Ursula-Maria Busch über die Probenarbeit des Posaunenchors Ledde in Corona-Zeiten
Üben mit dem Knopf im Ohr

TEcklenburg-Ledde -

Wie können Musiker in Corona-Zeiten den Probenbetrieb aufrechterhalten. Ursula-Maria Busch leitet den Posaunenchor Ledde und hat sich für dessen Mitglieder über die vergangenen Monate einiges ausgedacht. Was, das erzählt sie im Interview.

Sonntag, 29.11.2020, 17:52 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 17:22 Uhr
Der Posaunenchor Ledde in Aktion.
Der Posaunenchor Ledde in Aktion. Foto: Posaunenchor Ledde

Ursula-Maria Busch ist Instrumentalpädagogin und leitet das Blechbläserensemble des Kirchenkreises Tecklenburg sowie den Posaunenchor Ledde. Der 1959 gegründete Posaunenchor spielt Bläserstücke aus allen Jahrhunderten. Das Repertoire umfasst neben geistlicher Musik auch freie Bläserstücke von Bach bis hin zu zeitgenössischen Komponisten. In der Corona-Zeit setzt Ursula-Maria Busch mit dem Posaunenchor Ledde besondere, kreative Impulse. Am Beispiel der Probenarbeit mit den Ledder Bläsern macht sie im Interview deutlich, wie grundlegend die Gesundheits- und Hygieneregeln in der Coronazeit die Posaunenchöre beeinflussen. Das Gespräch führte Christine Fernkorn .

 

Wie gewährleisten Sie die Probenarbeit in der Coronaphase?

Ursula-Maria Busch: Im Frühjahr konnten wir leider aufgrund der Kontaktbeschränkungen gar nicht proben. Nach den Sommerferien haben wir mit reduzierter Gruppenstärke mit den Proben begonnen. Doch wir mussten neue Ziele und Aufgaben suchen, da wir im November und Dezember coronabedingt keine Gottesdienste gestalten konnten/können. Wir proben „hybrid“. Auf digitalem Weg haben wir Wochenlieder eingespielt, um sie auf der Homepage der Kirchengemeinde Tecklenburg zu veröffentlichen. Einige Lieder sind neu und unbekannt. Diese neuen Noten haben die Bläserinnen und Bläser sehr angesprochen. Ich habe im Frühjahr sehr viel Zeit damit verbracht, mir grundlegende, einfachste Techniken, die dazu notwendig sind, anzueignen.

Wie funktioniert so eine Probe in der Praxis?

Busch: Der andere Teil der Proben verläuft fast analog. Jeden Donnerstag verschicke ich an die Mitglieder des Posaunenchores eine E-Mail. Darin stehen die Stücke, die wir längerfristig proben würden, um einen Weihnachtsgottesdienst vorzubereiten. Dazu kommen eine Aufnahme des Wochenliedes und eventuell Hinweise zu neuen Noten. Für das letzte Wochenlied in der ersten Novemberwoche habe ich alle vier Stimmen einzeln eingespielt und zusammengefügt. Jeder Beteiligte konnte so seine Stimme hören und üben. Die Bläserinnen und Bläser bekamen von mir die mp3-Datei mit der Aufnahme aller vier Stimmen, konnten die Stimmen jedoch auch einzeln abhören. Per Knopf im Ohr haben sie dann ihre Stimme mit dem Handy aufgenommen und mir zugeschickt. Die Bläser können mir auch Whats-App-Videos und Sprachnachrichten schicken. Ich konvertiere die Dateien, lege die Stimmen übereinander und stimme sie ab.

Und wie machen Sie das mit den Videos?

Busch: Um ein Video zusammenzustellen, verwende ich Fotos der Kirche, der Bläser oder andere Impressionen. Diese Videos werden auf der Homepage der Kirchengemeinde Tecklenburg hochgeladen. Das Lied „Lasst uns den Weg der Gerechtigkeit gehen“ hat besonders viele Klicks bekommen. An der Aufnahme von „Dass aus Fremden Freunde werden“ haben auch Bläser aus Namibia mitgewirkt. 2019 hat das Blechbläserensemble eine Partnerschaftsreise nach Otjiwarongo unternommen und dort mit den Bläsern zusammengespielt. Einige Mitglieder aus dem Posaunenchor Ledde gehören auch dem Ensemble an. Diesem Lied habe ich Bilder von der Namibia-Reise unterlegt. Zurzeit biete ich außerdem Einzelunterricht im Bläserchor an. Das hat richtig gute Resonanz gefunden.

Wie kommen die Bläserinnen und Bläser mit der besonderen Corona-Situation zurecht?

Busch: Bläser sind in der Gemeinschaft viel stärker, als wenn sie alleine spielen. Das ist vergleichbar mit dem Sport: Wenn ein Fußballer vier Wochen nicht gespielt hat, ist es schwierig für ihn, wieder Motivation zu bekommen. Ich mache mir Gedanken darüber, was wir proben würden, wenn wir uns treffen könnten. Ein Schwerpunkt meiner Überlegungen ist immer, die Gemeinschaft zu erhalten. Die richtige Balance zu finden ist schwierig, alle mitzunehmen, ist eine Herausforderung.

Welche Konzerte und musikalischen Auftritte planen Sie im Dezember und Januar?

Busch: Da wir im November nicht proben konnten, planen wir einen musikalischen Online-Adventskalender. Ich werde 24 Beiträge sammeln, zum Beispiel Lesungen und Stücke des Ledder Posaunenchors oder Geschichten über die Ledder Kirche. Die Jungbläser spielen ein Stück ein. Eventuell entsteht die Aufnahme auch „hybrid“. Ulrich Vahrenholt, Organist in der Kirchengemeinde Tecklenburg, spielt für den Adventskalender drei Choräle und singt dazu. Am 12. Dezember, dem Samstag vor dem dritten Advent, haben wir ein Offenes Singen von Adventsliedern hinter der Ledder Kirche geplant, ob es stattfindet, entscheidet sich Anfang Dezember. Mit dem Posaunenchor Ledde werden wir am Heiligabend um 15 Uhr auf der Freilichtbühne Tecklenburg Weihnachtschoräle spielen. Mein Wunsch ist es, dass wir alle zusammen auftreten können. Auch beim Stationengang in Ledde am 24. Dezember werden wir beteiligt sein. Im nächsten Jahr planen wir die Teilnahme am Westfälischen Orgeltag zusammen mit Kirchenmusikdirektor Christian Schauerte aus Ibbenbüren. In welcher Form dies stattfindet, ist noch offen.

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