Informationsveranstaltung zum Verkauf von St. Hedwig
Eine neue Heimat schaffen

Tecklenburg-Leeden -

Die Pläne wurden positiv aufgenommen, nicht aber die Vorgehensweise. Das wurde bei einer Info-Veranstaltung deutlich, bei der es um den Verkauf der Kirche St. Hedwig ging.

Donnerstag, 27.08.2020, 20:41 Uhr aktualisiert: 28.08.2020, 19:00 Uhr
Rund 3600 Quadratmeter groß ist das Grundstück, auf dem Kirche St. Hedwig steht.
Rund 3600 Quadratmeter groß ist das Grundstück, auf dem Kirche St. Hedwig steht. Foto: Ruth Jacobus

Die Verträge sind zwar noch nicht unterschrieben, aber entschieden ist alles: Die katholische Kirche St. Hedwig wird samt Gelände verkauft und das Gebäude abgerissen. Auf dem rund 3600 Quadratmeter großen Grundstück baut die Sander Pflege GmbH ein Seniorenzentrum inklusive Kapelle. Die Pläne an sich stießen am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung sehr wohl auf Gegenliebe bei den Gemeindemitgliedern. Kritisiert wurde allerdings, dass alles hinter verschlossenen Türen besprochen und festgezurrt worden ist, ohne sie zu befragen.

Pfarrer Peter Kossen ging zunächst auf die Geschichte des Gebäudes ein, das 1961 als sogenannte Notkirche errichtet worden war, weil sich viele Vertriebene katholischen Glaubens nach dem Zweiten Weltkrieg in Leeden angesiedelt hätten. Eine katholische Kirche gab es nicht. Das wegen der Holzbauweise damals auch als „Schwedenkirche“ bezeichnete Gebäude sei nie für eine Dauer von 60 Jahren errichtet worden, so Kossen mit Blick auf das Jahr 2021, in dem das Gotteshaus abgerissen werden soll.

„Die Kirche hat ihre Baustellen“, verwies der Pfarrer auf Renovierungsbedarf. Für eine Dachreparatur und andere Dinge habe die Pfarrei Niels Stensen keine Mittel und vom Bistum bekomme man dafür auch nichts.

Im Frühjahr sei die Anfrage des Altbürgermeisters Wilfried Brönstrup gekommen, ob auf dem Grundstück ein Seniorenzentrum errichtet werden könne. Es habe daraufhin viele Gespräche gegeben mit Gertrud Barlag (Sprecherin St. Hedwig), Franz-Josef Konermann (Kirchenvorstand) und Gunnar Sander (Geschäftsführer Sander Pflege GmbH), bei denen absolute Vertraulichkeit und striktes Stillschweigen vereinbart worden sei. Eine basisdemokratische Entscheidung sei rechtlich nicht möglich. „Dafür gibt es gewählte Gremien“, so Kossen.

Eine basisdemokratische Entscheidung war rechtlich nicht möglich. Dafür gibt es gewählte Gremien.

Pfarrer Peter Kossen

Diese wurden vor ein paar Tagen informiert und haben „nach ausführlicher Diskussion einstimmig entschieden, zu verkaufen“, führte Kossen weiter aus. Die Realisierung des Projektes sei allerdings ein Prozess, „in den wir die Menschen miteinbinden wollen und müssen“.

Zu der Entscheidung, Kirche und Grundstück zu verkaufen, haben sicherlich auch die Pläne von Gunnar Sander beigetragen. Er möchte der katholischen Gemeinde auch künftig eine Heimat bieten.

Geplant sind zwei Baukörper (zwei Geschosse plus Dachgeschoss). Entstehen soll ein Seniorenheim mit zwei Wohngruppen zu je zehn Einzelzimmern sowie ein Haus mit zwölf bis 14 Wohnungen (zwischen 45 und 68 Quadratmetern) für betreutes Wohnen. Zwischen den beiden Elementen soll eine rund 30 Quadratmeter große Kapelle entstehen mit einem separaten Eingang. Angegliedert wird ein circa 70 Quadratmeter großer Gemeinschaftsraum, abgetrennt durch eine mobile Wand. Dieser könne zum Beispiel für Feste wie Erntedank oder ein Weihnachtsfrühstück genutzt werden, führte Sander aus. Gedacht sei das Seniorenzentrum vor allem für ältere Menschen aus Leeden, damit sie ihren Heimatort nicht verlassen müssten.

Die Gottesdienste der Gemeinde St. Hedwig könnten in der Kapelle gefeiert werden oder aber in der Stiftskirche, hatte zuvor Pfarrer Kossen erläutert. Bereits seit 2012 habe man von der evangelischen Kirche die Zusage, diese mitnutzen zu können, bestätigte Franz-Josef Konermann. „Wir haben unter dem Strich in Zukunft mehr als jetzt“, betonte er die positiven Aspekte. So habe die Kapelle, anders als dir Kirche, den ganzen Tag geöffnet. Bis zum Beginn der Bauarbeiten, eventuell noch bis zum Tag des 60-jährigen Bestehens, könne die Kirche noch genutzt werden. Während der Bauzeit fänden die Gottesdienste in der Stiftskirche statt. Und dann solle in der Kapelle eine neue Heimat gefunden werden.

Dass der Abriss der Kirche ein Verlust sei und er ihr nachtrauern werde, gestand Pfarreiratsvorsitzender Daniel Narberhaus ein. Es sei urgemütlich in der „Kirche mit „Wohnzimmer-Flair“. das könne aber auch in neuen Räumen entstehen. Positiv beurteilte er außerdem, dass die Nutzung der Kapelle durch die Gemeinde vorher in einem Privatvertrag geregelt werde. Nicht nur das: „Sander fordert uns sogar dazu auf, bei der Gestaltung der Kapelle mitzuwirken. Sie wird so zu einer neuen Heimat.“

Altbürgermeister Brönstrup nutzte die Veranstaltung, um auf die Vorgeschichte zurückzublicken und erinnerte an einen Rundgang, der im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (Isek) stattgefunden hatte. Dort sei eine Seniorenwohnanlage gefordert worden und stehe seitdem ganz oben auf der Wunschliste. Brönstrup hatte am Jahresanfang den Kontakt zwischen der Pfarrei und der Sander Pflege hergestellt und den gesamten Prozess begleitet.

In der anschließenden Diskussion wurde vor allem deutlich, dass die Pläne gefallen, aber es war auch die Rede von Bevormundung. „Ich hätte mir gewünscht, dass man uns hört, bevor entschieden wird. Wenn ich die Leute mitnehmen will, darf man sie nicht überrumpeln“, so eine Stimme aus der Gemeinde, die Bestätigung fand. Zum Beispiel durch Michael Reiffenschneider. Dessen Großvater war Mitbegründer der Kirche St. Hedwig. Er fand es schade, nur durch Zufall erfahren zu haben, dass die Info-Veranstaltung stattfand. Er hätte lieber auf mehr Gemeinsamkeit gesetzt. Doch er fand es auch „total schön“, dass etwas Neues entsteht. Ich freue mich über das Projekt. Es ist eine Wohnanlage, die wir uns alle wünschen.“

Franz-Josef Konermann verteidigte noch einmal das Vorgehen. „Wir glauben, etwas Gutes für Leeden gefunden zu haben und wollten nicht, dass es zerredet wird. Dieser Weg war der Richtige bei diesem höchst sensiblen Projekt.“

 

Die Pläne für das Seniorenzentrum werden auf Einladung der Interessengemeinschaft (IG) Leeden am Freitag, 25. September, ab 19 Uhr in der Gaststätte Antrup vorgestellt.

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