Vortrag über alte Hochzeitsbräuche im Tecklenburger Land
Gäste finanzieren mit Gaben die Feier

Tecklenburg -

Am Beispiel der traditionellen Bauernhochzeit mit bisweilen mehreren hundert Teilnehmern schildert Dr. Andreas Eying in einem Vortrag die einzelnen Brauchtumselemente von der Eheanbahnung bis zur Kistenfüllung und der Hochzeitsfeier, die sich über mehrere Tage erstreckte. Der GHV lädt dazu ein.

Donnerstag, 08.10.2020, 19:49 Uhr aktualisiert: 09.10.2020, 15:48 Uhr
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Der Foto: Dr. Andreas Eiynck

Ehe und Familie sind die Grundlage der Gesellschaft und des Staates – so galt es bis weit in das 20. Jahrhundert nicht nur im Tecklenburger Land. Erbrecht und Rollenverteilung, ja die gesamte Gesellschaftsordnung waren auf die Ehe von Mann und Frau zugeschnitten. Damit kam auch dem Akt der Eheschließung eine zentrale Rolle im Brauchtum und in der Festkultur zu. Darüber wird Dr. Andreas Eiynck , Ethnologe und Leiter des Emslandmuseums Lingen, am Dienstag, 13. Oktober, ab 19.30 Uhr im Kulturhaus der Stadt Tecklenburg in einem reich illustrierten Vortrag berichten. Der Eintritt beträgt sieben Euro. Darauf weist der Geschichts- und Heimatverein (GHV) in seiner Einladung hin.

Am Beispiel der traditionellen Bauernhochzeit mit bisweilen mehreren hundert Teilnehmern schildert der Referent die einzelnen Brauchtumselemente von der Eheanbahnung bis zur Kistenfüllung und der Hochzeitsfeier, die sich über mehrere Tage erstreckte. Häufig wurde die Eheschließung als sogenannte „Gebehochzeit“ gefeiert, wobei die Kosten des Festes durch die Geschenke der Gäste finanziert wurden. Ein sogenannter Hochtiedsbittker lud persönlich die zahlreichen Gäste ein, die sich auf ein üppiges Festessen, reichlich Getränke sowie Musik und Tanz freuen durften. Konfessionelle Unterschiede waren eher gering, denn eine Hochzeitsfeier bildete in katholischen wie in evangelischen Regionen eine willkommene Abwechslung und eine Pause im arbeitsreichen Alltag.

Das Brautpaar hatte wenig Einfluss.

Das Brautpaar selber hatte auf das Festgeschehen wenig Einfluss. Die Verwandten und die Nachbarschaft waren die Herren des Geschehens – von der Partnerwahl bis zur Ausrichtung der Feier. Ablauf und Ausrichtung der Hochzeitsfeier folgten den ungeschriebenen Regeln der Gemeinschaft in Stadt und Land. Seit dem 19. Jahrhundert übernahm das ländliche Hochzeitsbrauchtum immer mehr Elemente der bürgerlichen Hochzeit. Äußerlich sichtbar war dies zum Beispiel am weißen Brautkleid, das in früheren Jahrhunderten auf dem Land unbekannt war.

Ein Vergleich zu heutigen Hochzeitsfeiern macht deutlich, welchen Wandel Ehe und Eheschließung in den vergangenen Jahrzehnten erfahren haben. Dies ist Ausdruck der allgemeinen Säkularisation, veränderter Wertvorstellungen, der Individualisierung und der Auflösung traditioneller Bindungen, schreibt der GHV.

Dr. Andreas Eiynck stammt aus dem Münsterland. Der Ethnologe ist Direktor des Emslandmuseums Lingen und leitet seit 2016 den Fachbereich Museen im Kreisheimatbund Steinfurt. Er ist Mitglied im Vorstand der Kommission für Alltagskulturforschung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe LWL und durch seine lebendigen Geschichtsvorträge bekannt.

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