Studie Energieeffizientstandards im Neubau
Vorschreiben oder vorschlagen?

Tecklenburg -

Soll man Bauherren vorschreiben, nach welchem Energiestandard sie ihr Haus zu bauen haben? Oder reichen intensive Gespräche und Hinweise auf Standards und Fördermöglichkeiten? Der Bauausschuss hat keine Antwort gefunden und die Sache an den Rat verwiesen.

Donnerstag, 24.09.2020, 06:17 Uhr aktualisiert: 24.09.2020, 17:26 Uhr
Verpflichtende oder freiwillige Vorgaben für Energiestandards bei Neubauten? Die Politik ringt um Antworten. Das Baugebiet an der Pagenstraße ist nicht betroffen.
Verpflichtende oder freiwillige Vorgaben für Energiestandards bei Neubauten? Die Politik ringt um Antworten. Das Baugebiet an der Pagenstraße ist nicht betroffen. Foto: mba

Es sind beeindruckende Zahlen, die Bernd Winterseel den Mitgliedern des Bauausschusses am Dienstagabend vorlegt. Gebäude in Deutschland sind für 38 Prozent des Endenergieverbrauchs verantwortlich. Der Mitarbeiter des Öko -Zentrum NRW stellt eine Studie vor, die von der Stadt in Auftrag gegeben worden ist. Aufgabenstellung: Ermittlung von Mehrkosten zur Einführung eines KfW-Effizienzhaus-Standards 55 für alle Neubauten von Wohngebäuden.

Die Mehrkosten werden bei einem Einfamilienhaus durch die Förderung zu 100 bis 120 Prozent gedeckt.

Bernd Winterseel, Öko-Zentrum NRW

Basis der Untersuchungen sind die Investitionen, die bei Einsatz eines Brennwertkessels in Kombination mit Solarenergie, bei Verwendung einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, bei Einsatz eines Pelletkessels und bei Nutzung von Fernwärme erforderlich sind in Relation zu einem „herkömmlichen“ Neubau.

Die gute Nachricht des Umweltingenieurs: „Die Mehrkosten werden bei einem Einfamilienhaus durch die Förderung zu 110 bis 120 Prozent gedeckt.“ Bei einem Mehrfamilienhaus (mehr als drei Wohneinheiten) sei eine Kostendeckung von bis zu 170 Prozent möglich. Bernd Winterseel weist auch auf ein „aber“ hin: „Die Betriebskosteneinsparung deckt die Mehrkosten nicht.“

Sollte die Stadt Tecklenburg sich entschließen, den KfW-55-Standard in Bebauungsplänen verbindlich vorzuschreiben, „werden die Planer und Architekten sich darauf einstellen“, prognostiziert er. Ein Weg, den einige Städte in Deutschland bereits beschreiten. Die Empfehlung des Fachmanns ist mit Blick auf den Klimawandel eindeutig: KfW-55-Standard für Neubau von Wohnhäusern, KfW-40-Standard für Neubau von Mehrfamilienhäusern. Das sollte in den Kaufverträgen und städtebaulichen Vorgaben verankert werden. Eine mögliche Ausnahme bei Nachweis der Unwirtschaftlichkeit sollte eingepflegt werden. Denkbar wäre dieser Fall, so erläutert er, sollte der Preis für die Emissionen von Kohlendioxid (CO

Wir sind uns über das Ziel einig, aber nicht über den Weg.

Doris Löpmeier (SPD)

Dass für den Klimawandel auch vor Ort etwas getan werden muss, steht für die Ratsfraktionen außer Frage. Doch an der Vorgabe in der Sitzungsvorlage, der Ausschuss formuliert einen Beschlussvorschlag für den Rat, scheitern die Ausschussmitglieder. Eindeutig ist nur die Haltung von Bündnis 90/Die Grünen, die auch die Erstellung der Studie beantragt hatten. Die Fraktion sehe das als einen Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität. Dafür sollten Mindeststandards gesetzt werden. Zudem hätten alle Parteien noch im Kommunalwahlkampf betont, dass sie etwas für den Klimaschutz tun wollen. „Warum zögern sie jetzt?“, fragt Pascal Uhlmann.

Ob eine Beratung der Bauherren durch die Stadt nicht besser sei als eine verbindliche Vorgabe? Sollte man nicht für jedes einzelne Baugebiet die optimale Lösung anstreben? Was ist, wenn Standards vorgeschrieben werden und die Förderung wegfällt? Doris Löpmeier (SPD) bringt die Gemengelage auf den Punkt: „Wir sind uns über das Ziel einig, aber nicht über den Weg.“

Kommentar

Taten müssen folgenBeim Thema Klimaschutz sollte es keine zwei Meinungen geben. Es muss gehandelt werden, nicht irgendwann, sondern sofort. Dazu gehört nicht nur das Verhalten jedes Einzelnen. Auch Kommunen sind gefordert, entsprechende Vorgaben zu machen.

...

Für Egbert Friedrich (CDU) ist klar, dass es nur eine Möglichkeit gibt: „Wir können heute keinen Beschluss formulieren, weil wir das in der Fraktion noch eingehend beraten müssen.“ Jetzt soll der Rat die Formulierung erstellen. Basis dafür ist der von Bürgermeister Stefan Streit angeregte Kompromiss: „Die Verwaltung nimmt die Diskussion als Prüfauftrag, ob eine generelle Festsetzung möglich ist oder fallbezogen jeder Bauherr unter Hinweis auf die Studie beraten werden soll.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7598709?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F187%2F
Nachrichten-Ticker