Freilichtbühne: 1987 wird aufgrund niedriger Zuschauerzahlen über ein Dach diskutiert
Mieses Wetter, miese Geschäfte

Tecklenburg -

Die Pandemie trifft die Freilichtbühne Tecklenburg sehr hart. Nach 2020 wird auch diese Saison komplett gestrichen. Schwere Phasen sind für die Verantwortlichen indes nichts Neues. In den 1980er-Jahren beispielsweise sorgte das Wetter für teils sehr schlechte Zuschauerbilanzen – und befeuerte 1987 schließlich die Diskussion über den Bau eines Daches für die Besucher.

Sonntag, 28.03.2021, 16:26 Uhr aktualisiert: 29.03.2021, 11:18 Uhr
Ein Dach für die Freilichtbühne, das war 1987 ein großes Thema. Hintergrund der Diskussion waren leeren Zuschauerränge wegen schlechten Wetters.
Ein Dach für die Freilichtbühne, das war 1987 ein großes Thema. Hintergrund der Diskussion waren leeren Zuschauerränge wegen schlechten Wetters. Foto: Ruth Jacobus

Für die Freilichtspiele ist die Corona-Pandemie besonders bitter. Nach der Absage der Spielzeit 2020 ist den Verantwortlichen auch im laufenden Jahr keine andere Wahl geblieben: Die Spielzeit 2021 ist ebenfalls Geschichte, bevor sie begonnen hat. Mit ganz anderen — kleineren — Problemen hat sich die Freilichtbühne im Jahr 1987 herumschlagen müssen.

Die vorherigen Spielzeiten sind mehr oder weniger ins Wasser gefallen. Permanente Regenfälle haben die Besucherzahl nach unten gedrückt. Abhilfe muss her, aber was ist möglich? Mit dieser Frage beschäftigen sich Ende Mai Vertreter der Stadt, des Kreises und der Freilichtspiele. Ebenfalls eingeladen waren Vertreter zweier Firma, die Pläne für eine Überdachung der Bühne vorstellen. Es wird, so schreibt diese Zeitung damals, ein einseitiges Hearing mit „viel zu langen Monologen“, die am Ende Zeit für eine Diskussion kosten.

Die Ausgangslage ist hervorragend, weil folgende Rechnung aufgemacht wird: Für zwei Stunden hat die Stadt 2000 Einwohner mehr — entsprechend dem Platzangebot auf dem Burgberg. Bei einem optimalen Spielplan und ständig ausverkauftem Haus entspräche das rund 130 000 Besuchern. Doch die Theorie weicht dem (wolkengrauen) Alltag der vorherigen Saison. Gerade mal 31 000 Zuschauer sind es am Ende der Spielzeit mit dem traurigen Negativrekord, dass bei einer Aufführung des „Csardasfürstin“ mehr Personen auf der Bühne agieren als im Zuschauerraum sitzen.

Hinzu kommen die Berechnungen von Meteorologen. Die haben ausgerechnet, dass es an 200 Tagen im Jahr regnet — auch in Tecklenburg. Ohne Dach, diese Erkenntnis scheint sich durchzusetzen, wird es weiter mau aussehen bei den Besucherzahlen, wenn das Wetter bleibt, wie es ist. Und dabei gibt es diesen Wunsch nicht erst seit dem Sommer 1987.

Doch irgendwie läuft das Hearing aus dem Ruder, geht es zu sehr ins Detail einzelner Dachkonstruktionen. Unbeantwortet bleibt an diesem Abend die Frage, wie sich ein — wie auch immer konstruiertes Dach — sich mit der historischen Umgebung verträgt? Und was sagen die Denkmalschützer dazu?

Dafür scheint geklärt, was die „Regenhaube“ kosten würde: von rund eine Million D-Mark ist die Rede. Fundamente gehen extra. Und auch ein Favorit hat sich herausgeschält: Eine mittels Seilzug versenkbare Bedachung.

Im Oktober wird ein Modell präsentiert, als Basis dient ein Tennisplatz. Die Reaktionen sind durchweg positiv. Das „wandelbare Membrandach“ wird in 14 Metern Höhe über das Theater gezogen — Zuschauerbänke wie Bühne. Dafür sind jeweils fünf Stahlstützen vor und hinter dem Theater erforderlich. Und es schützt nicht nur vor Regen, sondern kann auch als Sonnenschutz verwendet werden. Zudem kalkuliert die Herstellerfirma mit einem Preis von rund 780 000 D-Mark.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Aktive, Mitglieder und Freunde der Freilichtspiele schier aus dem Häuschen sind. Und auch die Finanzierung scheint — auf den ersten Blick — kein unlösbares Problem zu sein. Mit Dach, so wird kalkuliert, kommen 25 Prozent mehr Besucher. Das macht Mehreinnahmen von etwa 130 000 bis 140 000 D-Mark pro Saison. Heißt im Umkehrschluss: In sechs Jahren könnte das Dach finanziert sein. Einziger Haken an diesem Oktoberabend: Es fehlt ein Bürge.

Der ist auch kurz vor Weihnachten noch nicht gefunden. Immerhin herrscht Klarheit darüber, dass weder vom Land noch vom Kreis Zuschüsse zu erwarten sind. Doch selbst die Hinweise auf andere Freilichtbühnen, bei denen nach Ausrüstung mit einem Dach die Besucherzahlen um 40 bis 50 Prozent gestiegen sind, haben bei der Suche nach einem privaten Bürgen bislang keinen Erfolg gebracht. Dabei haben die Freilichtspiele nachkalkuliert: 4000 bis 5000 Zuschauer mehr pro Saison, und in maximal sieben Jahren könnte das Dach bezahlt sein.

Dass die Pläne wieder in der Schublade verschwinden, ist an Weihnachten 1987 nicht zu befürchten. Zu nass war die zurückliegende Spielzeit.

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