Bereits 1988 gab es einen Maßnahmenkatalog für die Altstadt
Sanieren und begrünen

Tecklenburg -

Ob Howesträßchen oder Brochterbecker Straße – bei de waren bereits vor Jahrzehnten Thema, als es um die Sanierung der Innenstadt ging. Eine Zeitreise in das Jahr 1988.

Sonntag, 28.02.2021, 17:25 Uhr aktualisiert: 28.02.2021, 17:30 Uhr
Die großen Asphaltflächen an der Grundschule
Die großen Asphaltflächen an der Grundschule Foto: Ruth Jacobus

Den Stadtkern zu sanieren und aufzuhübschen, das ist in Tecklenburg nicht erst ein Thema, seit das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek) verabschiedet worden ist – sondern eigentlich schon sehr lange. Das zeigt ein Blick in alte Ausgaben dieser Zeitung. Eine kurze Zeitreise in Jahr 1988. Damals wurde der Tecklenburger Architekt Jürgen Bardelmeier mit der Planung von Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung der städtebaulichen Substanz beauftragt.

Grundlage war ein vorbereitendes Gutachten eines Kölner Stadtplanungsbüros, das den groben Rahmen absteckt. Den Großteil der Finanzierung zur Stadterneuerung trug das Land Nordrhein-Westfalen, deshalb waren der Stadtkernsanierung gewisse Grenzen gesetzt.

Wie diese Zeitung berichtete, stellte Architekt Bardelmeier ein ganzes Bündel von Maßnahmen vor, um die historische Altstadt Tecklenburgs weiter zu sanieren und zu begrünen. „Ein Teil des Maßnahmenkatalogs ist die Verbesserung des Wohnumfeldes, vor allem auch durch weitgehende Verkehrsberuhigung. Im Bereich der Jahnstraße/Howesträßchen soll, angelehnt an die historische Bedeutung, die Teerdecke durch Pflanzen ersetzt werden“, war damals zu lesen.

„Der Straßenzug Jahnstraße/Howesträßchen stellt einen Teil der ursprünglichen Landstraße Richtung Osnabrück dar, früher bekannt als der Eselspatt von Münster nach Osnabrück. Alle übrigen auf Tecklenburg zuführenden Straßen wurden längst dem modernen Verkehr angepasst, nur dieser schmale Straßenzug erinnert noch an die alte Zeit und stimmt den ortsfremden Besucher auf den historischen Stadtkern ein.“

Als „Kleinod“ bezeichnete der Architekt die Mauern längst des Howe

Mauern als Kleinod

sträßchens. Sie bilden Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. Betonierte Mauerabschnitte müssten darum mit Mauerwerk verblendet werden, so der Architekt. Außerdem bilden die Mauervegetationen den Austausch von Tier- und Pflanzenarten.

Vorgesehene Maßnahmen in diesem Bereich: durchgehende Heckenbepflanzungen, früher säume eine Hainbuchenhecke des Howesträßchen, Pflasterung mit Natursteinpflaster, um Boden zu entsiegeln und damit für viele Tiere siedlungsfähig zu machen, Beseitigung der großen Asphaltflächen an der Grundschule und am Rathausplatz und möglichst zahlreiche Fassadenbegrünungen, die einerseits modernere Gebäude optisch eingliedern und andererseits durch Staubabsorbierung und Verdunstung das Stadtklima verbessern würden.“

Weitere geplante Maßnahmen damals: „Im Bereich der Brunnengasse/Ecke Brochterbecker Straße sollen die Mauern ebenfalls vom Putz befreit und mit besiedlungsfähigem Mörtel versehen werden. Auch hier könnte Natursteinpflaster zur Entsiegelung des Bodens beitragen. Eine Änderung der Verkehrsführung scheint hier erforderlich: Da die Brochterbecker Straße fast nur von Anliegern genutzt wird, bräuchten Brauerstraße und Brunnengasse nur noch von oben nach unten befahrbar sein, so Bardelmeier. Dadurch würde sich auch der Winterdienst reduzieren.

Die Anfahrt zum Kirchenparkplatz könnte über die Brochterbecker Straße erfolgen, die Abfahrt über Brauerstraße und Brunnengasse.

Ein weiteres Ziel ist die Umgestaltung des ökologisch uninteressanten Grundstückes der katholischen Kirche, einheimische Hölzer sollen hier wieder Einzug halten.

Fassadenbegrünung

Im Bereich der Landrat-Schulz-Straße und des vorderen Bereiches der Pagenstraße soll durch Fassadenbegrünung, Baumpflanzungen und Natursteinpflasterungen der ursprüngliche Charakter einer Landstraßenallee wiederhergestellt werden. Im Zusammenhang mit der Stadtbegrünung verwies Jürgen Bardelmeier auf die große Bedeutung von Straßenbäumen. Durch wachsenden Verkehr, Umweltbelastung und Versiegelung sind sie häufig in ihrer Existenz bedroht. Gerade in Tecklenburg waren sie, wie der Architekt anhand alter Fotografien zeigen konnte, häufig anzutreffen. Ziel müsse es hier sein, so Bardelmeier, Neuanpflanzungen vorzunehmen. Typisch für Tecklenburg sei die Linde. Immerhin 200 Kilogramm Sauerstoff spendet ein ausgewachsener Baum pro Jahr, der Jahresbedarf von zehn Menschen.

Im Bereich von Brauerstraße/Ibbenbürener Straße sind die dortigen Grünanlagen zu ändern. Cotoneaster, Berberitzen, japanische Kirsche und Feuerdorn, allesamt exotische Gewächse, prägen die Anlagen. Hier wären einheimische Pflanzen anzusiedeln. Schließlich, führte Bardelmeier aus, sei noch der Waldsaum an den Hängen des Hornwerks zur Kaschierung der dort neu entstandenen Häuser zu schließen. Der Burgberg mit der Burgruine müsse seine beeindruckende Fernwirkung behalten. Im Fernblick, etwa von der Autobahn, über die potenziellen Besucher Tecklenburgs anreisen, dürften nicht einige Einfamilienhäuser des Herrengartens die Silhouette bestimmen“, heißt es abschließend.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7842371?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F187%2F
Nachrichten-Ticker