Woher kommt der Name Knoblauchsberg?
Lauch als Heilmittel und Würze

Tecklenburg -

Der Knoblauchsberg ist auch – solange man denken kann – die Heimat der Tecklenburger Bürgerschützen von 1786 mit Schießstand und Schützenhalle, die schon so manchen sportlichen Schießwettkampf und schöne Feier gesehen haben. Doch woher kommt der Name?

Donnerstag, 30.07.2020, 22:31 Uhr aktualisiert: 30.07.2020, 23:40 Uhr
Das Bild zeigt den Wald- oder Hundsknoblauch im „Kreuter Buch“ des Hieronimus Bock. Dieses stammt aus dem Jahr 1546.
Das Bild zeigt den Wald- oder Hundsknoblauch im „Kreuter Buch“ des Hieronimus Bock. Dieses stammt aus dem Jahr 1546. Foto: Dr. Christof Spannhoff

Knoblauch ist nicht gerade ein Element, für das die westfälische Küche bekannt ist. Dafür sind eher mediterrane Speisen berühmt. Und doch gibt es in Tecklenburg einen Knob-lauchsberg, an dem ein idyllischer Camping-Platz zum Urlaubmachen einlädt. Der Knoblauchsberg ist auch – solange man denken kann – die Heimat der Tecklenburger Bürgerschützen von 1786 mit Schießstand und Schützenhalle, die schon so manchen sportlichen Schießwettkampf und schöne Feier gesehen haben.

Man könnte nun meinen, der Name sei wegen des enthaltenen Bestandteils Knoblauch nicht alt oder sei vielleicht ein „Verhörer“ der Geometer, die Anfang des 19. Jahrhunderts die Region vermaßen und den Urkataster zur genauen Grundsteuererhebung erstellten. Doch weit gefehlt. Der Name Knoblauchsberg reicht in seiner niederdeutschen Form bereits bis in das 14. Jahrhundert zurück und ist damit wesentlich älter als manch anderer Flurname.

Brandwein und Knoblauch, das stinkt durch sieben Gassen.

Hermann Bote in seiner 1519 verfassten Satireschrift „De Koker“

In einer Urkunde des Jahres 1357 wird festgehalten, dass vor dem Grafen Nikolaus von Tecklenburg-Schwerin der Ritter Cunrad von Horne dem Tecklenburger Vogt Johann Hoiffnagel die Oppenhove im Kirchspiel Lengerich für 19 Mark Osnabrücker Pfennige verkaufte, und diese Oppenhove lag „vnnder den Knuflickes Berge zu Teckelenburgk“, also unterhalb des Tecklenburger Knoblauchsbergs.

Doch was bedeutet der Name des Knoblauchsberges, „von dem niemand weiß, weshalb er so heißt“, wie es in einem langen Bericht der Zeitschrift GEO über die „Die Bürgerschützen vom Knoblauchsberg“ im Juli 1981 heißt. Aufgrund des alten Belegs von 1357 ist der Name der Bodenerhebung wirklich zur Pflanzenbezeichnung Knoblauch zu stellen, mittelniederdeutsch knuflôk ‚Knoblauch‘. Dass dieser bereits im Mittelalter bekannt und auch zur Speisenbereitung verwendet wurde, zeigt ein Arzneibuch des Jahres 1484: „Merke, de spise schal nicht to hete vgl. englisch hot in der Bedeutung ‚scharf‘ krudet sin, alse mit pepere, engeuer, knuflok“, was übersetzt heißt: „Die Speise soll nicht zu scharf sein, wie mit Pfeffer, Ingwer, Knoblauch“. Die Auswirkungen des Knoblauchs nennt auch der braunschweigische Chronist Hermann Bote in seiner 1519 verfassten Satireschrift „De Koker“: „Brandewîn unde knuflôk / dat stinket dorch seven gaten.“ – Brandwein und Knoblauch, das stinkt durch sieben Gassen.

Nach Westfalen gelangte der Knoblauch mit der Christianisierung über die Klostergärten, in denen er kultiviert wurde. Er wurde als Heilmittel gegen Bisswunden durch Hunde oder Schlangen, Haarausfall, Zahnschmerzen, Hautausschläge, Lungenleiden oder Menstruationsstörungen empfohlen.

Der Knoblauch im Knob-lauchsberg ist aber kein regionales Unikum. In einem Schatzungsregister aus dem Jahr 1537 steht verzeichnet, dass der Lengericher Einwohner „Wagen Peter“ 15 Schillinge „vom Knuffelox Campe“, also vom Knoblauchskamp, zu zahlen hatte. Möglicherweise lag dieser Kamp, also ein eingezäunter Acker oder eine Wiese, in der Nähe des Tecklenburger Berges.

Im Namen des Knob-lauchsberg steckt also wirklich die Bezeichnung der Pflanze aus der Gattung des Lauchs (Allium). Vielleicht handelte es sich auch um eine wilde Art des Gewächses. Eine Besonderheit ist die bereits frühe Erwähnung des Flurnamens, denn ein älterer Beleg wird aufgrund der Überlieferungslage kaum zu erwarten sein. Dieser Zufallsfund kommt daher zur rechten Zeit, denn 2023 könnten die Tecklenburger Schützen mit Fug und Recht das Jubiläum „666 Jahre Knob-lauchsberg“ feiern.

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