Vortrag beim GHV über die napoleonische Zeit
Reformen mit Strahlkraft

Tecklenburg -

Spannende Fakten aus der zeit, als Tecklenburg zu Frankreich gehörte, wusste Professor Armin Owzar von der Sorbonne zu berichten. Er war zu Gast beim GHV.f

Freitag, 02.10.2020, 19:02 Uhr aktualisiert: 04.10.2020, 15:58 Uhr
Professor Dr. Armin Owzar von der Universität Sorbonne in Paris referierte auf Einladung des GHV.
Professor Dr. Armin Owzar von der Universität Sorbonne in Paris referierte auf Einladung des GHV. Foto: Frank Bosse

Der Referent kam aus Frankreich und referierte dazu passend über die „Franzosenzeit“ der Tecklenburger. Professor Dr. Armin Owzar von der Universität Sorbonne in Paris war auf Einladung des Geschichts- und Heimatvereins (GHV) ins Kulturhaus gekommen, um darüber zu sprechen, wie die Tecklenburger um 1800 Franzosen wurden.

Der Referent setzte sich zunächst mit der verbreiteten Auffassung auseinander, dass die Jahre zwischen 1806 und 1813 „dunkle Jahre“ der Fremdherrschaft gewesen seien, heißt es in einem Bericht des GHV. Diese Sicht konnte und wollte Owzar nicht vollends entkräften, bedeutete doch die französische Herrschaft in napoleonischer Zeit Steuern, Militärdienst, Kontributionen und Einquartierungen von Soldaten der Grande Armée. Zum Beispiel musste Lienen tausende von Soldaten aufnehmen, bewirten und versorgen. Die Hauptstadt des Großherzogtums Berg war weit entfernt: Düsseldorf. Bald, nämlich mit der Eingliederung in das Kaiserreich Frankreich, war die Hauptstadt Paris. Die Amtssprache war Französisch. Aus dem Bürgermeister wurde der Maire.

Amtssprache war Französisch

Auf der Habenseite der französischen Herrschaft standen allerdings erhebliche Posten, führte der Referent weiter aus: eine effektive Verwaltung, Gleichheit vor dem Gesetz, Aufhebung der Zünfte, Religionsfreiheit und Judenemanzipation; nicht zu vergessen: die Bauernbefreiung.

Die französischen Reformimpulse in den Musterstaaten des Großherzogtums Berg oder des Königreichs Westfalen entwickelten so viel Strahlkraft, dass das vom Krieg gebeutelte Preußen sich gezwungen sah, mit einer „defensiven Modernisierung“ zu antworten.

Als die Franzosen gehen mussten und die Preußen zurückkamen, gab es vereinzelte pro-preußische Szenen. So musste der Tecklenburger „Maire“, jetzt wieder als Bürgermeister, das Bild von Friedrich dem Großen aufhängen, das er abgehängt hatte. Denn Tecklenburg solle nie wieder preußisch werden – so die irrige Annahme im November 1806.

Eine der ersten Maßnahmen der Preußen 1813 war die Erfassung aller Männer zwischen 17 und 40 Jahren für den Dienst in der Landwehr oder dem Landsturm. Das war in Tecklenburg eine durchaus unpopuläre Maßnahme und verleitete manch einen zur „Drückebergerei“.

Ungefähr 40 Zuhörer folgten dem Referenten durch seine gekonnte Darstellung der vielen Facetten der „Franzosenzeit“ in Tecklenburg.

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