Noorullah Zamani absolviert eine Ausbildung bei Metallbau Ventker
Sprache ist der Schlüssel zu allem

Tecklenburg-Brochterbeck -

Seit fünf Jahren gibt es die Flüchtlingshilfe. Die Ehrenamtlichen haben seitdem vielen Menschen zur Seite gestanden und ihnen geholfen. Ein Beispiel für eine gelungene Integration ist Noorullah Zamani.

Dienstag, 13.10.2020, 21:11 Uhr aktualisiert: 14.10.2020, 16:50 Uhr
Noorullah Zamani ist seit August in der Ausbildung in der Firma Ventker Metallbau. Tobias Ventker unterstützt ihn genauso wie der Rest des Teams.
Noorullah Zamani ist seit August in der Ausbildung in der Firma Ventker Metallbau. Tobias Ventker unterstützt ihn genauso wie der Rest des Teams. Foto: Luca Pals

Noorullah Zamani ist ein Mann mit vielen Interessen. Der 30-Jährige arbeitet in der Firma Ventker Metallbau, spielte Fußball in Tecklenburg und schreibt in seiner Freizeit Bücher und Gedichte. Auf Persisch. Und vielleicht irgendwann auf Deutsch. Aktuell befindet sich der gebürtige Afghane in der Ausbildung. Dreieinhalb Jahre liegen noch vor ihm, zum 1. August ist er in dem Brochterbecker Unternehmen eingestellt worden. Er sagt zwar: „Aller Anfang ist schwer“, Unterstützung erfährt er allerdings von allen Seiten.

Ganz neu in der Branche ist er nicht: „Ich habe schon in Afghanistan eine ähnliche eigene Firma geführt – die Erfahrungen helfen zwar, viele Arbeitsschritte sind gleich. So etwas wie ein duales Ausbildungssystem gibt es in Afghanistan aber natürlich nicht.“ Es ist nur einer von zahlreichen Unterschieden, die Zamani aufzählen könnte.

Ich habe schon in Afghanistan eine ähnliche Firma geführt.

Noorullah Zamani

Schnell spricht er von Krieg, Terror und Zerstörung. Eine Flucht sei alternativlos gewesen. Zu Fuß, mit dem Auto, aber auch mit dem Boot machte er sich gemeinsam mit Vater Abdulrahman auf den langen und beschwerlichen Weg.

Besonders prägend? Die Überfahrt von der Türkei nach Griechenland. „Wir mussten 1000 Dollar zahlen“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Es sind Bilder, die die meisten nur aus dem Fernsehen kennen: „Mit 65 Leuten waren wir fünf Stunden lang auf einem Boot, was vielleicht für zehn Personen ausgelegt war. Frauen, Kinder, ganze Familien – wir hatten alle große Angst.“

Beide überstanden die Überfahrt, kamen Wochen später in Deutschland an. „Wir leben auch heute noch gemeinsam in einer Sammelunterkunft in Tecklenburg“, sagt Zamani. Es sind wohl Erlebnisse, die zusammenschweißen.

In Deutschland angekommen, machte er sich schnell auf die Suche nach einem Beruf: „Ich wollte mich natürlich einbringen. Das war mir sehr wichtig.“ Zuerst bei der Firma Hotec angestellt, bekam er die Chance eines Praktikums bei Metallbau Ventker: „Ich bin meinen Chefs sehr dankbar, dass sie mir das ermöglicht haben.“

Für die Arbeit ist die Sprache unabdingbar: Einen Sprachkursus konnte er nur aufgrund einer Integrationspauschale der Stadt Tecklenburg für drei Monate belegen. Diese Zeit reichte: Zamani bestand die B1-Prüfung. Im Rückblick sagt er: „Die Sprache ist der Schlüssel zu allem.“ Neben der Ausbildung in Betrieb und Berufsschule bekommt er außerdem eine fachspezifische Förderung durch das Programm „Lernen fördern“.

Dies alles, der pure Wille sich behaupten zu wollen und die Hilfe des Arbeitgebers, der aktuell zehn Auszubildende beschäftigt, kann so manche Probleme nicht verdecken. Eine Abschiebung ist immer noch möglich, aktuell wegen der laufenden Ausbildung ausgesetzt.

Marita Ventker spricht sich für Zamani aus, wenn sie sagt: „Er ist fleißig, hilfsbereit, nett und hat den unbedingten Willen sich zu integrieren – so jemand muss bei uns bleiben.“ Die Flüchtlingshilfe setzt sich dafür mit allen Mitteln ein.

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