Westerkappeln
Kaufen ist (k)ein Kinderspiel

Donnerstag, 03.03.2011, 16:03 Uhr

Westerkappeln - „Haste was, dann biste was“ - In diesem Spruch steckt viel Wahrheit. Wer ein dickes Auto fährt, teure Designer-Klamotten trägt oder alle drei Monate ein neues Smartphone hat, wird zumindest in bestimmten Kreisen bewundert und beneidet. Gerade bei Kindern und Jugendlichen haben oftmals jene die Hosen an, die die teuersten tragen. Wer outfit- und kohlemäßig nicht mithalten kann, gilt oftmals nicht viel.

Um dieses Problem ging es am Dienstagabend im Haus Bonhoeffer. Auf Einladung des Evangelischen Familienzentrums Westerkappeln referierte Diplom-Theologe Georg Bienemann zum Thema „Kaufen ist (k)ein Kinderspiel - Kind und Konsum“.

Die nur spärlich erschienenen Besucher erfuhren dabei einiges zu den Ursachen übertriebenen Konsums und bekamen Ideen geliefert, wie das Kaufverhalten von Kindern und Jugendlichen in die richtige Richtung gelenkt werden kann.

Bienemann, seit 22 Jahren Geschäftsführer der katholischen Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NW e.V., stellte gleich zu Beginn der Veranstaltung eine recht provokante These auf: Es spreche wohl einiges dafür, dass durch Konsumbelastung eine gewisse Verwahrlosung bei Kindern erfolge. Diese These habe er vor einiger Zeit von einer Künstlerin gehört - und ganz falsch sei sie wohl nicht. Zu sehr seien Geltung und Lebensqualität mit Konsum verbunden.

Welche verschiedenen Formen von falschem Kaufverhalten gibt es ? Zunächst wäre da der demonstrative Konsum. „Dabei geht es um soziale Anerkennung“, erklärte Bienemann, Vater von drei erwachsenen Kindern. Demonstrativer Konsum sei beinahe überall zu beobachten.

Problematischer sei da schon der kompensatorische Konsum. „Hier werden Probleme durch Konsum gelöst“ - nach dem Motto „Wieder eine Fünf ? Egal, dann kaufe ich mir eben was schönes.“ Im Leben von Kindern und Jugendlichen, die kompensatorischen Konsum betreiben, sei häufig Leistungsdruck, autoritäre Erziehung und ein starker Druck durch die „Peer-Group“ - der Gruppe der Gleichaltrigen - zu finden.

„Und all das wird noch durch die Werbung und die Darbietung in den Läden verstärkt“, kritisierte Bienemann. Er riet, Läden, in denen vor allem an der Kasse ein starker Reiz auf Kinder ausgeübt werde, zu meiden.

Ganz besonders schlimm werde es, wenn falsches Kaufverhalten schließlich in Kaufsucht münde. Nach Schätzungen seien immerhin sechs Prozent der Jugendlichen in Deutschland kaufsüchtig.

Wie können die Probleme gelöst werden ? Ganz wichtig ist nach Ansicht Bienemanns die Stärkung des Selbstbewusstseins und der Selbstständigkeit. „Wer nicht viel von sich hält, neigt deutlich eher dazu, übermäßig zu konsumieren.“ Vor allem müssten Kinder lernen, dass direkte Bedürfnisbefriedigung nicht immer gut ist und Sparen ein Wert hat.

Reden, reden, reden, schlug Heike Bulk, Leiterin des Kindergartens Anne Frank vor. „Man muss mit Kindern über Geld sprechen und sie vor allem stark machen.“ Auch Taschengeld sei wichtig, am besten ab dem Grundschulalter. Wieviel ? Vorschläge seien unter anderem im Internet zu finden, sagte eine Besucherin.

Wann fängt es an, dass Kinder sich für Konsum interessieren ? Spielen teure Dinge schon im Kindergarten eine Rolle? Unter kleinen Kindern gebe es zwar noch keine Ausgrenzung wegen der Kleidung, beruhigte Heike Bulk, Leiterin des Kindergartens Anne Frank, die Zuhörer. „Aber Bewunderung gibt es schon, wenn einer eine bestimmte Kindergartentasche oder ähnliches hat.“

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