Corona trifft auch Irati hart
Das Kinderdorf ist für die Kinder geschlossen

Tecklenburg-Brochterbeck -

Seit vielen Jahren unterstützt die Gemeinde St. Peter und Paul das brasilianische Kinderdorf Irati. Wie sieht es dort in Corona-Zeiten aus?

Freitag, 13.11.2020, 20:09 Uhr
Ein Bild aus der Vor-Corona-Zeit: Die Mädchen und Jungen haben viel Spaß im Kinderdorf Irati, das seit Jahrzehnten von den Brochterbeckern unterstützt wird.
Ein Bild aus der Vor-Corona-Zeit: Die Mädchen und Jungen haben viel Spaß im Kinderdorf Irati, das seit Jahrzehnten von den Brochterbeckern unterstützt wird. Foto: Kinderdorf Irati

Die Corona-Pandemie stellt die Menschen nicht nur bei uns, sondern weltweit vor große Herausforderungen. Auch das Kinderdorf in Irati in Brasilien, das schon seit fast 30 Jahren von der Gemeinde St. Peter und Paul unterstützt wird, ist davon betroffen. Am 25. März wurde die Einrichtung behördlicherseits geschlossen und die Kinder durften nicht mehr kommen.

Die leitenden Schwestern vom Orden der Ingolstädter Franziskanerinnen, Anice, Bernadette und Matilde und das ehrenamtliche Direktorium hatten das Jahr 2020 voller Enthusiasmus und Elan begonnen mit dem Ziel, das Kinderdorf in eine reine Tageseinrichtung umzuwandeln mit vielen Angeboten. Gedacht sind sie nicht nur für die Kinder des Armenviertels, an dessen Rand das Kinderdorf liegt, sondern auch für deren Familien. Ein neues Kapitel sollte so beginnen in der Geschichte des Projektes.

Nach den Sommerferien Mitte Februar waren bereits 70 Kinder angemeldet für verschiedene Kurse wie Hausaufgabenbetreuung, Yoga, Musik, Sport, Computer, Sticken und Basteln, Meditation und mehr. Selbstverständlich gibt es immer für alle Mittagessen und Lanche (Zwischenmahlzeit). Im März gab es noch ein Seminar für die Mütter zum Thema häuslicher Friede, das gut angenommen wurde, gleichzeitig wurde ein Angebot geplant für Jugendliche von zwölf bis 15 Jahren zur Gewalt- und Drogenprävention mit dem Ziel, sie von der Straße zu holen.

Aber schließlich wird alles gut werden. Ich bin sicher, wir schaffen das.

Schwester Anice

Der Lockdown hat die Verantwortlichen zunächst ausgebremst und auch deprimiert, aber dann wurde die Zwangspause genutzt für umfangreiche Umbauten und notwendige Reparaturen. Das Eingangstor musste erneuert werden, an Küche und Bäckerei wurde ein Saal angebaut, der genutzt werden kann als Speisesaal und für Koch- und Backkurse. Diese Arbeiten sind schon fertig. Eine alte Werkstatt wird umgewandelt in ein Gewächshaus, daneben wird ein Brunnen gebaut für die eigene Wasserversorgung.

Die Gehälter sind weiter gezahlt worden und die Angestellten arbeiten alle mit. Nach wie vor wird regelmäßig gebacken und Brot, Pasteten, Plätzchen verkauft, genauso wie die Handarbeiten, die unter der Leitung der Schwestern entstehen. Heute wird es einen großen Weihnachtsbasar geben im Kinderdorf.

Die Unterstützung aus der Stadt Irati ist zu 50 Prozent weggebrochen, aber die Verantwortlichen sind überzeugt, dass sich das nach der Pandemie wieder ändern wird. Und dann, so hoffen sie, können im Januar die Kinder zurückkommen, auch wenn im Moment die Fallzahlen in Irati wieder steigen.

Die Schwestern besuchen regelmäßig die Familien in der Siedlung, sie wissen, wo die Not am größten ist. Vor allem an die Familien der Kinderdorfkinder werden daher Lebensmittelpakete verteilt, die eine große Hilfe sind in dieser Zeit und mit großer Dankbarkeit angenommen werden.

Leider geht auf Grund von Corona auch das Dienstjubiläum von Schwester Anice sang- und klanglos unter. 1995 haben die Ingolstädter Franziskanerinnen die Leitung übernommen vom Gründer Padre Isaias. Schwester Anice war von Anfang an dabei, seit 25 Jahren arbeitet sie unermüdlich mit Liebe und Hingabe für die benachteiligten Kinder. Kürzlich schrieb sie in einer Whatsapp: „Uns geht es gut, Gott sei Dank. Wir haben noch immer keine Kinder hier, aber trotzdem viel Arbeit durch die Veränderungen. Aber schließlich wird alles gut werden. Ich bin sicher, wir schaffen das.“

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