Integrationsarbeit im Lockdown
„Es hapert auf allen Ebenen“

Tecklenburg -

Abstand halten, Maske tragen, Kontakte meiden – seit Monaten sind diese Maßnahmen die Rezeptur für sinkende Infektionszahlen. Was niemandem Spaß macht und das Thema der Vereinsamung stärker in den Vordergrund stellt, ist aktuell in der Integration von Zugewanderten und Geflüchteten zu einem großen Problem geworden. Sowohl auf Ebene der Hauptberuflichen, wie auch der Ehrenamtlichen.

Sonntag, 14.02.2021, 16:28 Uhr aktualisiert: 15.02.2021, 16:14 Uhr
Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten: (von links) Amera Alhussain und Idris Hasan sowie deren Kinder Massuod, Sheraz und Bayman sind Rita Brinkmann (2. von rechts) ans Herz gewachsen.
Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten: (von links) Amera Alhussain und Idris Hasan sowie deren Kinder Massuod, Sheraz und Bayman sind Rita Brinkmann (2. von rechts) ans Herz gewachsen. Foto: Luca Pals

„Integration“, sagt Rita Brinkmann , Integrationsbeauftragte der Stadt, „hapert aktuell auf allen Ebenen.“ Dazu kommt noch, dass in den kommenden Wochen die Stadt Tecklenburg 25 Neuzuweisungen bekommt, wie Brinkmanns Kollege Eugen Chrost im Gespräch mit unserer Zeitung erzählte.

Diese haben laut Brinkmann „alle einen anerkannten Status“ und damit ein Recht auf Arbeit, Wohnen und Sprache. Aber genau dort liegen aktuell die Probleme. Zwar würden die 25 Menschen alle in städtischen Wohnungen untergebracht werden können, aber: „Danach sind wir voll. Wir brauchen dringend Wohnungen“, appelliert Brinkmann. Geflüchtete zu viert oder sechst in einer kleinen Wohnung unterbringen – das sei im Sinne der Integration kon-traproduktiv: „Wir wollen nicht wieder die gleiche Situation wie 2015“, macht Brinkmann deutlich. Chrost sagt: „Dahingehend hilft Corona: Wir können so viele Menschen jetzt auch aus Hygienegründen gar nicht mehr auf so engen Raum unterbringen.“

Nächster Punkt: die Sprache. Wegen Corona fallen die Sprachkurse, die zumeist von der VHS angeboten wurden, aktuell aus. Brinkmann: „Die Deutsch-Kurse stocken. Und das ist natürlich ein großes Problem.“ Mehr als 20 Ehrenamtliche in Tecklenburg und Brochterbeck betreuen Familien und Einzelpersonen – aktuell oft nur in dringenden Fällen oder am Telefon. Auf Video-Konferenzen sei das Team nicht umgestiegen. Chrost: „Das macht auch keinen Sinn. Mit vielen, die noch nicht so gut Deutsch können, verständigen wir uns ergänzend über Mimik und Gestik durch das Gesamtbild – das geht bei solchen Treffs natürlich nicht.“

Letzter Punkt: die Arbeit. Brinkmann habe „sehr oft“ Hilfsbedürftige im Büro stehen: „Viele sind in Berufen und auf Positionen, die in der aktuellen Phase als erstes gekündigt werden, und stehen dann ohne Job da.“ Dann sei es natürlich sehr schwierig, neue Arbeit zu finden. Gerade auch deswegen, weil viele – vor Corona – in der Gastronomie tätig waren. Brinkmann: „Das fällt natürlich alles gerade weg.“

Sie spricht aber noch ein anderes großes Problem an: „Die Kinder haben Schwierigkeiten in der Schule, wenn sie nicht immer die Notbetreuung wahrnehmen können. Viele kommen aus dem eigenen Haushalt heraus auch nicht mit dem Computer klar und können dem Online-Unterricht nicht folgen. Da wäre viel Hilfe nötig.“

Eugen Chrost spricht aber auch einen anderen Punkt an, der vielen aktuell helfen würde: „Alle, um die wir uns kümmern, haben mittlerweile ein gutes Umfeld, sind auch über die sozialen Medien gut miteinander vernetzt und helfen sich sehr gut gegenseitig.“ Er ergänzt: „Im Vernetzen sind sie meist besser als wir Deutschen.“

Für Chrost und Brinkmann würde – auch durch die beschwerlichen Möglichkeiten der Ehrenamtlichen – viel Zusatzarbeit auf dem Schreibtisch landen: „Die Hilfe bei Formularen und die alltäglichen Herausforderungen bleiben ja bestehen. Behördengänge sind nur schwer möglich – all das macht es aktuell nicht leichter“, schildert Chrost.

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