Vortrag beim GHV über Hochzeitsbräuche
Gastebittker und Friggerautsmann

Tecklenburg -

Verschiedene Hochzeitsbräuche, ihr Ursprung und Sinn wurden in einem GHV-Vortrag mit reichlich vorhandenem Bildmaterial und den Erläuterungen von Dr. Andreas Eyinck anschaulich und mit viel Humor präsentiert.

Mittwoch, 14.10.2020, 19:37 Uhr aktualisiert: 15.10.2020, 15:04 Uhr
Zwischen Schmunzeln und Nachdenklichkeit schwankte das Publikum beim Vortrag von Andreas Eyinck im Kulturhaus.
Zwischen Schmunzeln und Nachdenklichkeit schwankte das Publikum beim Vortrag von Andreas Eyinck im Kulturhaus. Foto: Frank Bosse

Was hatte es mit den Schuhen des Gaste-bittkers auf sich? Und welche Aufgaben hatte der Friggerautsmann? Um solche und ähnliche Fragen ging es beim Vortrag von Dr. Andreas Eiynck vom Emsland-Museum in Lingen. Auf Einladung des Geschichts- und Heimatvereins (GHV) referierte er über Hochzeitsbräuche im Tecklenburger Land

Der Referent war den rund 45 Zuhörern schon aus vielen früheren Vorträgen bekannt, und so überraschte es nicht, dass Dr. Eiynck sein Publikum am Dienstagabend im Kulturhaus über 90 Minuten zu fesseln wusste, schreibt der GHV.

Die verschiedenen Hochzeitsbräuche, ihr Ursprung und Sinn wurden dem Publikum mit reichlich vorhandenem Bildmaterial und den Erläuterungen des Referenten sehr anschaulich und mit viel Humor präsentiert.

Die Zuhörer verspürten oft, dass gewisse Bräuche zwar bekannt, aber verdrängt oder vergessen waren. Dann waren da auch Bräuche, bei denen manch einer bedauerte, dass sie oder er sie bei der Hochzeit verpasst hatte. Dafür einige Beispiele: Vielen Zuhörern war der Friggerautsmann sicher unbekannt: der Mann, der bei der Anbahnung der Ehe, beim Freien also, mit Rat aushalf. Stand die Verlobung bevor, ging es um die sorgfältige Prüfung, man kann sagen, die Inspektion der Mitgift. Auch war ein Ehevertrag unverzichtbar.

Gastebittker musste trinkfest sein

Der Gastebittker, der die Gäste zur Hochzeit einladen musste, ist eine bekannte Figur. Er musste trinkfest und körperlich fit sein, um zu Fuß von Haus zu Haus zu gehen. Dafür erbat er nach getaner Arbeit eine Unterstützung von allen Gästen, damit er seine Schuhe neu besohlen konnte. Schließlich wollte er nicht in Holzschuhen gehen müssen. Später, als der Gastebittker aufs Fahrrad umstieg, brachte er bunte Bänder an – für jeden zu ladenden Nachbarn eins. So konnte er niemanden vergessen.

Der Referent schilderte auch den akkuraten Ablauf der Hochzeitsfeier, dabei vor allen Dingen die Rolle der Nachbarn. Es kam auch das jus primae noctis, das Recht der ersten Nacht, zur Sprache, die der Grundherr früher mit der Braut verbringen durfte. Eiynck verwies diese Vorstellung allerdings in den Bereich der Männerfantasien des 19. Jahrhunderts.

Das Publikum schwankte immer wieder zwischen Schmunzeln und Nachdenklichkeit, letzteres vor allem, als der Referent abschließend deutlich machte, wie sehr sich die Hochzeitsbräuche heute von früher unterscheiden.

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