Leitbild mit Langzeitwirkung entwickeln
Meilensteine der Entwicklung Tecklenburgs

Tecklenburg -

Ende des 19.Jahrhunderts keimte in Tecklenburg die „weiße Industrie“ auf: der Tourismus. Heute ist er ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Aktuell wird über die Zukunft der Tecklenburg Touristik nachgedacht.

Samstag, 24.04.2021, 12:08 Uhr aktualisiert: 24.04.2021, 12:10 Uhr
Das erste Tecklenburger Hotel „Burggraf“ (links) wirkte wie ein kleines Schloss. 1902 wurde es eröffnet und 1960 abgerissen
Das erste Tecklenburger Hotel „Burggraf“ (links) wirkte wie ein kleines Schloss. 1902 wurde es eröffnet und 1960 abgerissen Foto: Kiepker

Eine Neustrukturierung der Tecklenburg Touristik, gar deren Auflösung, Pläne innerhalb des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes – es ist im Tourismusbereich Einiges in Bewegung geraten. Grund genug für Wilhelm Kienemann , Vorsitzender der Verkehrs- und Wirtschaftsgemeinschaft (VWG), die Gesellschafter der Tecklenburg Touristik GmbH ist, einmal an die „Meilensteine in der Entwicklung Tecklenburgs“ zu erinnern mit einschneidenden Veränderungen und einen Bogen zu schlagen zur aktuellen Situation.

„Bereits Mitte des 14. Jahrhunderts erhielt Tecklenburg das Stadtrecht und in einer Gravenhorster Urkunde vom 28. November 1343 wird ein Marktrecht erwähnt. In dieser Zeit versuchten die Grafen auch den Anbau von Wein, der jedoch bald durch den Beginn einer „kleinen Eiszeit“ einen kräftigen Dämpfer bekam.

Den größten Aufschwung brachte die Leinenherstellung (Tecklenburger Löwendlinnen) und der Handel damit im nordwestlichen Europa durch die Tüödden. Mit der Einrichtung einer Leinen-Prüfstelle, der Legge im Torhaus am Markt um 1670 durch Graf Mauritz gab es nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges wieder einen Aufschwung für die gesamte Region. Der alte Ortskern mit Markt, Im Sack (Krummacher Straße) und Im Grund wurde zu klein, die „Neustadt“ zwischen Brochterbecker und Ibbenbürener Straße entstand. Dort siedelten sich überwiegend Handwerker an, die mit der Versorgung der Burg- und Stadtbewohner ein gutes Auskommen fanden.

Verkauf der Grafschaft

Durch den Verkauf der Grafschaft Anfang des 18. Jahrhunderts an Preußen verarmten die verbliebenen Bewohner durch den Wegfall der gräflichen Hofhaltung. Als Leinenherstellung und -handel mit dem Auftreten der Baumwolle in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bedeutungslos wurden, stand es im Ort nicht zum Besten.

Mit dem Aufkeimen einer neuen „weißen Industrie“, dem Tourismus, Ende des 19. Jahrhunderts, ging es wieder aufwärts. Es folgten der Neubau des Amtsgerichts und des Landratsamtes, die Eröffnung der TWE-Bahnlinie sowie eine damit einhergehende Ausweitung der Hotelkapazitäten (unter anderem Neubau Burggraf). Eine Aufführung der Bürgerschützen des Stücks „Traum der Gräfin Thekla“ im Jahre 1911 in der Burgruine löste 1924 die Gründung der Heimatfestspiele Tecklenburg mit der Aufführung von „Wilhelm Tell“ aus. Daraus entwickelte sich im Lauf der Jahrzehnte das heute größte Musical Freilichttheater Deutschlands mit jährlich über 100 000 Besuchern.

Gründung des Verkehrsvereins

Im Jahr 1927 baute die LVA ein Sanatorium mit 60 Betten an der Bahnhofstraße (heute Klinik Tecklenburger Land im Besitz der Fuest Gruppe). Damit wurde Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts der Grundstein zur Entwicklung Tecklenburgs als Verwaltungs-, Tourismus-, Kultur- und Gesundheitsstandort (Schwefelbäder Bad Ledde um 1870 und Bad Holthausen 1905) gelegt. Nach der Gründung des Verkehrsvereins 1963 und der Zertifizierung zum Luftkurort im Jahr 1975 wurden das Haus des Gastes am Markt und der Kurpark eröffnet. Dort wurde mit der Einrichtung eines Kräutergartens sowie einer Wassertretstelle mit Armgussbecken die weitere Entwicklung angestoßen.

Im Mai 1988 erfolgte die Gründung des Kneipp-Vereins mit der Zielsetzung einer zweiten Zertifizierung als Kneipp-Kurort. 1999 wurde Tecklenburg zum einzigen Kurort im Münsterland. Damit verfügt die Stadt mit den Themenbereichen Natur, Kultur, Tourismus, Wellness und Gesundheit über Alleinstellungsmerkmale von überregionaler Bedeutung.

Eine Möglichkeit zur Ansiedlung von größeren Handwerks- und Industriebetrieben ist aus topographischer Sicht in der Bergstadt so gut wie unmöglich. Fußend auf dieser traditionell gewachsenen wirtschaftlichen Ausrichtung haben das von der Landes- und Bezirksregierung angestoßene Isek und das Burgbergkonzept eine konzentrierte Förderung des Zentralortes Tecklenburg im Fokus.

Konzept mit Langzeitwirkung

Aus Sicht der Betroffenen Bereiche Tourismus, Kultur, und Gesundheit müssen sich alle Entscheidungen zur Weiterentwicklung über ein Leitbild in ein Stadtmarketingkonzept mit Langzeitwirkung orientieren. Denn die von vielen Untersuchungen immer wieder herausgestellten Kaufkraftabflüsse des Ortes werden durch die Kaufkraftzuflüsse dieser genannten Bereiche weit mehr als ausgeglichen. Das sollte bei Abwägung aller geplanten Entscheidungen eine entsprechende Berücksichtigung finden“, heißt es abschließend im Bericht von Wilhelm Kienemann.

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