Westerkappeln
Dreschtage bieten hautnahen Sachkundeunterricht

Sonntag, 19.09.2010, 14:09 Uhr

Westerkappeln - Das laute Rattern und der stärker werdende Qualm stören ihn nicht. Interessiert verfolgt Finn Loheider , wie der alte Stationärmotor in Gang gebracht wird, um die antike Schrotmühle anzutreiben. Das Rattern wird rhythmischer, die Mühle beginnt zu mahlen. Der Achtjährige geht noch einige Schritte näher an die Maschine heran und beobachtet genau, wie der Hafer zu Tierfutter verarbeitet wird. Der gemahlene Hafer sei zu grob, um ihn beispielsweise als Mehl zum Brotbacken zu verwenden, erläutert Reinhard Miete , Mitorganisator der Dreschtage .

Finn war am Wochenende zum ersten Mal bei den Dreschtagen dabei. Der Achtjährige kommt aus Georgsmarienhütte und war zusammen mit seinem Opa, der in Westerkappeln lebt, zum Traktorenmuseum Westerkappeln gekommen.

Der Grundschüler freute sich, dass er hautnah miterleben konnte, wie in früheren Zeiten gedroschen und gemahlen wurde. „Das nehmen wir gerade in Sachkunde durch“, erzählte er. Er ließ den gemahlenen Hafer durch seine Finger gleiten und überprüfte, ob vielleicht noch ganze Körner darunter sind.

Auch die beiden zweijährigen Malte und Nora hatten Spaß daran, mit ihren Händen in den Strohhaufen zu greifen, einzelne Halme herauszupicken oder gleich eine ganze Handvoll Stroh in die Luft zu werfen. Das ist mal was anderes als im Sand buddeln oder im Wasser zu planschen.

Aber natürlich kamen auch die Erwachsenen auf ihre Kosten. Denn das Organisatorenteam hatte in diesem Jahr wieder für besondere Vorführungen gesorgt. Ein Blickfang war der große Dreschkasten der Firma Holthaus. Die von Horst Kellermeyer restaurierte Maschine stammt aus den 1950er Jahren.

In Gang gesetzt wurde sie von einem Lanz-Bulldog mit Glühkopf in Gang gebracht, der im Besitz von Reinhard Miete ist. Mit den Dreschkästen habe man bis in die Mitte der 1960er Jahre das Getreide gedroschen, erläuterte Kellermeyer. Stellte der Dreschkasten damals auch eine große Arbeitserleichterung dar, das Dreschen blieb eine körperlich sehr anstrengende Tätigkeit. ,,Von morgens früh um fünf bis in die Nacht hinein ist gedroschen worden“, wusste Kellermeyer zu berichten. Der schwere Dreschkasten sei reihum von Hof zu Hof gebracht worden. „Gedroschen wurde von November bis in den Februar hinein.“ Bei schlechter Witterung habe man auch auf der Diele gedroschen.

Mit den Aufkommen der Mähdrescher in den 1960er Jahren, die alle Arbeitsgänge des Dreschens vereinten, war die kurze Zeit der Dreschkästen vorbei. Reinhard Miete schätzt, dass das Dreschen mit dem Mähdrescher fünf Mal schneller geht als auf traditionelle Weise.

Der am Wochenende zum Dreschen und Mahlen verwendete Hafer war von Miete auf seinem eigenen Acker Anfang August geerntet worden. Die feucht-kalte Witterung in den vergangenen Wochen habe ihnen allerdings große Schwierigkeiten bereitet, genügend Hafer für die Vorführungen der Dreschkästen und der Schrotmühle zusammen zubekommen, erläuterte Heinrich Teepe. Denn der Hafer wollte einfach nicht richtig trocknen. Die Witterungsverhältnisse würden zusehends extremer, findet er.

Auch am vergangenen Wochenende war das Wetter wechselhaft. Das Organisationsteam der Dreschtage war mit der Besucherresonanz aber zufrieden. Denn allen ungemütlichen Witterungseinflüssen zum Trotz: „Bislang sind wir immer mit einem blauen Auge davon gekommen.“, meinte Teepe.

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