Freiwillig im Altenpflegeheim
20-Jährige aus Wersen macht im Haus der Diakonie aus der Not eine Tugend

Westerkappeln -

347 Euro verdient Kimberly Moore im Monat für ihren Job im Altenpflegeheim. Das Spritgeld ist da schon eingerechnet. „Ich komme sehr gerne zur Arbeit“, sagt die 20-Jährige. Vordergründig mag das komisch klingen, doch Kimberly Moore ist keine gewöhnliche Arbeitnehmerin. Sie gehört der ersten Generation des Bundesfreiwilligendienstes an.

Freitag, 20.01.2012, 02:55 Uhr

347 Euro verdient Kimberly Moore im Monat. Das Spritgeld ist da schon eingerechnet. „Ich komme sehr gerne zur Arbeit“, sagt die 20-Jährige. Vordergründig mag das komisch klingen, doch Kimberly Moore ist keine gewöhnliche Arbeitnehmerin. Sie gehört der ersten Generation des Bundesfreiwilligendienstes an.

Die Bundesregierung hat den Dienst mit dem sperrigen Namen ins Leben gerufen. Als Ersatz für den Zivildienst, der mit Einstellung der Wehrpflicht am 1. Juli 2011 wegfiel. „Der Bundesfreiwilligendienst soll helfen, die Folgen der Aussetzung des Zivildienstes zumindest teilweise zu lösen“, heißt es dazu auf der Homepage des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Bundesministerin Kristina Schröder lässt sich dazu wie folgt zitieren: „Der Bundesfreiwilligendienst ist der Nährboden für eine neue Kultur der Freiwilligkeit in Deutschland.“

Gemessen an Kimberly Moore stimmt das – bedingt zumindest. Die Wersenerin absolvierte im Sommer ihr Fachabitur an den Krüger-Schulen. Eigentlich wollte sie danach eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin machen. „Ich hatte mich an allen Kliniken der Region beworben“, sagt Moore. Dennoch stand sie letztlich ohne Ausbildungsplatz da.

Also wandte sie sich in Westerkappeln an das Haus der Diakonie und fragte nach einem Jahrespraktikum in der Altenpflegeeinrichtung. „Herr Niemöller hat mir dann noch einen anderen Vorschlag gemacht“, sagt Moore strahlend.

Jörg Niemöller ist Pflegedienstleiter im Haus der Diakonie. Auch er hatte zu dem Zeitpunkt, als ihn Moore anrief, noch keine Erfahrungen mit dem neu eingerichteten Dienst. Heute sagt er: „Das war alles sehr unkompliziert.“ Auch die Freiwillige selbst empfindet das so: „Ich habe bei der zuständigen Stelle angerufen – zwei Wochen später konnte ich anfangen.

Auf ihrem Dienstplan stehen seit Anfang November neben der Arbeit in der Einrichtung seitdem auch Seminare. Die sind meist in der Umgebung. Als Abschluss des zwölfmonatigen Dienstes findet Moores letztes Seminar in Riga statt: „Den Urlaub gibt es also gleich dazu“, sagt Moore und schmunzelt.

In Westerkappeln wird sie im Bereich der Grundpflege eingesetzt. Das bedeutet: Waschen und Anziehen der Bewohner am Morgen. Mittags wird Essen ausgegeben, am Abend werden die Bewohner bettfertig gemacht. Und auch dazwischen gibt es viele kleine Aufgaben, die es zu erledigen gilt. Bereits nach ein paar Tagen, in denen ihr vieles gezeigt wurde, durfte Moore in vielen Bereichen eigenständig arbeiten. „Der Kontakt zu den Menschen, der gefällt mir, den brauche ich zum arbeiten“, sagt Moore. Niemöller schaut seine junge Arbeitskraft dabei mit einem Lächeln an. „Ich will doch wohl hoffen, dass wir in einem Jahr auch eine Bewerbung von ihnen bekommen“, sagt er. Offenbar hat die neue Konstellation längst Früchte getragen – für beide Seiten.

Dabei gab es in den vergangenen Jahren nicht mal Zivildienstleistende im Haus der Diakonie. „Die Stellen waren einfach sehr schwer zu besetzen“, sagt Niemöller. Durch den Bundesfreiwilligendienst, den grundsätzlich nahezu jeder leisten kann, hofft er, nun auch wieder mehr Auszubildende für die Altenpflege begeistern zu können. Zwei Stellen hat die Einrichtung dafür in jedem Jahr. Außerdem könnten zwei bis drei Personen den Bundesfreiwilligendienst leisten. Je nachdem, was der Träger genehmige. Denn die 347 Euro im Monat sind nur das Geld, dass Moore ausbezahlt bekommt. Insgesamt entstehen Kosten von rund 490 Euro im Monat. Die Differenz fließt in die Seminare. „Wer sich dafür interessiert, darf sich gerne bei uns melden“, wirbt Niemöller.

Die junge Frau aus Wersen ist jedenfalls zufrieden. Zwar bleibe die Gesundheits- und Krankenpflege eine Option, doch auch eine Ausbildung in der Altenpflege könne sie sich längst vorstellen. „Und natürlich ist es so, wenn man jemanden schon kennt und er sich nicht dumm anstellt, gibt es keinen Grund ihn wegzuschicken“, sagt Niemöller.

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