Kritik aus der Lokalpolitik
Hiesige Politiker sind von Christian Wulff nicht überzeugt

Westerkappeln -

Auch der Tag des TV-Interviews war offenbar kein Befreiungsschlag für Christian Wulff. Der Bundespräsident mit Westerkappelner Wurzeln stößt zwar bei den hiesigen Politikern teilweise auf Verständnis, dennoch fällt das Zeugnis für Wulffs Krisenmanagement durchwachsen aus.

Donnerstag, 05.01.2012, 20:01 Uhr

Bürgermeister Ullrich Hocken­brink ( SPD ) und die CDU-Fraktionsvorsitzende Susanne Hehemann stehen vor allem den Vorfällen rund um die Bild-Zeitung kritisch gegenüber. „Dafür habe ich kein Verständnis, zumal ich gerade den Artikel in der Welt als harmlos empfunden habe. Als oberster Repräsentant des Staates ist ein guter Umgang mit den Medien essenziell“, sagt Hockenbrink.

In die gleiche Kerbe schlägt Hehemann. Zwar mahnt sie, dass auch einem Bundespräsidenten Privatsphäre zustehe, dennoch sei sie enttäuscht vom Umgang Wulffs mit der Krise . „Es gibt Dinge, die gehen nicht. An die Pressefreiheit muss sich eben auch ein Bundespräsident halten.“

In Schutz nimmt Hehemann, die selber bei einer Bank arbeitet, Wulff allerdings in der Kreditaffäre. Sonderkonditionen seien keine Seltenheit und eben abhängig von der Bonität des Kunden. Auch Hockenbrink sieht diesen Vorgang unproblematisch.

Irritiert zeigt sich der Bürgermeister jedoch von Wulffs Aussage, dass er, Wulff, sich erst habe in das Amt des Bundespräsidenten hereinfinden müssen. „Ein Lehrbuch für Bundespräsidenten gibt und gab es nicht. Seine Vorgänger mussten diese Aufgabe alle bewältigen.“ Unsicher ist sich Hocken­brink, was Wulffs Zukunft angeht. Einerseits glaubt er, dass Wulff „an moralischer Autorität verloren“ habe. Zeitgleich aber attestiert er dem Bundespräsidenten ein „hohes Stehvermögen“. Sollte jedoch der Vorwurf der Bild-Zeitung zutreffen, dass Wulff, anders als behauptet, nicht nur um einen Aufschub des Berichts in der Bild-Zeitung gebeten habe, dann, so Hockenbrink, habe Wulff öffentlich gelogen und sei nicht mehr haltbar. Auch Susanne Hehemann wird deutlich: „Ich halte Herrn Wulff grundsätzlich schon für fähig, dieses Amt zu bekleiden. Doch nach dem, was gewesen ist, sollte er auf das Amt verzichten – wenn es denn eine Alternative gäbe. Die sehe ich aber derzeit auch nicht.“

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