Westerkappeln
Morgensternschacht soll zum Leuchtturm werden

Freitag, 28.05.2010, 15:05 Uhr

Westerkappeln / Ibbenbüren - Neben dem Kraftwerk und der Zeche Oeynhausen ist er wohl das Wahrzeichen des Schafberges. Jetzt wird der Morgensternschacht in Westerkappeln unter Denkmalschutz gestellt. Kohle wird dort schon lange nicht mehr gefördert. Stattdessen soll das dominante Gebäude künftig den Fremdenverkehr ankurbeln.

Im Rat wurden unlängst keine Bedenken gegen die Unterschutzstellung angemeldet. Warum sollte er das auch. Schließlich kostet das die Kommune keinen Cent. Eigentümerin ist die RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH.

Das Denkmalamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) hatte das entsprechende Verfahren angestoßen, weil der „Förderturm Schacht Morgenstern“ - wie er genau bezeichnet wird - bedeutend für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse im Steinkohlebergbau im Ostfeld des Ibbenbürener Reviers sei.

Kohle wurde am östlichen Schafberg vermutlich schon im 16. Jahrhundert gefördert. Begünstigt wurde der Abbau durch die oberflächennahe Lage der Flöze „Glücksburg“ und „Bentlingsbank“. wie der LWL ausführt.

Zur Ableitung der Grubenwässer legte man bereits 1741 den 368 Meter langen „Preußischen Adlerstollen“ an. Später folgten der „Schafberger Oberstollen“ und schließlich der „Tiefe Schafberger Stollen“ mit einer Länge von 1433 Metern.

In den Jahren 1824 bis 1826 wurde auf diese Stollen der Morgensternschacht angelegt - zunächst mit einer Teufe von 88 Metern. Mit einer einer Dampfmaschine wurden die Grubenwässer gehoben und die Kohle gefördert. Diese erste Abbauperiode endete 1872.

In der Zeit der großen Kohlenot zwischen 1924 und 1928 nahm an diesem Standort die Pachtgrube Concordia die Förderung auf. Zu diesem Zeitpunkt stand auf dem Schacht ein eisernes Fördergerüst mit Hängebank. In den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde dieser Schacht von der Preussag weiter ausgebaut und erreichte mit einer Teufe von 348 Metern die dritte Tiefbausohle des Ostfeldes.

Während des Ausbaues wurde Anfang der 1940er Jahre, also noch während des Zweiten Weltkrieges, der 28 Meter hohe gemauerte Förderturm gebaut. Vor der Stilllegung und Verfüllung diente dieser Schacht in den 1970er Jahren dann nur noch der Wetterführung und Wasserhaltung.

Doch nicht nur bergbaugeschichtliche Gründe spielen für den LWL eine Rolle für die Unterschutzstellung, sondern auch städtebauliche. Das Bauwerk wurde auf einem quadratischen Grundriss in Ziegelstein errichtet. Das Flachdach wird durch eine siebenfach vorkragende Simszone hervorgehoben. Alle Fenster haben Eisensprossen. Ganz oben, dort wo die Turmfördermaschine ihren Dienst tat, gibt es ganz große dieser Fenster. Unter Denkmalschutz werden auch die Mauern des Geländeplateaus erstellt.

Seit den 1970er Jahren ist der Morgensternschacht dem Dornröschenschlaf verfallen. Nun möchten die RAG, das Bergamt und die Gemeinde Westerkappeln den Turm wachküssen und der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Bereits jetzt ist er Startpunkt für eine von vier Bergbau-Wanderrouten, die die Verantwortlichen des Naturparks „Terra vita“ und der Knappenverein Ibbenbüren zusammen entwickelt haben. Über eine Strecke von elf Kilometern geht es ab hier unter anderem über den Anneliesen-Schacht, den Permer Stollen zur Bergehalde der Pachtgrube Lina/Hammersen 2. Vor dem Eingang zum Morgensternschacht wurde vor geraumer Zeit eine Übersichtstafel aufgestellt.

Doch die Gemeinde Westerkappeln würde den Morgensternschacht gerne in einen touristischen Leuchtturm verwandeln, indem er für Besucher zugänglich gemacht wird. Im oberen Bereich soll ein Café eingerichtet werden, von wo aus die Gäste den Ausblick über das Tecklenburger Land genießen können.

Das sieht jedenfalls das Strategiepapier „Wandel als Chance in der Kohleregion Ibbenbüren“ vor, das im vergangenen Jahr für die sechs Bergbaukommunen Ibbenbüren, Hörstel, Hopsten, Mettingen, Recke und Westerkappeln vorgestellt wurde. Dem Projekt „Aktivierung des Morgensternschachts“ wird darin hohe Priorität beigemessen, die Realisierung für dieses oder das nächste Jahr ins Auge gefasst.

Doch Papier ist bekanntlich geduldig. Denn finanziert werden soll das Vorhaben aus Steuermitteln. Angesichts des geschätzten Kostenrahmens von rund einer Million Euro und der kommunalen Finanzlage dürfte der Morgensternschacht vorläufig wohl im Dämmerzustand bleiben.

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