Mordprozess vor dem Landgericht geht weiter
Täter stach mit großer Wucht zu

Tecklenburg/Ibbenbüren -

Vor dem Landgericht Münster wurde jetzt der Prozess gegen einen 27-Jährigen aus Tecklenburg fortgesetzt. Er soll in Ibbenbüren einen Mann getötet haben.

Mittwoch, 29.07.2020, 18:16 Uhr aktualisiert: 30.07.2020, 16:42 Uhr

Mit den Aussagen weiterer Zeugen und des Rechtsmediziners, der den Toten obduziert hatte, ging am Dienstag der Mordprozess um einen am 19. Januar in Ibbenbüren in einem Haus an der Wilhelmstraße getöteten 30-Jährigen vor dem Landgericht Münster weiter. Im Mittelpunkt des dritten Verhandlungstages standen die Aussagen des 26-jährigen Mitbewohners des Getöteten. Der Zimmermann schilderte unter anderem, wie er den Toten fand.

Wie berichtet, ist ein 27-Jähriger aus Tecklenburg angeklagt, den 30-Jährigen mit zehn Stichen getötet zu haben. Anschließend soll er ein Feuer gelegt haben, um die Tat zu vertuschen. Dabei soll er in Kauf genommen haben, weitere Menschen im Haus zu verletzen oder zu töten. Hintergrund soll die Beziehung seiner von ihm getrennt lebenden Frau zu dem Ibbenbürener gewesen sein.

In der Nacht habe er im Obergeschoss telefoniert, erzählte der 26-Jährige. Gegen 2 Uhr habe er gehört, wie der 30-Jährige nach Hause gekommen sei und später zudem, wie dessen Wohnzimmertür im Erdgeschoss abgeschlossen wurde. Als er am frühen Morgen Brandgeruch bemerkte, sei er nach unten gegangen. Er sei in die Wohnung gelangt, habe aber im Schlafzimmer vor lauter Rauch nichts sehen und nicht atmen können. Er habe laut um Hilfe gerufen und schließlich von außen das Schlafzimmerfenster eingeschlagen. „Da habe ich seine Füße gesehen.“ Der Tote habe auf dem Boden gelegen.

Er war fünf Jahre mein bester Freund.

Mitbewohner des Opfers

Das bestätigte ein Nachbar, der mit einem weiteren Mann zur Hilfe geeilt war. Beide berichteten zudem, wie verzweifelt der Mann versucht habe, seinen Mitbewohner zu retten.

Dabei erlitt er Schnittverletzungen und eine Rauchvergiftung und kam ins Krankenhaus. Erst dort habe er vom Tod seines Mitbewohners erfahren. „Er war fünf Jahre mein bester Freund.“

Die Vorsitzende Richterin versuchte genauer zu beleuchten, wie die beiden Männer zuletzt zueinander standen. Am zweiten Verhandlungstag hatte die Ehefrau des Angeklagten berichtet, ihr neuer Partner habe wegen seines Mitbewohners um sein Geld gefürchtet. Das stritt der Zeuge ab. Richtig lag die Frau in ihrer Aussage aber offenbar damit, dass der 26-jährige Zeuge ihren Ehemann am 13. Januar darüber informierte, wann sie und ihr neuer Partner am Bahnhof in Ibbenbüren ankommen würden. Dort hatte der Angeklagte den 30-Jährigen, die Frau und deren Tochter abgepasst, es kam zu einer Schlägerei.

Er habe es dem Ehemann aus „Menschlichkeit“ gesagt und deshalb seinen Mitbewohner nicht gewarnt, sagte der 26-Jährige vor Gericht mehrmals. Der Angeklagte habe bei ihm vor der Tür gestanden und nach seiner Frau gefragt. Er habe geweint und gesagt, er wolle seine Tochter sehen. Später bekundete der Zeuge aber auch, dass es in seiner und der Kultur des Opfers immer schwierig sei, wenn eine verheiratete Frau eine neue Beziehung eingehe.

Die Ehefrau des Angeklagten hatte zuvor erklärt, der Mitbewohner ihres neuen Partners habe die Beziehung nicht gutgeheißen. Nach der Schlägerei am Bahnhof habe er „Stress“ mit dem 30-Jährigen gehabt. Ihr Partner habe dem Mitbewohner vorgeworfen, die bis dahin geheim gehaltene Beziehung dem Ehemann verraten zu haben.

Im Bericht des Rechtsmediziners wurde deutlich, dass der Täter mit großer Wucht zustach – vermutlich mit einem Messer. Einer der Stiche in den Brustkorb drang zwölf Zentimeter tief, durchtrennte eine Rippe und traf das Herz. Neben neun weiteren Stichverletzungen dokumentierten die Mediziner stumpfe Gewalteinwirkung im Gesicht des Opfers und Verbrennungen dritten Grades. Die Obduktion ergab, dass der 30-Jährige sich offenbar nicht zur Wehr setzte. Er soll geschlafen haben.

Der Prozess wird am 17. August fortgesetzt.

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