Atomar, biologisch und chemisch
„Die Gefahren sind gar nicht so weit weg“

Tecklenburg -

Feuerwehrleute, die einen ABC-Lehrgang absolviert haben, kennen sich mit sehr unterschiedlichen Gefahrenlagen aus. Die drei ersten Buchstaben des Alphabets stehen für Atomar, Biologisch und Chemisch. Wer denkt, dass derartige Situationen im Tecklenburger Land unvorstellbar sind, der irrt. „Die Gefahren sind gar nicht so weit weg“, sagt Matthias Völker.

Donnerstag, 03.09.2020, 22:53 Uhr aktualisiert: 04.09.2020, 17:32 Uhr
Die Freiwillige Feuerwehr ist für verschiedene Gefahrenlagen gerüstet.
Die Freiwillige Feuerwehr ist für verschiedene Gefahrenlagen gerüstet.

„Retten, löschen, schützen, bergen“ lautet das Motto der Feuerwehr . Was sich hinter diesen vier Worten verbirgt, wie die Feuerwehr entstanden ist und wie sie heute aufgestellt ist, zeigen wir in einer Serie am Beispiel der Freiwilligen Feuerwehr Tecklenburg. Heute: Technische Einsätze.

Feuerwehrleute, die einen ABC-Lehrgang absolviert haben, kennen sich mit sehr unterschiedlichen Gefahrenlagen aus. Die drei ersten Buchstaben des Alphabets stehen für Atomar, Biologisch und Chemisch. Wer denkt, dass derartige Situationen im Tecklenburger Land unvorstellbar sind, der irrt. „Die Gefahren sind gar nicht so weit weg“, sagt Matthias Völker .

Der Begriff Atomar bezieht sich keineswegs nur auf Atomkraft. „Das gilt auch für Geräte, die Strahlung aussenden, beispielsweise ein MRT oder ein Röntgengerät beim Zahnarzt“, erläutert der Gruppenführer der Tecklenburger Feuerwehr. „Biologisch bezieht sich beispielsweise auf Apotheken-Transporte mit Medikamenten oder Bluttransporte“, beschreibt der 33-Jährige Alltagssituationen, in denen dieser Begriff eine Rolle spielen könnte. Und bei Chemie geht es nicht um entsprechende Kampfstoffe. Die sind international geächtet. Aber Pflanzenschutzmittel und Essigsäure fallen beispielsweise in die Kategorie Chemisch.

Zum Einsatz kommen diese Fähigkeiten der Feuerwehr zum Beispiel dann, wenn bei Bränden unklar ist, ob die Rauchwolke gesundheitsschädliche Bestandteile enthält. Die Radio-Durchsage „Anwohner sollten Fenster und Türen geschlossen halten“ hat wohl jeder schon mal gehört. Dann kann man sicher sein, dass die Feuerwehr eine Analyse der Wolken-Bestandteile vornimmt. Ein entsprechendes Spezialfahrzeug steht beispielsweise bei der Ibbenbürener Feuerwehr.

Zahlreiche technische Hilfeleistungen

Allerdings sind Brände nicht mehr der häufigste Grund, warum die Feuerwehr alarmiert wird. Technische Hilfeleistungen machen – auch bundesweit – den größten Teil der Einsätze aus. Das Spektrum reicht von einer hilflosen Person hinter einer verschlossenen Tür bis zu Verkehrsunfällen.

Um Verletzte aus Unfallautos zu retten, müssen die Wagen manchmal mit schwerem Gerät geöffnet werden. „Darauf wird man schon in der Jugendfeuerwehr vorbereitet“, erinnert sich Matthias Völker. Da werde mit Spreizer und Schere an alten Fahrzeugen geübt, bevor diese in die Schrottpresse wandern. „Wenn man zu einem Unfall gerufen wird und von zuhause losfährt, macht man sich schon Gedanken“, räumt er im Gespräch ein. Die Vorbereitung in der Theorie sei gut, urteilt er. „Aber in der Praxis sieht es dann doch oft anders aus.“

Matthias Völker fährt zwar mit seinem Privatwagen zum Gerätehaus. Von dort darf er dann auch ein Einsatzfahrzeug fahren. Den erforderlichen Führerschein der Klasse C beziehungsweise CE hat er bei der Feuerwehr gemacht. Wer hinters Lenkrad will, muss parallel dazu eine weitere Ausbildung als Maschinist absolvieren. „Der Fahrer gibt die Gerätschaften an die Einsatztrupps aus, muss die Fahrzeugpumpe bedienen oder nachts das Stromaggregat“, zählt er die zusätzlichen Fertigkeiten auf.

Vater in der Feuerwehr, Bruder in der Jugendfeuerwehr – Matthias Völker ist früh mit den Blauröcken in Kontakt gekommen. Die Zeit in der Jugendfeuerwehr bewertet er „als gute Vorbereitung für den Übergang in die aktive Wehr. Man erhält die Basics vermittelt, teilweise auch noch auf spielerische Art“, blickt er zurück.

„Das Interesse muss da sein und man muss den Job auch gut machen“, beschreibt der 33-Jährige das Anforderungsprofil für den Übergang in die aktive Wehr. Für ihn sei das nie eine Frage gewesen. Und auch den Weg vom Feuerwehrmann über Truppführer zum Gruppenführer habe er bewusst eingeschlagen.

Im Team zu arbeiten, das ist für ihn der eine Grund. Verantwortung zu übernehmen ein zweiter. „Klar, der Zeitaufwand ist etwas größer“, bestätigt er. Einmal im Monat treffen sich die Gruppen- und Löschzugführer, um beispielsweise Dienstpläne aufzustellen, Material anzufordern, Termine festzulegen. „Zuhause muss ich etwa vier Dienstabende im Jahr vorbereiten“, fügt er hinzu. Eigentlich sei der Aufwand wie bei jedem anderen Hobby. Das entscheidende sei ohnehin, „dass die Familie mitspielt“. Was bei ihm der Fall ist.

Wie alle Mitglieder der aktiven Wehr hat Matthias Völker einen Pieper in der Hosentasche. Der gibt ein Signal, wenn ein Einsatz ansteht. Ob er, wenn er auf der Arbeit ist, alles stehen und liegen lässt? Der 33-Jährige lacht. „Ich arbeite bei VW in Osnabrück, da brauche ich für eine Ölspur gar nicht losfahren, die haben die Kameraden längst abgestreut, wenn ich ankomme.“ Anders sehe das bei Großeinsätzen aus.

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