Westerkappeln
Es werden immer weniger

Dienstag, 10.08.2010, 20:08 Uhr

Westerkappeln - Der vergangene Winter war kalt, sehr kalt sogar. Und während der eisige Frost über Wochen und Monate ganz Deutschland bedeckte, starben ganze Völker - Bienenvölker. Auf rund 200 000 haben Forscher den Verlust in diesem Jahr beziffert, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Eine normale Zahl ist das nicht. Sie ist vielmehr überproportional groß und dennoch keine Ausnahme. Denn das Bienensterben lässt sich schon seit Jahren kaum aufhalten. Gleiches gilt für die zweiten Bestäuber - die Hummeln . Auch die „dicken Schwestern“ der Honigbienen werden immer weniger. Schuld daran haben allerdings keineswegs die geringen Temperaturen.

Die Gründe dafür sind weit vielschichtiger. Die Bienen haben mit der Varroa-Milbe einen neuen Feind hinzubekommen. Einst befiel der tödliche Parasit nur asiatische Honigbienen, mittlerweile hat er sich fast weltweit ausgebreitet. Bienenexperten in der ganzen Welt sind sich darüber einig. Die Milben nutzen zu ihrer Vermehrung die Bienenlarven, deren Lymph-Flüssigkeit sie saugen. Damit stören sie die Nährstoffversorgung der sich entwickelnden Bienen.

Doch es gibt noch andere Gründe für das Sterben der so nützlichen Insekten - immerhin sind Bienen nach Schwein und Rind hierzulande Nutztier Nummer drei. Auf den Feldern herrschen oft Monokulturen vor, ehemals blühende Biotope an Straßenrändern fallen Unkrautmitteln zum Opfer, und auch die Gärten bieten wenig Ertragreiches für die Bestäuber. „Viele Gärten sind für Bienen und Hummeln nicht gut, da dort einfach zu wenig blüht“, sagt Natascha Förster von der Westerkappelner Gärtnerei „Blumen Förster“. Sie beschäftigt sich auch in ihrer Freizeit schon länger mit dem Thema Hummeln und weiß: „Bienen und Hummeln sind rotblind, sehen dafür aber ultraviolett.“ Der Mensch nimmt dieses Farbe dagegen nicht wahr.

Nicht alles, was blüht, ist daher für die Insekten auch geeignet. „Gut sind violett blühende Pflanzen“, sagt Förster. Ein Hinweis, der ruhig als Appell verstanden werden darf. Denn Bienen und Hummeln nutzen allen - und alle können etwas tun. „Einfach mal den Klee und Brennnesseln stehen lassen“, ist ein Tipp von Förster. Natürlich lassen sich in den beiden örtlichen Gärtnereien eine ganze Menge Pflanzen kaufen, mit der ein Hausbesitzer schon bald der Liebling aller Bienen wird.

Sonnenhüte (Echinacea), Lavendel und Krokus sind nur drei von vielen Möglichkeiten, um den Bienen die Möglichkeit auf Nektar und Pollen zu geben. „Klar, Blühpflanzen sind etwas teurer und machen mehr Arbeit. Aber man hat länger etwas davon und tut wirklich Gutes“, sagt Förster.

Tatsächlich ist der Mensch in der Pflicht, seinen kleinen fliegenden Helfern beizustehen. Ohne sie werden die Erträge von Ackerpflanzen und Obstbäumen drastisch sinken. Schon heute soll es nach Meinung von Experten bienen-freie Gebiete in Deutschland geben. Und Deutschland ist kein Einzelfall. Europa, Asien, Nordamerika - überall herrschen die gleichen Probleme. Es braucht Lösungen - Ansätze finden sich im Kleinen. In blühenden kleinen Gärten, oft die letzten Oasen für Bienen.» Buchtipp: „Hummeln brauchen blühendes Land“, Günter T. Witte und Julia Seger, für große und kleine Naturfreunde.

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