Westerkappeln
Positive Erfahrungen und viele Dankeschön

Dienstag, 05.02.2008, 23:02 Uhr

Westerkappeln . Die Richtung

stimmt für Vanessa Wiggers . Ein klares Berufsziel hat die 14-jährige Schülerin zwar noch nicht vor Augen. Aber so viel weiß sie schon: „Ich könnte nicht den ganzen Tag im Büro sitzen, ich brauche Bewegung.“ Fast zwei Wochen lang hat sie jetzt ausprobiert, wie es ist, wenn man Bewegung und Bewegungsförderung zum Beruf hat und Menschen wieder auf die Beine hilft.

In der Physiotherapie der Reha-Klinik Elisabeth-Hospital in Mettingen hat die junge Schülerin ein Praktikum gemacht und dabei schon manches „ Dankeschön “ von ihren Patienten geerntet. Nur leider sei die Ausbildung zur Physiotherapeutin lang und kostspielig, sagt Vanessa. „Deshalb muss man sich das alles genau überlegen.“

Die richtige Berufswahl will wohl bedacht sein. Und praktische Erfahrungen können dabei hilfreich sein. 42 Jungen und 35 Mädchen aus den 9. Klassen der Realschule Westerkappeln testen zurzeit zwei Wochen lang, was es heißt, berufstätig zu sein. „Für die meisten ist der erste Kontakt mit der Arbeitswelt eine ganz neue Erfahrung“, sagt Schulleiter Franz-Josef Schlie . Denn natürlich müssten sich die Praktikanten „den betrieblichen Gegebenheiten“ anpassen. Das heißt für viele Feierabend um sechs statt nach dem letzten Klingeln um eins nach Hause gehen. Vor allem soll das Praktikum den Schülern eine „grobe Orientierung für die spätere Berufswahl“ geben. Und die kann sich, wie Schlie weiß, für einige seiner Schützlinge noch um ein paar Jahre hinauszögern.

Klasse 10 als klassischer Einstieg in das Berufsleben – das war einmal. Der „Mittlere Bildungsabschluss“ (MBA), mit dem die Schüler heute die Realschule verlassen können, soll zwar eigentlich auf den Berufseintritt vorbereiten. Etwa 60 bis 70 Prozent der Realschüler besuchen laut Schlie nach ihrem Abschluss aber noch weiterführende Schulen. „Früher war das Verhältnis noch 50 : 50.“

Der Pädagoge ist jedoch sicher, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren wieder umkehren wird – spätestens dann, wenn die geburtenschwachen Jahrgänge an den Arbeitsmarkt drängen. Bereits jetzt sei nach vielen kritischen Jahren zudem wieder eine leichte Erholung auf dem Lehrstellenmarkt zu spüren: „Die Ausbildungsplatzangebote in größeren Häusern haben wieder etwas zugenommen“, sagt der Realschulrektor. Dennoch sei die Bereitschaft auszubilden in vielen Betrieben immer noch zu gering.

Mit Schlips und Kragen erkundet der 15-jährige Björn Daniel in diesen Tagen das Bankgewerbe. In der Volksbank Westerkappeln-Wersen durfte er in alle Abteilungen einmal hereinschnuppern. Das Anlagegeschäft und die Vermögensberatung haben es ihm dabei besonders angetan. Insgesamt verbucht der junge Schüler das Praktikum in der Bank als „positive Erfahrung“. Seine Berufswahl sei damit allerdings immer noch nicht abschließend entschieden.

„In einer Bank zu arbeiten, hat nichts mit Geld schaufeln zu tun“, sagt Vorstand Ulrich Kröner. Der Beruf Bankkaufmann sei vor einigen Jahren noch populärer gewesen: „Es ist nicht mehr der Traumjob wie früher.“ Damals hätten sich noch ungefähr 60 Schulabgänger auf eine Ausbildungsstelle beworben, mittlerweile seien es noch rund 20, sagt Kröner.

Der Realschulabschluss ist „Mindesteignungsvoraussetzung“, um als Auszubildender bei dem Geldinstitut landen zu können. „Wir bewerten es aber auch positiv, wenn dazu noch ein Abschluss von der Handelsschule kommt“, sagt Kröner.

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