Prozess am Landgericht Münster endet / Verurteilter protestiert lautstark
27-Jähriger wegen Mord lebenslang in Haft

Ibbenbüren/Tecklenburg -

Lebenslange Haft, so lautet das Urteil gegen einen 27-jährigen Tecklenburger. Am Landgericht Münster musste er sich verantworten, weil er einen Ibbenbürener mit zehn Messerstichen getötet haben soll. Es war ein Indizienprozess. Die Verteidigerin des Tecklenburger kündigte an, Rechtsmittel einzulegen.

Donnerstag, 24.09.2020, 18:02 Uhr aktualisiert: 25.09.2020, 16:46 Uhr
Die Zweite Große Strafkammer am Landgericht Münster hat am Donnerstag das Urteil gesprochen.
Die Zweite Große Strafkammer am Landgericht Münster hat am Donnerstag das Urteil gesprochen. Foto: Linda Braunschweig

Wegen Mordes, versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung hat die Zweite Große Strafkammer am Landgericht Münster am Donnerstag einen 27-jährigen Tecklenburger zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sah es in dem Indizienprozess als erwiesen an, dass der Mann den neuen Partner seiner Frau am 19. Januar in dessen Wohnung an der Wilhelmstraße in Ibbenbüren mit zehn Messerstichen tötete, als dieser schlief, und dann Feuer legte, um die Spuren zu vernichten. Dabei habe er in Kauf genommen, weitere Menschen in dem Haus zu töten. Eifersucht und Rache seien das Motiv gewesen.

In neun Verhandlungstagen hatte das Gericht versucht, mittels Zeugenaussagen und Gutachten Beweise zusammenzutragen. Was dabei herauskam, sei jeweils für sich genommen nicht ausreichend, eben so wenig wie das Motiv, doch in der Gesamtheit schon, sagte die Vorsitzende Richterin.

Während ihrer eineinhalbstündigen Urteilsbegründung musste der Verurteilte mehrfach von seiner Verteidigerin beruhigt und von der Richterin ermahnt werden. „Ich habe die Tat nicht begangen. Sie haben nie wirklich nach einem anderen Tätergesucht“, rief er in Richtung Richterbank, schüttelte immer wieder heftig den Kopf und begann schließlich zu weinen.

Zu Beginn des letzten Prozesstages hatte er das letzte Wort. Er glaube an das Rechtssystem und sei zuversichtlich, freigesprochen zu werden, hatte der 27-Jährige bekundet. Von seinem Recht, vor Gericht die Aussage zu verweigern, habe er nur Gebrauch gemacht, weil seine Anwältin ihm dazu geraten habe. Er bitte darum, dass ihm das nicht zum Nachteil ausgelegt werde und hoffe darauf, zu seinen „lieben Mitmenschen“ zurückkehren zu können.

Nach Überzeugung des Gerichts war der nicht vorbestrafte Mann mit der Trennung von seiner Frau nicht zurechtgekommen. Er habe das Familienleben vermisst und sie beobachtet, so die Vorsitzende Richterin. Er habe eine spezielle App auf dem Tablet seiner Tochter installiert, um herauszufinden, wo sie sich aufhielten.

Am 13. Januar habe er das Wohnhaus des Opfers an der Wilhelmstraße erstmals aufgesucht, dort aber nur den Mitbewohner angetroffen. Als dieser verriet, wann der 30-Jährige mit Frau und Kind am Bahnhof ankommen sollte, wartete der 27-Jährige dort auf sie. Es kam zur Prügelei mit dem körperlich überlegenen Ibbenbürener.

Dass er erst kurz vor der Tat von der Beziehung erfahren habe und durch die Schlägerei öffentlich gedemütigt worden sei, wertete das Gericht als weitere Indizien für die Täterschaft, ebenso wie ein dreiminütiges Telefonat mit dem Opfer in der Tatnacht und vor allem zahlreiche Faserspuren. Nach dem Telefonat sei ihm klar gewesen, dass der Nebenbuhler seinen Platz nicht räumen werde. „Sie sahen keine andere Möglichkeit, als ihn zu beseitigen, um das Familienleben wieder herzustellen“ und „wir wüssten nicht, wer ihn sonst getötet haben sollte. Er hatte keine anderen Feinde“, so die Richterin.

Die Verteidigerin des Mannes hatte Freispruch beantragt. „Zu Recht“, wie sie nach dem Urteil betonte. Aus ihrer Sicht ließen sich vor allem die Faserspuren nicht so bewerten, wie sie vom Gericht gewertet wurden. Ihr Mandant werde Revision einlegen, kündigte sie am Donnerstag an.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7600730?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F187%2F
Nachrichten-Ticker