Klaus-Martin Lausberg wird 90
Wissbegierig ist er bis heute

Tecklenburg -

Die Naturwissenschaften interessieren ihn sehr, auch die Politik weckt immer wieder sein Interesse: Klaus-Martin Lausberg sagt selbst, er sei neugierig. Heute wird er 90 Jahre alt.

Dienstag, 02.03.2021, 00:48 Uhr
Klaus-Martin Lausberg hat seine „Erinnerungen an ein erfülltes Leben“ festgehalten. Und er hat wahrlich viel zu erzählen.
Klaus-Martin Lausberg hat seine „Erinnerungen an ein erfülltes Leben“ festgehalten. Und er hat wahrlich viel zu erzählen. Foto: Ruth Jacobus

Mitglied des Stadtrates, Bürgermeister, Vorsitzender der Kreis-Senioren-Union, Presbyter, Mitglied der Kreissynode und des Theologischen Ausschusses, Mitbegründer der Volkshochschule Lengerich, Mitorganisator der Tecklenburger Gespräche, gern gesehener Referent über naturwissenschaftliche und theologische Themen. Die Liste der Dinge, für die sich Klaus-Martin Lausberg ehrenamtlich und immer mit Freude eingesetzt hat, ist lang. Heute wird er 90 Jahre alt, blickt auf ein erfülltes Lebens zurück und in die Zukunft. „Ich bin immer noch neugierig“, sagt er schmunzelnd. Neugierig worauf? Auf die Wissenschaft, denn die fasziniert ihn nach wie vor mit ihren stets neuen Erkenntnissen.

Klaus-Martin Lausberg stammt gebürtig aus dem sauerländischen Halver. Nach dem Abitur hat er in Köln Biologie und Chemie studiert und wollte eigentlich Chemiker werden. Doch es kam anders. Nach einem Praktikum an einer Schule stand für ihn das Berufsziel fest. Er wurde Pädagoge. „Ich bin bis zum letzten Tag begeisterter Lehrer gewesen“, versichert er. „Ich hatte meine Berufung gefunden.“ Nach dem Staatsexamen (1958) wurde Klaus-Martin Lausberg Referendar in Hagen, ging danach als Studienassessor nach Bochum-Gerthe. 1962 lernte er seine Frau Gisela kennen, ein Jahr später wurde geheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Ulrike, Uta und Martin. 49 Jahre waren Gisela und Klaus-Martin Lausberg verheiratet. Sie ist 2012 nach langer Krankheit verstorben. Sie war stets eine aktive Frau, liebte die Kirchenmusik, das Fotografieren und die Bücher, hat unter anderem die Stadtbücherei ehrenamtlich geleitet.

1969 ist die Familie nach Tecklenburg gezogen. Klaus-Martin Lausberg, inzwischen Oberstudienrat, trat eine Stelle am Lengericher Gymnasium an. 1970 wurde er Studiendirektor. 1993 folgte die Pensionierung.

Die Schule hat sich gewandelt im Lauf der Zeit. So hat Lausberg die Einführung der reformierten Oberstufe aktiv mit begleitet und sich stets fortgebildet – was beim steten Fortschritt der Wissenschaft vonnöten war. Mit seinem Wissen von der Uni hätte er keinen Leistungskurs Chemie geben können, stellt er fest. Also hat er im Urlaub auf Juist im Strandkorb gesessen und Fachliteratur gelesen, erinnert er sich. Dass das Lengericher Hannah-Arendt-Gymnasium und das Tecklenburger Graf-Adolf-Gymnasium – auch heute noch – eng zusammenarbeiten, war mit ein Verdienst von Lausberg.

Über die Naturwissenschaften ist er auch zur Kirche gekommen. „Ich habe damals Philosophie studieren müssen, das gehörte dazu und war auch notwendig“, erzählt er. Denn sonst lerne man nicht, über das eigene Fach nachzudenken. So manches werde über die Philosophie relativiert. Durch einen Freund sei er außerdem zur Astronomie gekommen und durch das Buch „Am Anfang war der Wasserstoff“ habe er über die Anfänge allen Lebens nachgedacht und Fragen, die nicht wissenschaftlich zu klären seien. „Es mag eine Notlösung sein, Gott da anzusetzen für die letzte Frage, aber es ist eine Lösung“, sagt er – ganz der Philosoph. „Das Leben besteht aus Rätseln.“

Besonders durch meine Besuche als Bürgermeister in vielen Haushalten habe ich die Breite der Gesellschaft kennengelernt.

Klaus-Martin Lausberg

Und wie kam er in die Politik? Auslöser waren lokale Probleme. Der Tecklenburger wollte sich engagieren – und da kam für ihn nur die CDU in Frage. Er habe nie für ideologische Vorbilder gebrannt. Alles, was mit „ismus“ ende, sei nicht in seinem Sinn – sei es Nationalsozialismus oder Kommunismus. 1971 wurde Lausberg Parteimitglied und bereits ein halbes Jahr später Ortsvorsitzender. 1975 gewann er seinen Wahlkreis und zog in den Stadtrat ein und blieb die nächsten 29 Jahre im Kommunalparlament. 1984 wurde er ehrenamtlicher Bürgermeister. 1994 erhielt Lausberg das Bundesverdienstkreuz. Nach der Änderung der Gemeindeverfassung (Einführung des hauptamtlichen Bürgermeisters) wurde Lausberg Stellvertreter (bis 2004). 2001 wurde er zudem Kreisvorsitzender der CDU-Senioren-Union.

Was ist ihm aus der politischen Zeit positiv im Gedächtnis geblieben? Da ist zunächst die Bushaltestation am Gymnasium, um die es jahrelange Diskussionen gegeben hat und wo sich Lausberg („Es ging um die Sicherheit der Kinder.“) durchsetzen konnte. Auch die Übernahme des Kreisheimathauses (das heutige Kulturhaus) war für ihn bedeutsam und richtig.

Die Politik, sie hat ihm immer Spaß gemacht und ihn bereichert. Besonders durch seine Besuche als Bürgermeister in vielen Haushalten habe er „die Breite der Gesellschaft“ kennengelernt.

Die Politik, sie interessiert den 90-Jährigen immer noch, genauso wie die Naturwissenschaften. Er liest viel – und arbeitet in seinem Gemüsegarten. Deshalb werden ihm die Kinder und Enkelkinder heute auch seinen Geburtstagswunsch erfüllen – und im Garten helfen.

An seinem Ehrentag wird die Schar der Gratulanten, die ihm die Hand reichen wollen, coronabedingt klein sein und sich auf die Familie beschränken. Doch sicherlich werden sich viele Gratulanten telefonisch melden – und ihn von der Gartenarbeit abhalten. Aber die erledigt heute ja sowieso der Nachwuchs...

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