß runter nach Ledde, wo auch schon eine langersehnte, eisgekühlte Cola auf Frida wartete. Die hatte sie im Vorfeld bei Oma Hanna Klaus bestellt.

Jetzt wird erst einmal entspannt. Zunächst bei den Eltern beziehungsweise Großeltern in Ledde und dann bei denen in Lienen. Danach geht es zurück nach Aachen. Dann allerdings nicht zu Fuß, sondern eher mit dem Zug oder mit einem Leihwagen.

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