Vortrag von Sebastian Schröder beim Geschichts- und Heimatverein
Preußen bezahlen doppelt für die Grafschaft

Tecklenburg -

Die Grafschaft Tecklenburg wurde 1707 an Preußen verkauft. Dafür gab es gleich zwei mal Geld. Diese und weitere Fakten nannte Sebastian Schröder in einem Vortrag beim GHV.

Donnerstag, 03.09.2020, 18:44 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 18:50 Uhr
Das Foyer des Kulturhauses war gut gefüllt, als dort Sebastian Schröder referierte.
Das Foyer des Kulturhauses war gut gefüllt, als dort Sebastian Schröder referierte. Foto: Frank Bosse

Wurde die Grafschaft Tecklenburg 1707 „verraten und verkauft“? Diese Frage stellte Sebastian Schröder von der Universität in Münster einem Kreis von ungefähr 50 Zuhörern, die am Dienstag in das Kulturhaus gekommen waren. Darüber berichtet der Geschichts- und Heimatverein.

Schröder legte dar, dass die Grafschaft 1707 zwar „verkauft“ wurde dadurch, dass der preußische König 250 000 Taler an den Grafen von Solms-Braunfels zahlte, der nach einem Urteil des Reichskammergerichts Erbansprüche auf Tecklenburg hatte.

Doch wurde die Grafschaft Tecklenburg auch „verraten“? Die ältere Geschichtsschreibung verneint das, da 1707 eine segensreiche preußische Herrschaft einsetzte. Doch so einfach war es laut Schröder nicht. Die Tecklenburger Grafen nahmen den juristischen Streit erneut auf, und manchmal schien es so, als wenn sie auf ihr Schloss zurückkommen könnten. Erst durch den „Berliner Vergleich“ von 1729 wurde Preußen auch juristisch Eigentümer der Grafschaft. Dazu hatten sie den Grafen von Tecklenburg eine Entschädigung von 175 000 Talern gezahlt, die Grafschaft also zweimal bezahlt.

Fakten geschaffen

Preußen nutzte die Jahre zwischen 1707 und 1729 jedoch, um Fakten zu schaffen. 1707 mussten die Tecklenburger dem preußischen König Friedrich I . freiwillig oder unfreiwillig (wohl eher unfreiwillig) huldigen. Das wiederholte sich 1713 beim Übergang von Friedrich I. zu Friedrich Wilhelm I.

Die preußische Verwaltung verfolgte in der neuen Grafschaft ihre absolutistischen Ziele. Doch das gelang nicht ganz, als es um die Einführung der Akzise ging, einer Verbrauchssteuer, die den preußischen Haushalt füllen sollte. Die Stadt Tecklenburg sollte wegen der „Ärmlichkeit“ ihres Handels nicht Akzisestadt werden. Dagegen wehrte sich die Stadt energisch und mit Erfolg.

Beinahe wäre nicht nur die Grafschaft Tecklenburg „verkauft“, sondern auch die Stadt Tecklenburg „verraten“ worden.

Das tecklenburgisch-preußische Geplänkel wurde obendrein von den diplomatischen Schachzügen anderer deutscher Herrschaften begleitet, die ebenfalls ein Interesse an der Grafschaft hatten, erläuterte Schröder weiter.

1729 waren die Preußen allerdings nicht nur faktisch, sondern auch rechtlich die Herren in der Grafschaft. Sebastian Schröder schloss mit der Überlegung, ob das Datum 1707 für Tecklenburg nicht weniger wichtig war als 1729. Die Zeit dazwischen sei aber hochspannend gewesen.

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