Langwieriger Prozess wegen Körperverletzung beendet
Mitbewohner mit einem Stuhl angegriffen

Tecklenburg -

Zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung und zur Ableistung von 100 Sozialstunden hat das Amtsgericht Tecklenburg einen 23-Jährigen verurteilt.

Montag, 01.02.2021, 19:00 Uhr
Das Gericht verurteilte den 23-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe.
Das Gericht verurteilte den 23-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe. Foto: dpa

Bei der zweiten Verhandlung musste der damals nicht erschienene Angeklagte noch von der Polizei vorgeführt werden. Diesmal war der junge Mann aus Guinea freiwillig erschienen und auch der Geschädigte sowie Dolmetscher für Französisch und Arabisch waren am Freitag im Amtsgericht Tecklenburg.

Die Staatsanwaltschaft warf dem 23-jährigen Asylbewerber vor, im Juni 2020 einen anderen Mann im Wohnheim in Tecklenburg mit einem Stuhl geschlagen und verletzt zu haben. Dabeihabe er gerufen: „I will kill you.“ Beides bestritt der Angeklagte, der bei seiner Aussage die Hilfe eines Dolmetschers in Anspruch nehmen musste. Er führte aus, dass es immer wieder zu Spannungen mit anderen Bewohnern gekommen sei. Er habe sich davon fernhalten wollen und lediglich versucht, sich mit dem Stuhl zu verteidigen: „Ich habe nicht geschlagen, nur gedroht.“

Bei der Prozessansetzung Anfang Dezember 2020 hatte man vergessen, die Dolmetscherin für den nur arabisch sprechenden Zeugen zu bestellen. Diesmal konnten seine Aussagen vom Gericht verwertet werden. Sie unterschieden sich deutlich von den Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten.

So schilderte der Zeuge den 23-Jährigen als Unruhestifter, der mit jedem in der Unterkunft Streit suchte: „Der hat mit allen Probleme.“ Er habe den Gemeinschaftsraum betreten, weil das der einzige Ort in der Unterkunft sei, wo das Internet funktioniere. Er habe mit seinen Eltern in der Heimat telefonieren wollen und könne sich nicht erklären, warum der Angeklagte ihn unvermittelt und grundlos mit einem Stuhl angegriffen habe, erklärte der Zeuge. Er konnte seine Verletzungen durch Fotos und einen medizinischen Bericht des Krankenhauses belegen.

Verletzungen durch Fotos belegt

Ein weiterer geladener Tatzeuge konnte vom Gericht nicht vernommen werden, da er inzwischen abgeschoben worden ist. Damit durfte das Gericht auch seine Aussagen, die er gegenüber der Polizei gemacht hatte, im Gerichtssaal nicht verlesen und verwerten. So konnte der Tatvorwurf der Bedrohung mit einem Verbrechen („I will kill you“) nicht bewiesen werden. Letztendlich verurteilte das Gericht den Mann aus Guinea zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung und der Ableistung von 100 Sozialstunden.

In seiner Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende Richter, dass das Gericht die Aussagen des Zeugen als glaubwürdig erachte. Deshalb sei der Angeklagte mit einer Freiheitsstrafe zu verurteilen. Durch die Verwendung eines Werkzeugs (Stuhl) sei der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung erfüllt. Auswirkung auf die Höhe des Strafmaßes hätten auch die vielen Vorstrafen des Angeklagten gehabt – sieben allein in den vergangenen eineinhalb Jahren. „Und weitere sind ja noch anhängig“, so der Richter.

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