Trauer um Wilhelmine Fortmeyer
Stets dem alten Brauchtum verbunden

Tecklenburg-Leeden -

Der Heimatverein trauert um sein Gründungsmitglied Wilhelmine Fortmeyer. Die Brauchtumspflege hatte ihr stets am herzen gelegen.

Dienstag, 05.01.2021, 19:41 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 19:50 Uhr
Wilhelmine Fortmeyer ist verstorben.
Wilhelmine Fortmeyer ist verstorben. Foto: Heimatverein

Wilhelmine Fortmeyer (geborene Bischoff), die älteste Bürgerin Leedens und letztes noch lebendes Gründungsmitglied des Heimatvereins Leeden, ist kurz vor Vollendung ihres 100. Lebensjahres verstorben.

In ihrer Jugend vor dem Zweiten Weltkrieg , während des Krieges und auch danach verbrachte sie viel Zeit am Webstuhl mit der Herstellung von Leinen, heißt es in einer Erinnerung des Heimatvereins Leeden. Gegen Ende ihrer Schulzeit wurde sie für Kurse zur Weiterbildung in der Weberei vom Unterricht freigestellt. Neben der kleinen Landwirtschaft war die Leinenherstellung eine wichtige Einnahmequelle der Familie Bischoff.

Als 1949 der Heimatverein gegründet wurde, war Wilhelmine Fortmeyer gleich dabei und begeisterte Leedener Jugendliche für den Volkstanz. In den Vorbereitungen zur 900-Jahr-Feier Leedens brachte sie ihre Begeisterung für die Erhaltung des Brauchtums mit ein. In der damaligen Volksschule wurde eine Ausstellung zum Leben und Arbeiten auf dem Bauernhof gestaltet. Während dieser Veranstaltung machte Wilhelmine Fortmeyer Vorführungen am Webstuhl. Einen Großteil der Stoffe ihrer Garderobe hat sie selbst gewebt, auch für ihr Brautkleid.

Als Ausbilderin für landwirtschaftliche Hauswirtschaft hat sie ihre naturverbundene Lebensweise und ihr Anliegen für nachhaltiges Wirtschaften an ihre Lehrlinge weitergegeben.

Als 1979 die Spinn- und Webgemeinschaft gegründet wurde, zog Wilhelmine Fortmeyer mit ihrem Webstuhl in die heutige Webstube ein. Da sie sich gut mit der Weberei auskannte, war ihr Rat bei allen gefragt. Besonders bei denen, die einen alten Webstuhl wieder in Gang bringen wollten. Es gibt in der näheren Umgebung wohl kaum einen alten Webstuhl, bei dem Wilhelmine Fortmeyer nicht die Kette aufgezogen hat. Diese Kontakte nutzte sie aus, um mit der Spinngruppe Treffen bei anderen Spinngruppen, Vereinen oder Handwerkermärkten zu organisieren. Bei allen Vorführungen war sie immer gerne bereit, ihr Wissen und Können weiterzugeben.

Ein weiteres Anliegen war ihr der Erhalt der plattdeutschen Sprache. Mit Dr. Wilhelm Schilling, Friedrich Hasenpatt und Heinrich Früchte wurden Plattdeutschkurse an der Grundschule durchgeführt.

Zu den Spinnnachmittagen in der Spinnstube brachte sie oft ihre Mundharmonika mit, um mit den Frauen Volkslieder zu singen. Manchmal demonstrierte sie dann auch, wie sie sich mit dem Tanzen mit der Tür fit hielt.

Ihr Webstuhl und textile Ausstellungsstücke im Stiftshaus werden immer an die Mitbegründerin der Brauchtumsgruppe im Heimatverein erinnern.

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