Westerkappeln
Klärschlammvererdung vom Tisch

Freitag, 27.03.2009, 15:03 Uhr

Westerkappeln - Vor sechs Jahren hatte die Gemeinde die Idee, eine sogenannte Klärschlammvererdungssanlage zu bauen. Hintergrund war die Befürchtung, irgendwann auf den Reststoffen der Abwasserreinigung sitzen zu bleiben, weil - wie bis jetzt praktiziert - wegen der Schadstoffbelastung mit ihnen nicht mehr landwirtschaftliche Flächen gedüngt werden dürfen. Bei der Bezirksregierung in Münster lief die Kommune - wie Ladbergen - mit den Plänen allerdings vor die Wand. Jetzt dürfte die Gemeinde wohl bauen, wird es aus Kostengründen aber wohl nicht mehr tun.

Zwar habe die Bezirksregierung zwischenzeitlich eingelenkt, jedoch so hohe Auflagen für die Klärschlammvererdung gemacht, dass sich der Bau nicht mehr gelohnt hätte, erläuterte Bürgermeister Ullrich Hockenbrink am Donnerstag im Betriebsausschuss für die Gemeindewerke.

Mittlerweile haben sich die gesetzlichen Vorgaben zwar (noch) nicht geändert, wohl aber der Sachbearbeiter beim Regierungspräsidenten. Zuletzt habe die Behörde eine Genehmigung mit deutlich weniger Auflagen in Aussicht gestellt, berichtete der Verwaltungschef. Weil die Kommune jedoch nicht sprichwörtlich Geld in den Sand setzen wollte, hat sie eine Studie in Auftrag gegeben.

Deren Ergebnisse wurden nun vom Ingenieur-Büro Frilling (Vechta) vorgestellt. Dessen Ergebnis kurzgefasst: Die Gemeinde arbeitet mit ihrer jetzigen Methode günstig und sollte deshalb auch daran festhalten: Der Klärschlamm sollte weiter gesammelt und später auf umliegende Äcker aufgebracht werden.

Bei der angedachten Vererdung würde der Schlamm in großflächigen Beeten über einen langen Prozess so weit getrocknet, dass er am Ende verbrannt oder als Baumaterial eingesetzt werden könnte. Diese Variante wäre zwar nur geringfügig teurer, erfordert aber Investitionskosten mindestens im hohen siebenstelligen Bereich. Dies würde sich am Ende auf die Abwassergebühren niederschlagen.

Solange die landwirtschaftliche Entsorgung möglich sei, bleibe dies der günstigste Weg, erklärte ein Vertreter des Büros Frilling. Zwar soll die Verordnung zur Klärschlammentsorgung neu und wesentlich schärfer gefasst werden, allerdings würde die Schadstoffbelastung aus den Kläranlagen in Osterbeck und Velpe wohl immer noch die dann geltenden Grenzwerte unterschreiten, haben die Gutachter ermittelt.

Die Verwaltung sehe deshalb zurzeit keinen Handlungsbedarf für eine andere Methode, erläuterte Friedhelm Wilbrand. „Das kann aber schnell kippen“, gab der Umweltbeauftragte der Gemeinde zu bedenken. Denn dies hänge auch immer von der Verfügbarkeit landwirtschaftlicher Flächen ab.

Das Büro Frilling empfiehlt deshalb, die Entwicklung der Entsorgungskosten zu beobachten. Gegebenenfalls solle die Gemeinde - bestenfalls zusammen mit anderen Kommunen - längerfristig geltende Dienstleistungsverträge zum Aufbringen des Klärschlamms schließen. Zudem solle darüber nachgedacht werden, den Klärschlamm zusätzlich zu entwässern, damit er eventuell auch zu einer Verbrennungsanlage transportiert werden kann. Der Bau einer Vererdungsanlage wäre dagegen wirtschaftlich nicht zu vertreten.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/465391?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F702241%2F702255%2F
Piratenschiff im „Abi Südpark” abgebrannt
Nächtlicher Feuerwehreinsatz: Piratenschiff im „Abi Südpark” abgebrannt
Nachrichten-Ticker