Westerkappeln
„Lernhilfe für Amphibien“

Dienstag, 18.03.2008, 18:03 Uhr

Westerkappeln . Da staunt der Biologe und der gemeine Bürger wundert sich. Frösche sind offenbar doch gescheiter als Fachleute glauben. Könnte zumindest meinen, wer das Schreiben liest, das jetzt Rainer Seidl von der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL) vom Landesbetrieb Straßenbau NRW zum Thema Krötenzaun entlang der Osnabrücker Straße erhalten hat. Darin wird der Zaun als „ Lernhilfe für Amphibien “ bezeichnet.

Der Krötenzaun an der L 595 präsentiert sich dem Betrachter auch in diesem Frühjahr wieder in einem erbarmungswürdigen Zustand. Umso mehr wunderte sich Rainer Seidl über eine aktuelle Pressemitteilung des Landesbetriebes, in der auf die Gefährdung der Amphibien während ihrer Wanderung hingewiesen wird. Über die Arbeit des Landesbetriebes heißt es dort „... stationäre Krötenschutzzäune (werden) auf Dichtigkeit kontrolliert, temporäre Zäune aufgestellt.“

„Bedauerlicherweise funktioniert dies in Westerkappeln überhaupt nicht“, schrieb der Mettinger Naturschützer der Behörde. Die Krötenschutzzäune bestehen aus schwarzer Folie an Holzleisten. Diese Bauweise sei völlig ungeeignet. Jedes Jahr zu Zeiten der Amphibienwanderung liege der Zaun teilweise am Boden.

Dabei seien die Zäune angelegt worden, um die Kröten zu Tunneln zu leiten, die der Landesbetrieb vor Jahren für mehrere 100 000 Mark bauen ließ. Den Tieren soll so eine sichere Unterquerung der viel befahrenen Landstraße ermöglicht werden.

Der Zaun scheine mittlerweile keinen Zweck mehr zu erfüllen, reagierte ein Mitarbeiter des Landesbetriebes auf Seidls Anfrage. „Daher ist hier für uns kein Handlungsbedarf mehr zu erkennen.“ Der Zaun sei lediglich als „Lernhilfe“ aufgestellt worden. Solange es von Naturschützern für erforderlich gehalten worden sei, habe die Straßenmeisterei den Zaun unterhalten. Da es von den Naturschützern aber keine Rückmeldung mehr gegeben habe, werde der Zaun nun nicht mehr betreut.

Diese Argumentation kann Rainer Seidl gar nicht nachvollziehen. Mit Naturschützern könne ja wohl nur die ANTL gemeint sein. Und die habe in der Vergangenheit regelmäßig auf den desolaten Zustand des Krötenzauns hingewiesen.

Frösche, Kröten und Molche seien überdies nicht lernfähig, wie man beim Landesbetrieb offenbar glaube. Amphibien könnten ihr Wissen leider nicht an die Kaulquappen der nächsten Generation weitergeben. „Die hören nämlich gar nicht zu“, spottet das ANTL-Mitglied.

Stattdessen spürten die Tiere Wasser auf weite Entfernung und wanderten auf dem kürzesten Weg zu ihren Laichgewässern. „Und der geht eben gerade über die Fahrbahn und nicht durch den Tunnel“, betont Seidl.

Auch in diesem Jahr seien wieder zahlreiche Amphibien auf der Osnabrücker Straße überfahren worden. Dies habe ihm Wolfgang Kuhnt von der Naturschutzgruppe des Westerkappelner Heimatvereins berichtet.

Der Landesbetrieb spricht mittlerweile von einem Missverständnis. Selbstverständlich werde der Zaun repariert, versichert Bernd Löchter, Sprecher der Behörde. Dies sei bislang nur nicht erfolgt, weil wegen der fehlenden Rückmeldung der Naturschützer der Zustand des Zaunes nicht bekannt gewesen sei. Was wiederum auch wundert, liegt der Zaun doch fast vor der Haustür der Straßenmeisterei. Diese werde die Folie nach Ostern wieder gerade rücken, so Löchter.

Seidl hält den vorhandenen Schutzzaun für wenig sinnvoll. Denn entweder müsse er regelmäßig kontrolliert und repariert oder jeweils im Frühjahr zu den Krötenwanderungen neu aufgestellt werden. „Da in beiden Fällen der Arbeitsaufwand ganz erheblich ist, halten wir den Bau von festen stationären Leiteinrichtungen für sinnvoller und auf die Dauer sicher für die preiswertere Lösung.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/487329?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F702263%2F702278%2F
Nachrichten-Ticker