Westerkappeln
Tierschutz ist ihr Leben - Bundesverdienstkreuz für Ursula Mertin

Freitag, 24.10.2008, 17:10 Uhr

Westerkappeln . Der Tierschutz ist ihr Leben. Und weil sie damit auch, um es mit den Worten Albert Schweitzers zu sagen, „Erziehung zur Menschlichkeit“ geleistet habe, hat Bundespräsident Horst Köhler Ursula Mertin das Verdienstkreuz am Bande verliehen.

Freitagnachmittag wurde der Orden im Rathaus von der stellvertretenden Landrätin Annette Willebrandt überreicht. „Sie haben einen Großteil ihres Lebens einzig einem Zweck gewidmet: Das Leid der Tiere, verursacht durch Menschen, zu lindern“, erklärte Willebrandt.

„Weil Tiere nicht für sich selbst sprechen können, haben sie es besonders nötig, dass Menschen ihnen ihre Stimme verleihen“, sagte die stellvertretende Landrätin. Und genau dies tue Ursula Mertin seit über 20 Jahren. Im Bereich des Tierschutzes sei die 62-Jährige durch „ihr bedingsloses Engagement“ zu einer regional und auch überregional anerkannten Ansprechpartnerin worden. Diese, wie auch alle Mitstreiter schätzten die Rentnerin vor allem wegen ihres ausgleichenden Wesens, ihrer Menschlichkeit und ihrer persönlichen Integrität.

1985 hatte Ursula Mertin mit ihrem bereits im Jahr 2000 verstorbenen Ehemann Heinz den Tierschutzverein Westerkappeln/Tecklenburger Land gegründet. Gleichzeitig war sie viele Jahre im Tierschutzverein Lengerich tätig. Sie war maßgeblich an der Fusion der beiden Vereine beteiligt. Seit 2007 ist sie in dem „neuen“ Tierschutzverein Vorsitzende.

Stets kümmerte sich Ursula Mertin auch um das Tierheim Lengerich, das vom Tierschutzverein getragen wird.

Nicht zuletzt, so zählte Willebrandt die vielen Verdienste auf, hat sie einen Bereitschaftsdienst aufgebaut, der zahllose verletzte und herrenlos aufgegriffene Tiere übernahm (bis zu 350 im Jahr) und diese in die Tierheime nach Lengerich und Osnabrück-Hellern gebracht.

Der Bereitschaftsdienst, der von rund einem Dutzend Helfer getragen wird, ist neben Westerkappeln und Lengerich auch in Hörstel, Hopsten, Ibbenbüren Ladbergen, Lienen und Tecklenburg unterwegs – nachts und an Wochenenden – wenn es sein muss – rund um die Uhr.

Besonders würdigte die stellvertretende Landrätin Mertins Engagement für die Nachwuchsförderung. So habe sie schon 1986 die Gründung einer Jugendgruppe des Tierschutzvereins unterstützt.

„Sie sind immer zur Stelle, wenn eine zupackende Hand gebraucht wird“, erinnerte Willebrandt zudem an Spendenaktionen wie auf dem Weihnachtsmarkt in Tecklenburg oder außergewöhnliche Einsätze wie gegen den „Vogelmord“ am Gardasee.

„Als ich mich in den 80er Jahren dem Tierschutz zuwandte, habe ich nicht gedacht, dass dieser so einen Stellenwert in meinem Leben einnehmen wird“, meinte Ursula Mertin, die beim Einkauf im Baumarkt übers Handy vom Bürgermeister über die Auszeichnung informiert wurde. „Ich war zunächst ein wenig verstört“, räumte sie ein.

Trotz aller Freude über das Bundesverdienstkreuz gab‘s auch ein wenig Kritik. Der Tierschutzverein und das Tierheim in Lengerich seien über Jahre zuverlässiger Partner der Kommunen im Tecklenburger Land gewesen.

Leider hätten sich einige Gemeinden, so auch Westerkappeln, diesem Verbund aus Spargründen entzogen. „Für die meisten Bürger ist das nicht nachvollziehbar“, erklärte Mertin.

Die Vorsitzende des Tierschutzvereins ist nach Helga Braatz und Ewald Böhme in diesem Jahre übrigens schon die dritte Person aus Westerkappeln, die das Bundesverdienstkreuz erhalten hat.

Aus der Gemeinde würden – bundesweit betrachtet – überdurchschnittlich viele Einwohner mit dem Orden geehrt, sagte Bürgermeister Ullrich Hockenbrink. Dies mache eines deutlich: Die Lebensqualität in Westerkappeln werde auch von dem breiten ehrenamtlichen Engagement vieler Menschen geprägt.

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