Westerkappeln
„Nein“ zu sagen macht Kinder stark

Donnerstag, 10.06.2010, 15:06 Uhr

Westerkappeln - „Neeeiiiin“, schreien die Kinder laut durch den Raum. Iris Krüninger und Michael Schütte nicken zufrieden. Die beiden Theaterpädagogen haben gerade zusammen mit den Schülern der Klasse 3 und 4 der Peter-Pan-Schule geübt, sich in unangenehmen Situationen verbal zur Wehr zu setzen.

Am Dienstagmittag haben die Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren ihre erste von drei Trainingseinheiten zum Selbstschutz mit Bravour absolviert. Und Spaß hat es ganz offensichtlich auch gemacht.

Iris Krüninger und Michael Schütte gehören zur „theaterpädagogischen werkstatt gGmbH Osnabrück“, einem Modellprojekt, das sich seit 16 Jahren bundesweit mit der Entwicklung und Realisation von Präventionsprogrammen zu Themen wie Sucht, Gewalt und Rechtsradikalismus befasst. Und mit sexuellen Missbrauch. „Mein Körper gehört mir!“ist ein interaktives Theaterstück für Mädchen und Jungen im Grundschulalter mit dem Ziel, Kindern vor Augen zu führen, dass sie allein über ihren Körper zu bestimmen haben und deutlich zum Ausdruck bringen dürfen, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Ob es nun die allzu herzige Umarmung der Oma oder der tätschelnde Klaps auf dem Po vom Onkel ist.

Die beiden Pädagogen muntern die Schüler immer wieder auf, über ihre Gefühle zu sprechen. „Was mögt ihr, was mögt ihr nicht ?“ Positive Gefühle werden als „Ja-Gefühle“, negative als „Nein-Gefühl­e“ unterschieden. Das Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen der Kinder wird auf spielerische Art gestärkt.

Mit kurzen Theaterszenen erhalten die Kinder Anregungen, wie sie sich in schwierigen Alltagssituationen verhalten können. Beispiel: Ein schüchternes Schulmädchen wird von einem älteren Jungen während einer Busfahrt belästigt. Mit einem lauten „Nein“ schlägt sie den betont cool auftretenden Jungen schließlich in die Flucht. Diese Aufführung hat den Kinder der Förderschule so gut gefallen, dass sie spontan darum bitten, die Szene nachspielen zu dürfen.

Es falle nicht immer leicht, „Nein“ zu sagen oder um Hilfe zu bitten. Auch Kindern nicht. Sie schwiegen oft auch dann, wenn sie Opfer von sexueller Gewalt werden. Denn der Täter sei nicht selten ein guter Bekannter oder gar ein Familienangehöriger. Michael Schütte: „Wir möchten, dass die Kinder wissen, dass immer der Täter Schuld hat, nie das Opfer.“

Iris Krüninger macht den Kindern deutlich, dass sie über ihre Erlebnisse mit einer vertrauten Person reden sollen. „Das ist kein Petzen“, stellt sie klar. Bettina Schneider , organisatorische Leiterin und Lehrkraft der Förderschule, betreut zusammen mit ihrer Kollegin Ute Klesse das Präventionsprogramm an der Peter-Pan-Schule.

Die sprachbehinderten Schüler haben es ihrer Einschätzung nach besonders schwer, sich zu wehren. Einige von ihnen haben Hemmungen zu sprechen, stottern, sprechen undeutlich oder sehr leise. „Sie sind daher besonders gefährdet“, betont Schneider.

Das Präventionsprogramm wird gefördert von ,,Menschen gegen Kindesmissbrauch e.V.“. Der Verein übernimmt auch die Programmkosten.

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