Aktionstag der Suchtberatungen
Riskanter Konsum in Krisenzeiten

Lengerich -

Besonders in Krisenzeiten ist es wichtig, lokale und leicht zugängliche Angebote für Suchterkrankte und Personen mit Suchtpotential anzubieten. Darauf weist das Diakonische Werk hin.

Mittwoch, 04.11.2020, 00:59 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 02:00 Uhr
Das Team der Suchtberatungsstelle in Lengerich macht darauf aufmerksam, dass Menschen besonders in Krisenzeiten Hilfe und Unterstützung brauchen.
Das Team der Suchtberatungsstelle in Lengerich macht darauf aufmerksam, dass Menschen besonders in Krisenzeiten Hilfe und Unterstützung brauchen. Foto: Diakonisches Werk

Kommunale Suchtberatungsstellen erreichen bundesweit mehr als eine halbe Million Suchtkranke und ihre Angehörigen. Sie unterstützen, beraten und stabilisieren Menschen mit Suchterkrankung und deren Angehörige sowohl in Krisen, als auch in dauerhaft herausfordernden Lebenssituationen – und dennoch sind viele Beratungsstellen unterfinanziert.

Anlässlich des bundesweiten Aktionstags der Suchtberatung will die Beratungsstelle Sucht des Diakonischen Werks Tecklenburg in Lengerich auf die Notwendigkeit lokaler Beratungsangebote hinweisen. Außerdem soll auf die Dringlichkeit einer (Weiter-)Finanzierung von Beratungsangeboten für Menschen mit Suchterkrankung und Menschen, die suchtgefährdet sind, aufmerksam gemacht werden.

Besonders in Krisenzeiten ist es wichtig, lokale und leicht zugängliche Angebote für Suchterkrankte und Personen mit Suchtpotential anzubieten, heißt es in einem Pressebericht des Diakonischen Werkes. Experten der Paracelsus Universität Nürnberg, der medizinischen Hochschule Hannover und der Universität Heidelberg warnen vor einer Zunahme des Alkohol- und Tabakkonsums während der anhaltenden Pandemie. Frühere Epidemien hätten bereits gezeigt, dass der damit verbundene Stress das Suchtverhalten und somit zum Beispiel einen riskanten Konsum von Tabak und Alkohol fördern kann. Im April diesen Jahres führten die Experten der medizinischen Fakultäten eine anonyme Online-Befragung zur Veränderung der Alkohol- und Tabakkonsumgewohnheiten in der Allgemeinbevölkerung während des Lockdowns durch. 37,4 Prozent der 2150 Befragten gaben dabei an, seit Beginn der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen mehr Alkohol zu konsumieren. Auch Raucher agierten anders im Lockdown: 42,7 Prozent der Befragten gaben an, auf Grund der veränderten Lebensbedingungen häufiger zur Zigarette oder E-Zigarette zu greifen.

riskanten Konsum von Tabak und Alkohol

Gerade in Krisenzeiten wie diesen sei es wichtig, dass sich Hilfesuchende an die Beratungsstellen vor Ort wenden können: „Sucht-Hilfsangebote sind systemrelevant. Wenn die lokalen Hilfsangebote wegfallen, stehen Betroffene und ihre Familien alleine da“, betonen die Mitarbeitenden der Suchtberatung des Diakonischen Werks Tecklenburg. So schwierig die dauerhafte Finanzierung auch sei – ohne kommunale Anlaufstellen gehe es nicht, da sind sich die Experten einig: „Eine kompetente, wohnortnahe Beratung ist häufig der erste Schritt aus der Sucht zurück in ein gesundes Leben.“

Die Beratung der Beratungsstelle Sucht in Lengerich ist kostenlos und berät sowohl bezüglich stoffgebundener (Alkohol, Tabak, Medikamente und illegale Drogen) als auch nicht stoffgebundener (Glücks- und Computerspiel) Süchte. Die Mitarbeitenden unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht. Um dem Beratungsbedarf entsprechen zu können, werden auch telefonische und Online-Beratung angeboten.

 

Weitere Informationen zum Thema gibt es auf der Website des Diakonischen Werks Tecklenburg (www.dw-te.de/wordpress/unsere-angebote/beratungsstelle-sucht).

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