Rastplatznamen auf der Spur
Pausieren an der „Dickenwalze“

Tecklenburger Land -

Die Namen von Rastplätzen entlang der Autobahn entspringen nicht der Fantasie, sondern einem festen Regelwerk.

Donnerstag, 25.03.2021, 22:10 Uhr
Die Rastplätze und ihre Namen: Sie folgen einem klaren Regelwerk, das landschaftsbezogene Bezeichnungen vorsieht.
Die Rastplätze und ihre Namen: Sie folgen einem klaren Regelwerk, das landschaftsbezogene Bezeichnungen vorsieht. Foto: Autobahn GmbH

Hoch im Norden der Autobahn-Niederlassung Westfalen lädt „Olle Rheen“ an der A31 zu einem Päuschen ein. Gut 250 Kilometer weiter südlich ist der Parkplatz „Pfaffenpfad“ an der A45 die letzte Rastmöglichkeit im Netz der Autobahn Westfalen. Dazwischen liegen jede Menge Moore und Heiden, an denen man rasten kann. Aber auch so merkwürdig klingende Plätze wie „Flöz Mausegatt“, „Dickenwalze“, „Pennacker“ oder „Letzter Heller“.

Was bunt und fantasievoll klingt, folgt einem klaren Regelwerk: den Empfehlungen für Rastanlagen an Straßen“ (ERS). Dieses „technische Regelwerk“ wird herausgegeben von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), die sich als gemeinnütziger Verein die Regelwerke für das gesamte Straßen- und Verkehrswesen in Deutschland erstellt. Dabei geht es zum Beispiel um Kurvenradien, Beton- und Asphaltqualitäten und eben auch um Bau, Ausstattung und Bezeichnung von Rastanlagen und Parkplätzen, heißt es in einem Bericht der Autobahn GmbH.

Nach der Region benannt

Das Regelwerk sieht für bewirtschaftete Rastanlagen „landschaftsbezogene Namen“ vor. Da trinkt man seinen Kaffee dann im „Lipperland“ an der A2 bei Bad Salzuflen oder an der A1 im „Tecklenburger Land“. „Große Anlagen werden in der Regel nach der Region benannt, in der sie liegen“, erklärt Jörg Nippert, bei der Autobahn Westfalen unter anderem für das Thema Park- und Rastanlagen zuständig. Für die einfachen Parkplätze und so genannte PWC-Anlagen, an denen die Verkehrsteilnehmer eine öffentliche Toilette nutzen können, schauen sich die Namensgeber die unmittelbare Umgebung an. Und stoßen dabei oft auf historische Flurnamen, die für den vorbeifahrenden Reisenden bizarr anmuten, die in der Region aber durchaus Sinn machen. Wie der „Flöz Mausegatt“, der vis-à-vis dem Parkplatz „Johannes Erbstollen“ an der A45 liegt und zwischen dem Autobahndreieck Dortmund/Witten und der Anschlussstelle Dortmund-Süd einen eindeutigen Hinweis auf die Bergbau-Tradition der Ruhrregion gibt.

Ortsbeziehung

Bei den vielen Heiden und Mooren lässt sich die Ortsbeziehung ähnlich leicht nachvollziehen wie bei den „Bakumer Wiesen“ (A1 bei Vechta), dem Parkplatz „Mühlenbach“ (A1 bei Ladbergen) oder der Anlage „Sengenberg“ an der A46 zwischen Bestwig und Olsberg. Etwas mehr Heimatkunde muss betreiben, wer den Parkplatznamen „Kleine Herrenthey“ (A2 bei Dortmund) entschlüsseln will. Zwei Höfe in der Nähe trugen diesen Namen, verrät Jörg Nipperts Kollegin Susanne Obertrifter. Der wiederum solle auf die altniederdeutsche Grundform Her-ithi beziehungsweise Har-ithi zurück gehen. „Her“ oder „Har“ steht dabei für „steinige Anhöhe“. „Ithi“ wiederum steht hochdeutsch für „-keit“ oder „-heit“ und ist als Endung bei zahlreichen Ortsnamen zu finden.

Nicht immer greifen die Namensgeber auf regionale Gegebenheiten wir Berge, Flüsse oder Landschaften zurück, in manchen Fällen steckt auch eine Geschichte hinter dem Namen eines Parkplatzes. In der Nähe des Kreuzes Wünnenberg-Haaren finden Verkehrsteilnehmer an einem Ort namens „Letzter Heller“ Ruhe und Erholung. Ein Gasthof in der Nähe stand hier Pate, in dem die mittelalterlichen Reisenden, die in Paderborn ihre Einkäufe erledigt hatten, ihren „letzten Heller“ ausgaben. Und „Olle Rheen“? Dieser Name entstammt dem Rheder Heimatlied, das auf Platt die Liebe zum „alten Rhede“ beschreibt. Der „Pennacker“ dagegen hat weniger mit dem heute verbreiteten Wort „pennen“ für schlafen zu tun. Auch wenn es Autofahrern durchaus angeraten wird, ein Nickerchen auf dem Rastplatz einzulegen. Vielmehr finden sich in der Region um Iserlohn Familien mit dem Namen Penn. Da liegt der Acker dann nahe. Ähnlich ist die Herkunft der „Dickenwalze“ zu erklären. Walzwerke haben im Märkischen Sauerland vielen Familien Wohlstand gebracht. Eine davon war die Familie Dicke, an deren Walzwerk dieser Ortsname erinnert. Alle anderen Assoziationen seien damit verworfen.

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