Nach vielen Querelen
Ungewisse Zukunft für den „Doppellecker“-Bus

Tecklenburg/Ibbenbüren -

Wegen „Querelen mit Behörden“, wie Michel Malcin es nennt, stand der „Doppellecker“-Bus kürzlich vor dem Aus. Das hat den Inhaber des rollenden Cafés dazu bewogen, ihn in einem Internet-Portal zum Verkauf anzubieten. Inzwischen sieht die Lage aber wieder etwas anders aus.

Sonntag, 26.07.2020, 15:06 Uhr aktualisiert: 26.07.2020, 16:26 Uhr
Michel Malcin steht derzeit mit seinem Doppeldecker-Bus am alten Bahnhof.
Michel Malcin steht derzeit mit seinem Doppeldecker-Bus am alten Bahnhof. Foto: Linda Braunschweig

 „Jeder braucht einen Ort, an dem er sein darf“ – das steht in großen Lettern an dem „Doppellecker“-Bus von Michel Malcin . Doch gerade für den Café-Bus, den der Ibbenbürener seit rund eineinhalb Jahren betreibt, ist das gar nicht so einfach. Das musste Malcin in den vergangenen Monaten nicht nur am Kreativ-Kai in Münster feststellen, wo er zurzeit den Klageweg beschreitet. Auch am derzeitigen Standort am alten Bahnhof in Tecklenburg gab es jüngst „Querelen mit den Behörden“. Näher möchte Malcin darauf nicht eingehen, denn diese sind nach einigen Gesprächen nun ohne weitere Folgen beigelegt.

In der vergangenen Woche sah das jedoch noch anders aus, das Café stand vor dem Aus, und da entschied sich Malcin, seinen Doppeldecker-Bus samt der „Doppellecker“-Marke, zu der inzwischen auch ein Web-Shop (unter anderem für Kaffee) gehört, in einem Internet-Portal zum Verkauf anzubieten.

Ich hätte nie gedacht, dass das so schwer wird.

Michel Malcin

Auch nach der Klärung hält der ehemalige Pastor, der sich 2018 mit dem damals 58 Jahre alten Bus einen Traum erfüllte und gleichzeitig nach einem Burn-Out einen neuen beruflichen Weg einschlug, an der Offerte fest. Mal den Marktwert des Busses, in den er rund 150 000 Euro investierte, checken. Denn auch durch Corona herrschen derzeit unsichere Zeiten für das rollende Café.

Schon wegen sämtlicher Corona-bedingten Auflagen gehe gerade „viel Freude“ verloren, sagt Malcin. Zudem seien alle Termine, zu denen der Café-Bus in diesem Jahr gebucht war, abgesagt worden. Und so steht das hübsche blau-weiße Gefährt seit Wochen auf dem alten Bahnhofsgelände, nur wegen Corona wohlgemerkt.

Malcin hat einen Vertrag mit dem Grundstückseigentümer sowie die Reisegewerbekarte, die ihn zum Ausschank berechtigt. Dennoch war der Bus an der Stelle wohl jemandem ein Dorn im Auge. Nun aber sind die Wogen bei den Behörden geglättet, der Bus bleibt den Tecklenburgern und Gästen vorerst am Bahnhof erhalten, „mindestens diesen Sommer“, sagt Malcin. Denn eigentlich will er mit dem Bus ja unterwegs sein, will Leute treffen. Das hat ihn in den vergangenen eineinhalb Jahren begeistert, sich zu den Gästen zu setzen, ihre Geschichten zu hören, Fragen zu beantworten.

Ein Dorn im Auge

Gleichwohl hat er festgestellt, dass er vielleicht ohne sein rollendes Café auskommen würde, das auch jenseits aller Behördenstreitigkeiten eine Menge Arbeit allein schon für die nötige Logistik mit sich bringt. Da stößt der Betreiber, der zeitweise 25 Mitarbeiter beschäftigte, an seine Grenzen. „Vielleicht bin ich an das Ganze auch zu naiv herangegangen, aber es wird einem in Deutschland mit so einem Projekt auch sehr schwer gemacht. Vieles ist zermürbend, so viele Vorgaben.“

Beispielsweise wird der Bus – grob ausgedrückt – vom Bauamt wie ein Haus behandelt. Das sah zumindest die Stadt Münster am Kreativ-Kai so und verlangte den Abzug des Cafés. Malcin klagt nun auf Gleichbehandlung, denn an selber Stelle gibt es auch Terrassen, die in ähnlicher Funktion wie sein Bus genutzt werden.

Gefährt stammt aus dem Jahr 1960

Der „Doppellecker“-Bus ist längst über die Region hinaus bekannt. Viele Medien haben über Michel Malcin und seine besondere Geschichte berichtet. Der Bus erregt überall Aufsehen. Gerade seien Gäste eigens aus Köln angereist, um bei ihm Kaffee zu trinken, freut sich der Inhaber, der viel Zuspruch bekommt. Weil der Bus längst eine Marke ist, setzt Malcin den Kaufpreis bei mindestens 400 000 Euro an. Der Bus verfügt unter anderem über eine Kaffeemaschine und eine Kühlanlage. Das Gefährt stammt aus dem Jahr 1960, ist elf Meter lang, 2,50 breit, 4,10 Meter hoch. Es hat 130 PS und keine Servolenkung. Malcin hat den Bus, der innen schrottreif war, 2018 mit viel Arbeit und Unterstützung von Freunden umgebaut und ist dann unter anderem über die Wochenmärkte in der Region getingelt.

...

Die Klage läuft und liegt inzwischen beim Oberverwaltungsgericht, sagt Malcin. Er und sein Anwalt hoffen auf eine Entscheidung „noch in diesem Sommer“. Es sehe ganz gut aus, meint der Ibbenbürener, der viel Unterstützung für den Klageweg bekommen hat, unter anderem mit 7000 Unterschriften und einem Crowdfunding-Projekt.

Und dennoch: „Ich wollte alles, aber nicht so etwas. Kaffee ausschenken und mit Menschen ins Gespräch kommen, aber nicht diese Paragrafenreiterei, den Neid und schon gar keine Gerichtsstreitigkeiten“, sagt Malcin. „Da habe ich keine Lust zu, das ist auch nicht meine Art.“

Auch die Stellplätze auf Wochenmärkten und bei Veranstaltungen waren nicht so einfach zu bekommen. Jede Kommune habe andere Regeln. Nun schaut der Ibbenbürener erstmal, wie es weiter läuft. „Wir halten uns offen, den Traum weiter zu leben“, sagt Michel Malcin. Aber vielleicht mache er auch etwas „neues Verrücktes“.

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