Westerkappeln
Franz-Josef Schlie ist den Noten treu geblieben

Dienstag, 26.08.2008, 16:08 Uhr

Westerkappeln . Er kann es nicht lassen. Zumindest nicht ganz. Kaum hat die Schule wieder begonnen, steht auch der frisch gebackene Pensionär Franz-Josef Schlie wieder im Klassenzimmer. An der Realschule Westerkappeln hat er am Dienstag seine erste Stunde Keyboardunterricht gegeben. Dabei war er erst vor knapp zwei Monaten feierlich aus dem Schuldienst verabschiedet worden. Lange, könnte man meinen, hat er das Pensionärsdasein nicht ausgehalten.

Zwar unterrichtet der frühere Realschulleiter nun wieder an seiner alten Wirkungsstätte. Allerdings für einen neuen Auftraggeber. Seit kurzem ist Franz-Josef Schlie für die Bürener Musikschule „Forum Musaik“ im pädagogischen Einsatz. Er ist den Noten treu geblieben. „Ich habe ein Leben lang Musik gemacht und wollte meine jahrzehntelange Erfahrung jetzt nicht einfach einmotten“, erzählt der Pädagoge. „Den Wunsch, musikalisch weiterzuarbeiten, hatte ich schon lange.“

Birgit Lindlage, Leiterin der Musikschule, kam das gerade recht. „Für uns ist es ein großer Glücksfall, dass wir Franz-Josef Schlie als Mitarbeiter gewinnen konnten.“ Schon seit einiger Zeit versuche die Musikschule, mehr Kinder und Jugendliche in Westerkappeln für ein Instrument zu begeistern. Mit dem pensionierten Schulleiter konnte Birgit Lindlage dafür nun ein prominentes Zugpferd engagieren. „Die Westerkappelner wissen, was sie an Franz-Josef Schlie haben“, ist sie sich sicher.

Getrieben hat den Pensionär auch der Wunsch, mehr Jugendliche von der Computer-Tastatur an die Klaviatur zu bewegen. Schon als Lehrer habe er mit Sorge verfolgt, dass viele Schüler zwei bis drei Stunden täglich in Internetforen oder Chatrooms in die Tasten hauen. Musikalisch sei dagegen für Jugendliche in Westekappeln beinahe „nix los“. „Am Musikunterricht wird in öffentlichen Schulen schnell gekürzt“, weiß der ehemalige Schulleiter aus eigener Erfahrung.

Wenig begeistert war Schlie, als sich die Gemeinde Westerkappeln vor einigen Jahren aus dem Zweckverband für die Musikschule Tecklenburger Land verabschiedete. „Wo es kein Angebot gibt, gibt es auch keine Nachfrage“, ist er sich sicher.

Für mehr Angebot und eine hoffentlich rege Nachfrage will Franz-Josef Schlie jetzt selbst sorgen. Vielleicht, so hofft er, könne es für die Zukunft auch noch etwas Unterstützung von der Gemeinde geben. Ein kleines Keyboard-Studio im Schulzentrum und ein paar neue Instrumente wünscht sich der Musiklehrer.

Auf seine neue Lehrertätigkeit freut er sich auch jetzt bereits. Glücklich sei er vor allem darüber, dass er sich jetzt ganz auf das Unterrichten konzentrieren kann, sagt Franz-Josef Schlie. Mit Verwaltungsarbeit wie zuletzt als Realschulleiter muss er sich nicht mehr belasten.

Eine Vollzeit-Beschäftigung ist die neue Tätigkeit für den Pensionär freilich nicht. Zurzeit unterrichtet er vier Schüler am Keyboard. Das kann sich zwar in Zukunft noch ändern. Aber ein bisschen Zeit sollte auch noch für den Ruhestand bleiben.

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